Fischbach-Göslikon
Raumbedarf der Schule ist grösser als bisher bekannt – das geht ins Geld

Fischbach-Göslikon braucht einen definitiven Kindergarten, momentan gibt es nur ein Provisorium. Die Gemeinde muss ihre Schulanlagen dringend erweitern, das dürfte mächtig ins Geld gehen. Der Raumbedarf ist mächtig gestiegen.

Toni Widmer
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Nach den Grundsatzinformationen konnte an einem Workshop über die drei Themenblöcke Raumbedarf, Varianten und Finanzen diskutiert werden.

Nach den Grundsatzinformationen konnte an einem Workshop über die drei Themenblöcke Raumbedarf, Varianten und Finanzen diskutiert werden.

Toni Widmer

Vor vier Jahren war die Rede von knapp 0,7 Mio. Franken: Für diesen Betrag wollte der Gemeinderat einen Modulbau erstellen lassen. Darin sollte der Kindergarten untergebracht werden, der bisher im Kellergeschoss des Schulhauses Löhrli logierte. Die Gemeindeversammlung vom 24. Juni 2015 war einverstanden, doch an einer Referendumsabstimmung im Herbst des gleichen Jahres erlitt das Vorhaben deutlich Schiffbruch. Ein Modulbau sei keine weitsichtige Lösung, man solle das Schulhaus Löhrli aufstocken und so die anstehenden Raumprobleme lösen, hatten die Referendumsinitianten verlangt.

In der Folge wurde das zwar geprüft, vom Gemeinderat aber 2016 wieder auf Eis gelegt. Für die unter Platzmangel leidenden schulergänzenden Angebote sollten die nötigen Räumlichkeiten vorübergehend gemietet werden. Damit war die Gemeindeversammlung nicht einverstanden. Im Juni 2017 wurde ein Überweisungsantrag gutgeheissen, der den Gemeinderat verpflichtete, die Aufstockung des «Löhrli» voranzutreiben.

Inzwischen hat sich jedoch herausgestellt, dass der Raumbedarf der Fischbach-Gösliker Schule grösser ist als bisher angenommen. An einem gut organisierten Workshop haben die Verantwortlichen am Mittwochabend die interessierten Stimmberechtigten detailliert über die Fakten informiert, das geplante weitere Vorgehen in Sachen Schulraumplanung aufgezeigt, Fragen beantwortet und Anregungen entgegengenommen.

Fischbach-Göslikon braucht einen definitiven Kindergarten, bisher gibt es nur ein Provisorium. Weiter sind drei Gruppenräume, ein Sprachzimmer, ein Zimmer für Textiles Werken, ein Computerraum sowie je ein Raum für Heilpädagogik und Deutsch als Zweitsprache nötig. Dieser Raumbedarf, so war an der Veranstaltung zu erfahren, ergibt sich zum Teil aus den Anforderungen des Lehrplans 21, andererseits soll die Situation an der Schule insgesamt verbessert werden. Zurzeit behilft man sich mit Notlösungen: Schulhausgänge werden zu Gruppenräumen, mit Etagenbetten in den Schulzimmern wurde Platz für Leseecken geschaffen.

Raumbedarf markant gestiegen

Die Unterrichtsformen hätten sich verändert, die Vorgaben des Kantons an den Raumbedarf seien ebenfalls höher und die Schülerzahlen nach wie vor im Steigen begriffen, erklärte Schulpflegerin Karin Boccali: «Im Jahr 1900 haben zwei Quadratmeter für ein Schulkind ausgereicht, 1980 waren fünf Quadratmeter nötig, heute sind es zehn», erklärt sie und fügte hinzu: «Wir brauchen die zusätzlichen Räume weder für die Lehrerschaft noch für die Schulpflege und auch nicht für den Gemeinderat – wir brauchen sie für unsere Kinder.»

Verschiedene Varianten geprüft

Es gibt zwei Varianten, die Raumnot zu beheben: Eine Sanierung und Aufstockung des Schulhauses Löhrli würde laut ersten Schätzungen rund 4,25 Mio. Franken kosten. Damit könnte der Bedarf aber nicht vollends abgedeckt werden. Möglich wäre das mit einem Schulhausneubau, dessen Realisierung auf 6,48 Mio. Franken veranschlagt wird. Würde gleichzeitig auch noch eine neue Turnhalle gebaut, wären weitere 4,12 Mio. Franken nötig.

Viel Geld, das die kleine Gemeinde nicht hat. «Allein um einen Schulhausneubau realisieren zu können, müsste Fischbach-Göslikon seinen Steuerfuss um 4 auf 110% erhöhen, die Nettoverschuldung pro Kopf würde zudem bis im Jahr 2025 auf 5000 Franken ansteigen», erklärte Gemeindeammann Hans Peter Flückiger. Und erklärte weiter, dass er die Realisierung eines Projekts mit Schulhausneubau und Turnhalle als nicht finanzierbar erachte.

Warum hat man diesen Raumbedarf nicht früher erkannt? Eindeutige Antworten auf diese Frage konnten weder Schulpflegerin Karin Boccali noch der zuständige Gemeinderat Thomas Rohrer geben. Vor vier Jahren, erklärten sie, sei der Auftrag noch anders gewesen, und man habe auch über die Auswirkungen des Lehrplans 21 noch zu wenig gewusst. Allenfalls habe man damals aber auch einfach zu wenig in die Zukunft geschaut.

Der Workshop im Anschluss an die Information war recht ergiebig. Es gab verschiedene Anregungen, die laut Gemeinderat in die weitere Planung, die von einer noch zu gründenden Kommission geleitet wird, einfliessen. Unter anderem auch ein Alternativvorschlag, den Alt-Gemeinderat Bruno Hunkeler präsentierte. Er sieht die Lösung aller Probleme in einer Umnutzung der bisherigen Mehrzweckhalle im Schulhaus sowie dem Neubau einer Mehrzweckhalle.