Dieser Boden ist getränkt mit Schweiss, Blut und Tränen. Nicht so sehr aus der Zeit, als die Wohler Bleichi als Werkhofgebäude diente, sondern mehr aus der Epoche, als Wohlens Strohindustrie die Freiämter Metropole weltbekannt und ein paar Industriemagnaten steinreich machte. Das wäre aber nicht möglich gewesen, ohne die harte, schlecht bezahlte Arbeit mehrerer zehntausend, vornehmlich weiblicher Fabrik- und Heimarbeiterinnen, die in Wohlen und in der ganzen Schweiz für die Strohbarone schufteten. Unter anderem auch in der Strohbleicherei an der Steingasse.

Genau der richtige Boden, um darauf etwas Neues entstehen zu lassen. Die Strohzeiten sind Geschichte, der Werkhof hat ein neues Zuhause gefunden, das Gebäudeensemble im geschichtsträchtigen Steingassequartier steht mittlerweile unter kommunalem Schutz. Das ist auch gut so, denn solche Bauten sind gesucht. «Die Bleichi bietet extrem viel», sagt Architekt Urs Müller, Vizepräsident der Kunstkommission Wohlen und glühender Fürsprecher eines multikulturellen Kulturzentrums in der Bleichi. «Es darf nicht sein, dass man daraus Büro- oder Schulräume macht.»

Verein für Kultur Wohlen arbeitet mit Kunstkommission zusammen

Nachdem die Kunstkommission keine Ausstellungen mehr im Foyer des Gemeindehauses machen durfte, suchte sie ein neues Zuhause. Im vorderen Teil der Bleichi, dem Mehrzweckraum, den die Gemeinde auch für andere Veranstaltungen gerne vermietet, wurde sie vorerst fündig. «Als dann aber Daniel Güntert im Sommer mit seinen Schülern hier in der alten Einstellhalle des Bauamts sein Theater aufgeführt hat, da ging uns ein Licht auf», erzählt Kommissionspräsident Hans Furter bei einem Gang durch die neuen Ausstellungsräume in der Bleichi. Und noch jemand kam auf die gute Idee, aus der Bleichi ein multikulturelles Zentrum zu machen: die Mitglieder des vor einem Jahr gegründeten Vereins für Kultur Wohlen. Zusammen mit der Kunstkommission wollen sie nun ein Konzept erstellen, das die künftige Nutzung aller Bleichiräume auf den gut und gerne 1500 Quadratmetern festlegen soll.

Der erste Künstler, der die Ehre hat, im neuen Kulturzentrum Wohlens auszustellen, ist Nicolas Witschi, seines Zeichens Lehrer für bildnerisches Gestalten an der Bezirksschule Wohlen. Er hat es geschafft, mit seinen Bildern und Installationen tatsächlich sämtliche Räume des ehemaligen Werkhofgebäudes zu bestücken.

Vernissage zur ersten Ausstellung ist am kommenden Freitag

Grundmaterial seines Schaffens sind Steine. Daraus macht er Pigmente, die er in unterschiedlicher Körnung aufträgt. «Jeder Ort trägt die Farbe der Steine, die ich dort gesammelt habe», sagt Witschi, «und so spiegeln meine Bilder durch ihre Farbtöne auch diese Orte wider.» Witschi macht genau das, was sich die Kunstkommission wünscht, er «bespielt» die Räume der Bleichi und haucht ihnen je eigenes Leben ein. Die Vernissage in der Bleichi ist am Freitag, 18. Oktober, um 20 Uhr. Die Ausstellung dauert bis 10. November.