Fussball
Rainer Bieli sagt vor dem Cupspiel: «Lieber der FCZ als Wohlen»

Der frühere Aarau-Stürmer Rainer Bieli ist Spielertrainer des Zürcher Zweitligisten Küsnacht. Am Samstag (18 Uhr, Heslibach) empfängt sein Team den FC Wohlen im Schweizer Cup.

Ruedi Kuhn
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Rainer Bieli hat sein Glück gefunden.

Rainer Bieli hat sein Glück gefunden.

Alex Spichale

Rainer Bieli, wie viele Leben haben Sie? Bieli zögert und sagt: «Ein Leben». Und liegt mit dieser Antwort goldrichtig. Wer allerdings die Vielzahl der Jobs des früheren Klasse-Mittelstürmers betrachtet, der kann das kaum glauben.

Bieli ist Vertreter im Aussendienst des Büromaterial-Lieferanten Lyreco und absolviert nach eigener Aussage ein 100-Prozent-Pensum. Bieli ist Spielertrainer und Technischer Leiter des FC Küsnacht. Und Bieli ist Ehemann und zweifacher Familienvater.

Früh klingelt der Wecker

Wie um Himmels willen bringt Bieli all diese Aufgaben und Verpflichtungen unter einen Hut? «Das frage ich mich manchmal selbst», sagt er mit einem tiefen Seufzer. «Mein Wecker klingelt kurz vor sechs Uhr. Und ins Bett gehe ich meistens nicht vor Mitternacht. Aber nach meiner Profikarriere war mir klar, dass keiner auf den Bieli gewartet hat», fügt der Rotschopf hinzu. «Also habe ich mein Schicksal selbst in die Hände genommen und ging auf Jobsuche in der Privatwirtschaft.»

Die Suche hat sich gelohnt. Bielis Arbeitstage dauern in der Regel zwar 18 Stunden, aber er ist zufrieden. Sehr zufrieden sogar. Langweilig wird es ihm nicht. Langweilig dürfte es dem 36-Jährigen auch am Samstag im Spiel der ersten Hauptrunde des Schweizer Cups gegen den FC Wohlen nicht werden.

Die Rollen des Duells im Sportplatz Heslibach zwischen dem Zürcher Zweitligisten und dem Freiämter Challenge Ligisten sind klar verteilt. Der FC Wohlen ist Favorit, Küsnacht ist Aussenseiter.

Die geplatzten Wechsel

Alles klar? Nein! Das Aufeinandertreffen von Bieli und Wohlen entbehrt keinesfalls einer gewissen Brisanz. Blicken wir zurück: Martin Rueda und Rainer Bieli spielten 1999 ein halbes Jahr gemeinsam für Xamax. Im Sommer des gleichen Jahres startete Rueda seine Trainerkarriere in Wohlen.

Rueda wollte Bieli von Neuenburg ins Freiamt holen. Bieli aber wollte nicht, blieb bei Xamax und schoss in der Saison 1999/2000 in 32 Spielen 21 Tore. Zehn Jahre später, unmittelbar vor der Saison 2009/10, wollte der FC Wohlen Bieli erneut verpflichten.

Die Verhandlungen schienen auf gutem Weg, ja der damalige Verwaltungsratspräsident René Meier und der frühere Präsident Andy Wyder gingen davon aus, dass Bieli von Concordia Basel zu Wohlen wechseln wird. Denkste!

Bieli entschied sich aus finanziellen Gründen im letzten Moment noch für den FC Winterthur und brachte damit die Führungscrew des FC Wohlen ganz schön in Rage. Für Meier und Wyder war die Absage ein Schlag ins Gesicht.

Natürlich hat diese Geschichten Spuren hinterlassen. Der FC Wohlen würde FC Küsnacht am liebsten vom Platz fegen. Bieli selbst nimmt das Ganze gelassen. «Diese Geschichte ist so lange her», sagt er. «Das war alles halb so schlimm. Ausserdem habe ich dem FC Wohlen damals nichts versprochen und schon gar nichts unterschrieben.»

Wer weiss? Vielleicht wird Bieli am Samstag im Stadion Heslibach erneut zum Spielverderber. Der 36-Jährige weiss jedenfalls noch immer, wie man Tore schiesst. Was die Auslosung für die erste Cup-Hauptrunde betrifft, ist Bieli allerdings nur halbwegs zufrieden.

«Wenn wir schon auf eine Mannschaft treffen, gegen die wir praktisch chancenlos sind, wäre mir der FCZ oder GC natürlich lieber gewesen», sagt er. Hoppla! War das etwa ein kleiner Seitenhieb an die Adresse des nicht ganz so attraktiven FC Wohlen?