Bremgarten
Raser im Temporausch: Mehrere Polizeibeamte bangten um ihr Leben

Auf seiner Höllenfahrt gefährderte er zahlreiche Menschen. Lediglich elf Minuten brauchte er von Suhr nach Wohlen. Jetzt muss der Raser für sechs Monate ins Gefängnis und darf während drei Jahren nicht hinters Lenkrad.

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Der damals 20-jährige Raser war mit bis zu 188,9 Stundenkilometern unterwegs. (Symbolbild)

Der damals 20-jährige Raser war mit bis zu 188,9 Stundenkilometern unterwegs. (Symbolbild)

Keystone

Mehr Glück als Verstand hatte ein BMW-Fahrer im Oktober 2011: Der heute 22-jährige Mann durchbrach mit stark erhöhter Geschwindigkeit auf der Autobahn und der Kantonsstrasse nach Wohlen mehrere Polizeisperren. In Wohlen konnte die Polizei den Autofahrer endlich stoppen und verhaften. Bei seinem Höllenritt mit bis zu 188,9 Kilometern in der Stunde im 80-km-Bereich gefährdete er mehrere Polizeibeamte an Leib und Leben.

Fahrverbot für drei Jahre
Das Bezirksgericht Bremgarten unter dem Vorsitz von Peter Thurnherr verurteilte den BMW-Fahrer gestern wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens und mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten. Davon muss er sechs Monate im Gefängnis verbüssen.

Die Probezeit für die bedingt ausgesprochene Strafe wurde auf drei Jahre festgesetzt. Ausserdem belegte ihn das Gericht mit einem Fahrverbot von drei Jahren. Das Urteil erfolgte mehrheitlich. Die Minderheit des Gerichts hätte den Automobilisten härter bestrafen wollen.

Rasen aus Liebeskummer?

Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung einigten sich im abgekürzten Strafverfahren auf das festgelegte Strafmass, dem sich die Mehrheit des Gerichts anschloss. Denn der BMW-Fahrer war von Anfang an geständig, zeigte Reue und entschuldigte sich bei den Polizeibeamten für seine Tat, für die er allerdings auch gestern vor dem Bezirksgericht Bremgarten keine Gründe nennen mochte. Dem Vernehmen nach soll ihm seine Freundin am Tag, bevor er seine Raserfahrt antrat, den Laufpass gegeben habe.

„Es tut mir leid, was passiert ist", meinte der Automobilist. „Leider kann ich es nicht mehr rückgängig machen." Der Täter hat seine Lebenssituation inzwischen gefestigt. Er hat eine Lehre als Heizungsmonteur angetreten. Sein Chef sei mit ihm zufrieden, meinte der Beschuldigte, und er sei über das Strafverfahren informiert. Er sei verlobt und wolle seine Freundin dereinst heiraten.

Allerdings musste er auf die Frage eines Bezirksrichters, der nachhakte, zugeben, dass er wegen zwei Verkehrsdelikten vorbestraft sei. Einmal lenkte er ein Auto ohne Lernfahrausweis, das andere Mal fuhr er ebenfalls viel zu schnell und geriet dabei in eine Polizeikontrolle.

In elf Minuten von Suhr nach Wohlen
Der BMW-Fahrer habe eine „klassische Raserfahrt" hingelegt, erklärte der Staatsanwalt. Von Suhr nach Wohlen, wo ihn die Polizei endlich stoppen konnte, habe er rekordverdächtige elf Minuten gebraucht. Weil er aber immer zu seiner Tat gestanden sei und sich in den letzten zwei Jahren nicht mehr strafbar gemacht habe, sei die angesetzte Strafe angemessen.

Sinnvoll sei das Fahrverbot für drei Jahre. Damit werde der BMW-Fahrer insgesamt fünf Jahre lang von der Strasse verbannt. Der Automobilist habe einen „Riesenmist" gebaut, räumte sein amtlicher Verteidiger ein. „Allerdings ist er kein typischer Raser."

Das Gericht habe für die Raserfahrt „nicht das geringste Verständnis", erklärte Gerichtspräsident Peter Thurnherr in der Urteilsbegründung. „Sie haben auf ihrer Verfolgungsjagd zahllose Menschen gefährdet." Nur mit viel Glück seien die Polizeibeamten oder ein Passant, der sich auf der Strasse hätte befinden können, mit dem Leben davon gekommen. „Sie haben alles Glück in Ihrem Leben aufgebraucht und dürfen sich nun gar nichts mehr leisten." Eine bedingte Geldstrafe von 500 Franken aus dem Jahr 2011 wurde widerrufen. Einem Zivilkläger, den der Täter auf seiner Fahrt gefährdete, sprach das Gericht eine Genugtuung von 500 Franken zu.

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