Was befindet sich in der Turmkugel der Alten Kirche Boswil, die gegenwärtig renoviert wird? Gestern haben die Spengler Hugo Hofstetter und Michael Geissmann die vergoldete Kugel auf den Boden geholt und die darin befindliche Metallurne geöffnet.

Es war weniger drin als erhofft und das Dokument weniger alt als erwartet: Die Urkunde beschreibt die Renovation von 1965 und ist unter anderem von Willy Hans Rösch unterschrieben, der seinerzeit mit Albert Rajsek die Stiftung Alte Kirche Boswil gründete, um die alte Kirche und das ehemalige Pfarrhaus vor dem Abbruch zu retten und ein Heim für mittellose und betagte Künstler zu schaffen.

Die Baukosten für das 1962 eröffnete Künstlerhaus mit Atelierbau betrugen 285 000 Franken und für die Kirche 280 000 Franken, wie der Stiftungsrat in der Urkunde festhält. Aufgeführt sind aber auch noch weitere Angaben, etwa, dass 1965 ein Ei 30 Rappen kostete, ein Kilo Brot 90 Rappen, ein Liter Milch 58 Rappen und ein Quadratmeter Biberschwanz-Doppeldach mit Lattung Fr. 19.50.

Wenn Architekt Thomas Giger und Michael Schneider, Geschäftsführer der Stiftung Künstlerhaus Boswil vom doch etwas dürftigen Inhalt enttäuscht waren, liessen sie es sich nicht anmerken. Dafür hörten sie umso interessierter den Ausführungen von Spenglermeister Hugo Hofstetter aus Sins zu, der die Turmkugel und das Kreuz zusammen mit seinem Angestellten Michael Geissmann vom Turm geholt hatte.

Nur Urne ist dicht

Der Kaiserstiel, die Spitze der Turmkonstruktion, besteht aus Weisstanne und trägt die Kirchturmbekrönung. Im Fall der Alten Kirche Boswil ist der Zustand dieses Teils noch sehr gut und war von den Spenglermeistern nur mit einigen Aufwand zu lösen, so gut verkittet war der Stiel. Die Kirchturmkugel beinhaltet meist eine zugelötete Metallurne mit Dokumenten, die im Gegensatz zur Kugel selber wasserdicht ist und - vor allem - keine Kleintiere an die Dokumente heranlässt. Geschieht dies doch, «ist nur noch Staub drin», wie Hofstetter erklärte. Die Tradition, in der Kirchturmkugel wertvolle Unterlagen aufzubewahren, rührt daher, dass sie dort - einen Kirchenbrand einmal ausgenommen - sehr sicher untergebracht waren. Hierhin kamen und kommen keine Diebe und Plünderer.

Jetzt wird die Kirchturmkugel der alten Kirche saniert und neu vergoldet. Für Schneider ist klar, dass neben dem gefundenen Dokument weitere Unterlagen wieder für die nächsten vielen Jahre in der Kugel deponiert werden. Dafür wird eine neue, grössere Urne hergestellt.

Kosten von 200 000 Franken

Am Turm wurden Verputz und Farbe abgeschliffen und abgespitzt, eine Arbeit, die wegen Witterungseinflüssen alle 20 bis 25 Jahre notwendig ist. Da sich der Untergrund grundsätzlich in einem guten Zustand befindet, kann ein neuer Verputz angebracht und anschliessend wieder mit einer speziellen Farbe gedeckt werden. Ausserdem stehen verschiedene Steinmetzarbeiten bei den Simsen an, die ebenfalls in Absprache mit der Denkmalpflege ausgeführt werden. Noch vor dem Winter wird der Kirchturm der früheren Boswiler Kirche wieder für die nächsten 20 bis 25 Jahre geschützt sein. Die Kosten für die Sanierung sind mit 200 000 Franken veranschlagt.

Die Alte Kirche Boswil wurde 1664 errichtet und 1890 profaniert. Ältester erhalten gebliebener Teil der Kirche ist der aus dem späten 15. Jahrhundert stammende Kirchturm aus Bruchsteinmauerwerk. Die Glockenstube verfügt über keine Glocken mehr.