Bezirksgericht

Randale nach Cupspiel in Wohlen: Gericht spricht vorbestraften FCZ-Hooligan frei

FCZ-Fans bei einem Marsch. Vor zwei Jahren sorgten rund 30 Ultras für eine Schlägerei in Wohlen. (Symbolbild)

FCZ-Fans bei einem Marsch. Vor zwei Jahren sorgten rund 30 Ultras für eine Schlägerei in Wohlen. (Symbolbild)

Nach einem Cupmatch zwischen Wohlen und dem FC Zürich kam es zu wüsten Vorfällen. Ein FCZ-Anhänger musste sich deswegen vor dem Bezirksgericht Bremgarten verantworten. Obwohl dieses «grosse Zweifel» an seinen Äusserungen hat, sprach es ihn frei.

Nicht nur der sportliche Ausgang des Cupspiels zwischen dem FC Wohlen und dem FC Zürich (0:1) im September 2015 war unschön für die Freiämter Fussballfans, sondern auch die Ereignisse, die sich im Nachgang zu dieser Partie in Wohlen ereigneten. Anstatt in den bereitstehenden Extrazug einzusteigen, provozierten einige FCZ-Anhänger im Bereich des Bahnhofplatzes eine Auseinandersetzung mit der Kantonspolizei Aargau. Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten machte sich kurz vor 22 Uhr eine Gruppierung von rund 30 vermummten FC Zürich Fans mit Gürteln bewaffnet auf, um eine «gewalttätige Konfrontation mit Drittpersonen und der Polizei zu suchen».

Beim Bahnhofskiosk wurde eine unbeteiligte Person mit einem Faustschlag und einem Kniekick traktiert. Die Kantonspolizei konnte dank des Einsatzes von Gummischrot Schlimmeres verhindern.

«Nichts mitgekriegt»

Der Anführer dieser Krawallgruppe soll Daniel (Name geändert) gewesen sein. Er ist ein stämmiger Mann mit mehreren Tattoos, markantem Gesicht und vorbestrafter Hooligan. Daniel sass wegen seiner Vergangenheit bereits eine mehrmonatige Gefängnisstrafe ab. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten wirft ihm am fraglichen Abend Landfriedensbruch vor. Mittels einer Videoaufzeichnung habe man den Beschuldigten in der gewaltbereiten Menge identifizieren können, heisst es in der Anklageschrift. Er hatte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die «Capo»-Funktion inne, das heisst, er soll der Lenker und Denker der gewalttätigen Gruppierung gewesen sein. Eine «aktive Handlung in Sachen körperlicher Gewalt gegen Personen oder Sachen» konnte ihm die Staatsanwaltschaft hingegen nicht nachweisen.

Im Rahmen der polizeilichen Untersuchungen wollte Daniel sich nicht zu den Vorwürfen äussern. Am Donnerstag brach er vor dem Bezirksgericht Bremgarten sein Schweigen. «Ich war am Spiel», gestand er zu Beginn der Verhandlung ein. Jedoch habe er sich nicht an der Ausschreitung beteiligt. «Ich holte mir etwas beim Selecta-Automaten und habe zu Beginn nichts mitgekriegt.» Als er «laute Rufe» hörte, habe er sich umgedreht und sei zurückgelaufen. Wohl deshalb sei er auf den Videoaufnahmen zu sehen.

Von seiner unrühmlichen Vergangenheit habe er die richtigen Schlüsse gezogen. «Ich war jung und naiv, heute halte ich mich aus brenzligen Situationen raus.» Die Verantwortlichen des FC Zürich würden seine positive Entwicklung kennen und hätten ihm deswegen auch kein Stadionverbot erteilt. Ausserdem habe er mittlerweile eine Freundin und sei ein ruhiger, ausgeglichener Mensch geworden.

Gericht hegt Zweifel

Sein Verteidiger forderte in seinem Schlussplädoyer dementsprechend einen Freispruch für Daniel. Er wies daraufhin, dass die von der Staatsanwaltschaft als Beweismittel eingesetzte Videosequenz seinen Mandanten nicht überführe. Es seien letztlich viele FCZ-Fans «mittelgross und etwas fester». Deshalb könne nicht bewiesen werden, dass es sich bei der fragwürdigen Person im Video um Daniel handelt.

Gerichtspräsident Lukas Trost kam nach einer halbstündigen Urteilsberatung zum Schluss, dass die Videoaufnahme tatsächlich nicht ausreicht, um Daniel zu verurteilen. Es könne nicht mit «genügender Sicherheit» festgestellt werden, dass der Beschuldigte sich in der Gruppierung aufhielt. Obwohl das Gericht «grosse Zweifel» an den Darstellungen von Daniel und seinem gepriesenen Wandel hegt, sprach es ihn frei. Die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten kann das Urteil an das Obergericht weiterziehen.

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Autor

Nicola Imfeld

Nicola  Imfeld

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