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Raumplanung: Das Freiamt will sich nicht von Aarau dreinreden lassen

Pius Wiss, Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt (links), dankt dem pensionierten Kreisplaner Heiner Speck für seine langjährige Arbeit mit einem Geschenk; rechts Specks Nachfolger Benno Freiermuth.

Pius Wiss, Präsident des Regionalplanungsverbandes Oberes Freiamt (links), dankt dem pensionierten Kreisplaner Heiner Speck für seine langjährige Arbeit mit einem Geschenk; rechts Specks Nachfolger Benno Freiermuth.

Der ehemalige Kreisplaner des Regionalplanungsverbands Oberes Freiamt zieht Bilanz über seine 25-jährige Amtszeit. Dabei überwiegen die positiven Eindrücke.

Als Kreisplaner Heiner Speck vor 25 Jahren Freiämter Boden betrat, ahnte er nicht, wie sehr sich diese Region verändern würde. Jetzt wurde er vom Regionalplanungsverband Oberes Freiamt verabschiedet, nachdem er in Pension getreten ist. Speck habe die Entwicklung der Region nicht nur miterlebt und begleitet, sondern auch geprägt, sagte Pius Wiss, Dietwil, Präsident der Repla Oberes Freiamt.

Mit seiner ruhigen, sachlichen Art und seiner hohen Fachkompetenz habe er das Vertrauen der Behörden gewonnen. Specks Nachfolger Benno Freiermuth wünschte er viel Erfolg. «Der Freiämter ist nicht gerade obrigkeitsgläubig», machte Wiss klar, «aber er ist ein friedliebender Mensch.»

Anfangs grosse Skepsis

Die Oberfreiämter seien nicht ganz pflegeleicht, hatte man auch Heiner Speck vor 25 Jahren, als er sein Amt als Kreisplaner antrat, vorgewarnt. Das hat ihn aber nicht abgeschreckt: «Ich kam gerade von meiner Arbeit in der Dritten Welt zurück und dachte mir, schlimmer kann es im Freiamt ja nicht sein.» War es auch nicht. Aber von Raumplanung und Raumentwicklung, von einer regionalen Sicht der Dinge, wollten die Gemeinderäte wenig bis nichts wissen.

Was redet ihr da von Aarau drein, wir können das schon selber, sei die Haltung gewesen, erinnerte sich Speck. «Sofort wurde jeweils der Begriff Gemeindeautonomie bemüht.» Mit der Zeit allerdings entwickelte sich das Verständnis für regionale Anliegen. «Die Erkenntnis, dass eine regionale Sicht notwendig ist, wuchs mit den zunehmenden Problemen.»

Beispiele wie die Umfahrung Sins machten deutlich, dass Massnahmen in einer Gemeinde Auswirkungen auf die umliegenden haben. Gefördert worden sei dieses Verständnis durch den Regionalplanungsverband Oberes Freiamt unter Josef Nogara. «Er war einer, der Nägel mit Köpfen machen wollte.» So entstanden unter anderem eine Zukunftsvision und ein Raumentwicklungskonzept.

Zum kantonalen Massstab

Früher hätten die Freiämter den Ruf gehabt, sie würden «jedes Tobel mit Aushubmaterial auffüllen.» Das sei längst vorbei, unterstrich Speck. Mehr noch: Mit den Aushubdeponien in Beinwil und der geplanten Deponie in Dietwil sei der Bezirk Muri in dieser Hinsicht sogar zum Massstab für den ganzen Kanton geworden.

Gut gerüstet

Das Positive überwiegt bei den Betrachtungen der letzten 25 Jahre durch Speck klar. So hätten beispielsweise die Gemeinden, welche eine Ortsplanung schaffen wollten, mit dem Raumentwicklungskonzept eine hervorragende Grundlage. Auch sei keine einzige Gemeinde des oberen Freiamts von der Auszonungen betroffen gewesen.

Aber es gäbe auch Negatives: «Schade, dass der Seetalplatz in Muri im letzten Moment nicht zustande kam. Das Pionierprojekt hätte Vorzeigecharakter im ganzen Kanton gehabt», ist Speck überzeugt. Nicht glücklich ist er mit der Einzonung der Krähenweid ebenfalls in Muri. «Ich kann nicht sagen, dass dies gelungen ist.»

Und schade findet es der ehemalige Kreisplaner, dass bis heute keine Lösung für Fahrende gefunden werden konnte. «Das sind nicht Leute, die einfach eine Sauerei machen. Wir sehen das auf unseren gut funktionierende Durchgangsplätzen.»

Benno Freiermuth, Specks Nachfolger und Fricktaler, stellte fest, dass er bislang das Freiamt kaum gekannt hat, aber auch, dass das Fricktal und das Freiamt viele Gemeinsamkeiten haben. Etwa die, «weit weg von Aarau» zu sein. Er habe hier bis jetzt einen sehr engagierten Regionalplanungsverband und ein starkes Bewusstsein für die Region und die Landschaft festgestellt. Seine Aufgabe in der «sehr spannenden Region» sei durch das Raumplanungsgesetz und den Richtplan gegeben. «Ich sehe mich als fachlicher Berater sowie als Vermittler und Scharnier zwischen Gemeinden, Region und Kanton.»

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