Mehr als 100 km/h zeigte der Tacho seines Autos, als der 55-jährige Ömir (Name geändert) am 14. Juni 2017, kurz nach 15 Uhr auf der Hilfikerstrasse in Sarmenstorf geblitzt wurde. Der Raser ist den Führerschein für zwei Jahre los, sein Auto wurde beschlagnahmt. Am Donnerstag musste sich der Mann vor dem Bezirksgericht Bremgarten für seinen Tempoexzess verantworten. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten warf ihm die vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln vor und forderte eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt, bei einer Probezeit von 3 Jahren.

Die Fahrbahn ist trocken, die Sichtverhältnisse sind gut. Das Auto mit Luzerner Kontrollschildern fährt in Sarmenstorf innerorts mit über 100 km/h in Richtung Hilfikon. Links und rechts der Strasse sind Häuser, es gibt mehrere Einmündungen von Nebenstrassen. Am rechten Rand der Fahrbahn ist ein Trottoir. Der Fahrer sei das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingegangen, stellte die Staatsanwaltschaft fest. Dies treffe insbesondere zu, weil die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerorts um mindestens 50 km/h überschritten worden sei. «Durch seine Fahrweise verletzte der Beschuldigte wissentlich und willentlich in schwerwiegender Weise die signalisierte Höchstgeschwindigkeit», hielt Staatsanwalt Markus Koch in seiner Anklageschrift fest.

«Langsame» Autos überholt

Ömir erinnerte sich vor Gericht: «Vor mir waren drei Autos, die ich überholte, weil kein Gegenverkehr herrschte.» Der Staatsanwalt gab zu bedenken, dass zur besagten Zeit dennoch mit anderen Verkehrsteilnehmern und mit Kindern auf der Strasse zu rechnen gewesen sei: «Und überhaupt wäre die massive Geschwindigkeitsüberschreitung ohnehin nicht nötig gewesen, weil der Angeklagte damals nicht unter Zeitdruck stand.»

Gerichtspräsident Peter Turnherr las eine Passage aus dem Einvernahmeprotokoll vor, die aufhorchen liess: «Ich liebe das schnelle Fahren. Am liebsten sogar mit 300 km/h.» Das sei lediglich einer seiner Sprüche gewesen, winkte der aus der Türkei stammende Ömir ab. Er lebe seit 1969 in der Schweiz und habe hier die gesamte Schulzeit absolviert, erwähnte er vor Gericht. Er hat zwei Töchter und ist seit über zehn Jahren geschieden. «Ich habe einmal eine Stelle gehabt. Da gab es aber Probleme, weil ich gemobbt wurde», sagte der Bezüger einer monatlichen IV-Rente von 2500 Franken. Vermögen hat er keines, einer Arbeit geht er nicht nach.

Der amtliche Verteidiger wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass sein Mandant geständig sei. Er leide unter Schlafstörungen und Depressionen, befinde sich in einer schwierigen Situation und habe in der Schweiz ohnehin einen schweren Stand. Er beantragte eine Freiheitsstrafe von 12 Monaten, bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren.

Keine Reue gezeigt

Das Gericht verurteilte den Angeklagten jedoch einstimmig wegen vorsätzlicher Verletzung elementarer Verkehrsregeln durch besonders krasse Missachtung der geltenden Höchstgeschwindigkeit zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Es gewährte ihm den bedingten Strafvollzug bei einer Probezeit von 3 Jahren. «Mit über 100 km/h durch Sarmenstorf zu fahren, war hochgradig gefährlich», so Gerichtspräsident Turnherr. Zudem habe der Angeklagte im ganzen Verfahren nie ein Wort der Reue verlauten lassen.

Die Staatsanwaltschaft hielt eine Busse von 3000 Franken für angemessen, das Gericht reduzierte sie auf 1500 Franken. Dazu kommen die Verfahrenskosten von rund 2400 Franken und die Standgebühren für das sichergestellte Auto (bisher etwa 1300 Franken). Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers übernimmt einstweilen die Staatskasse, doch sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, muss Ömir das Anwaltshonorar jedoch zurückzahlen.

Sein Auto kann er für 6000 Franken auslösen, wenn das Urteil rechtskräftig geworden ist. Dieser Betrag wird dem Angeklagten an die Busse und an die Verfahrenskosten angerechnet. Sowohl der Staatsanwalt als auch das Gericht vertraten an der Verhandlung die Ansicht, dass für den Personenwagen des Angeklagten im privaten Verkauf wohl mehr gelöst werden könnte als durch die Verwertung im Rahmen einer öffentlichen Versteigerung.