Bettwil

Rechtsextreme bieten Bettwil Hilfe an im Kampf gegen die Asylunterkunft

Rechtsextreme versuchen in Bettwil Fuss zu fassen.

Rechtsextreme versuchen in Bettwil Fuss zu fassen.

Der Gemeinderat von Bettwil hat Post von Rechtsextremen erhalten. Sie sichern der Gemeinde die Unterstützung zu im Kampf gegen die Asylunterkunft. Doch der Gemeinderat distanziert sich klar von Angeboten extremer Gruppierungen.

Vor ein paar Tagen haben die Bettwiler dicke Post erhalten. Unter dem Titel «Asylanten sind Okkupanten» gratuliert die Europäische Aktion (EA) den Einwohnern zu ihrem «mutigen Kampf gegen das ‹Asylanten›-Heim».

Die EA warnt die Bevölkerung zudem vor «plündernden und mordenden Banden in heilen Schweizer Dörfern» und bezeichnet Asylsuchende als «zivile Truppen einer kommenden Welt-Einheitsregierung».

Das zweiseitige Schreiben trägt keine Absenderadresse, verweist aber auf die Internetseite der Europäischen Aktion - ein braunes Sammelbecken rassistischer und antisemitischer Ideen.

«Die EA, angeführt von Holocaust-Leugner Bernhard Schaub, will Rechtsextreme aller europäischen Länder vereinen», sagt Hans Stutz, Journalist und Experte für Rechtsextremismus. «Ziel ist ein nationalsozialistisches Europa, ausschliesslich für weisse Einwohner.»

Um dieses Ziel zu erreichen, will die noch junge Organisation in jedem Land «Stützpunkte» errichten, die von einem Gebietsleiter geführt werden. «Man sucht offensichtlich Mitglieder und Sympathisanten an jenen Orten, wo Konflikte mit Ausländern bestehen», sagt Stutz. Deshalb sei es nachvollziehbar, dass die EA die Bettwiler angeschrieben habe.

Gemeinderat distanziert sich

Die Europäische Aktion und deren radikale Umbaupläne für Europa sind in Bettwil jedoch alles andere als willkommen. Sofort in den Papierkorb befördert habe sie diese Propaganda, sagt eine Bettwilerin.

Klartext spricht auch Gemeindeammann Wolfgang Schibler: «Wir distanzieren uns von Hilfsangeboten, die ideologisch weit entfernt von unseren Werten sind.» Solche Trittbrettfahrer müsse man ignorieren. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten wollte dazu keine Stellung nehmen.

Der Brief der EA ist in Bettwil nicht der einzige Versuch einer unwillkommenen Einmischung von aussen: Unter den Hunderten Briefen und E-Mails, die der Gemeinderat und das Bürgerkomitee «Probettwil» in ihrem Kampf gegen die Asylunterkunft erhalten, sind nebst unzähligen Angeboten von freiwilliger Mithilfe und kostenloser Beratung immer wieder zwielichtige Schreiben.

«Wir können uns für euch organisieren und mit 1000 Leuten nach Bettwil kommen», wurde Gemeindeammann Schibler unter anderem bereits angeboten. «Grundsätzlich ist jede Solidarität willkommen», hält Schibler fest. «Wir Bettwiler möchten das Problem jedoch mit den umliegenden Gemeinden durchstehen.»

Dies stösst Sympathisanten aus anderen Kantonen und dem Ausland sauer auf. Unter den über 3000 Mitgliedern der offiziellen Facebook-Seite gegen die Asylunterkunft wird kritisiert, dass Bettwil zwar Solidarität wolle, jedoch Hilfe von aussen ablehne.

«Von weiteren Aktionen werde ich mich fernhalten, wenn wir unerwünscht sind», schreibt ein Sympathisant und kritisiert, dass nur Einwohner Bettwils und der Nachbargemeinden zur Solidaritätskundgebung vor zehn Tagen eingeladen wurden. «Probettwil» hält fest, dass «alle mit friedlichen Absichten willkommen waren». Man wolle aber extremen Gruppen keine Plattform bieten.

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