Herbst
Quittengenuss für Körper und Seele – ein saisonales Rezept für ein spezielles Znacht

Nach einem langen und kalten Tag wärmt Landfrau Sybille Meyer sich und ihre Lieben mit einer Kartoffel-Quitten-Rösti wieder auf.

Johanna Lippuner
Merken
Drucken
Teilen
Sybille Meyer konnte in diesem Jahr sehr viele Quitten ernten. JOL

Sybille Meyer konnte in diesem Jahr sehr viele Quitten ernten. JOL

Johanna Lippuner

Ob man die nebligen Herbsttage nun damit verbringt, am prasselnden Kaminfeuer zu sitzen und einen Zimttee zu schlürfen oder man mit den Kindern im bunten Wald Tierchen aus Kastanien bastelt – eines darf nicht fehlen: ein warmes Znacht. Dafür hat die Angliker Bäuerin und Landfrau, Sybille Meyer, ein spezielles Herbstrezept. Eine Kartoffel-Quitten-Rösti (siehe Rezept unten). Gerade am vergangenen Mittwoch bereitete Meyer das Gericht für ihre fünfköpfige Familie zu. «Es wurde alles weggeputzt», lacht sie und ergänzt: «Das gibt ein rechtes Essen. In einer Bürofamilie reicht das Rezept wahrscheinlich auch für sechs oder sieben Personen.» Das Schöne an diesem Rezept sei vor allem, dass es sehr einfach sei und man es in vielen verschiedenen Variationen kochen könne. «Wir haben auch Veganer und Vegetarier am Tisch. Aber für die, die es nicht lassen können, kann man beispielsweise Speck dazugeben.»

Für die Landfrau ist es sehr wichtig, lokal und saisonal zu kochen. «Wir haben so viele Quitten, da muss man einfallsreich werden», erklärt Meyer den Weg, auf dem sie zu ihren Rezepten kommt. «Genau das Gleiche, gibt es bei mir selten.» Kein Wunder, denn bestehende Rezepte ändert sie gerne selber ab. «Die Quitten will fast niemand, weil die Leute nicht wissen, was sie damit machen sollen», erzählt die versierte Köchin. Sie hat aber viele Ideen, wie man die goldgelben Früchte verwenden kann. Sie macht daraus Gelee, Senf, Chutney oder verwendet sie in anderen Rezepten anstelle von Äpfeln. Die Quitten zu raffeln sei halt anstrengender, als bei anderem Obst. Das könnte, vermutet Meyer, auch ein Grund sein, weshalb viele Leute keine Quitten verwenden.

Gesund für den Darm

Für die Mutter von drei Töchtern ist aber nicht nur das saisonale Kochen wichtig, sondern auch die Tischkultur. «Ich habe das Gefühl, es geht allen besser, wenn wir zusammen essen. Ausserdem kaufe ich nichts, was ich selber habe und beim Fleisch weiss ich immer, woher es kommt. Ernährung ist ein wichtiger Aspekt.» So nehmen auch ihre Kinder das Mittagessen immer von zu Hause mit. «Es ist wichtig, wie man sich verpflegt. Gekauftes Essen ist teuer und der Gegenwert stimmt für mich nicht», erklärt Meyer. Sie hat, neben den Quitten, bisher auch viele Äpfel und Kürbisse und bereits eine ganze Tasche voller Pilze gesammelt. Davon fermentiert sie einen grossen Teil und verwendet dies beispielsweise für Saucen oder Suppen. «Fermentieren ist in Vergessenheit geraten, dabei ist das sehr gesund für den Darm. Die Leute, die beim Gedanken daran die Nase rümpfen, merken aber nichts, wenn ich damit eine Salatsauce mache.»

Der naturverbundenen Bäuerin gefällt im Herbst neben den feinen Gerichten vor allem das spezielle Licht. «Es leuchtet alles so goldig», sagt Sybille Meyer mit funkelnden Augen. Auch das verschleierte Wetter macht ihr nichts aus, im Gegenteil: «Ich finde den Nebel hervorragend, alles sieht so mystisch aus.» So geht sie an einem Herbstsonntag gerne mit ihren Hunden spazieren und geniesst am Nachmittag ein kleines Dessert, beispielsweise eine selbst gemachte Quitten-Tarte-Tatin.

Kartoffel-Quitten-Rösti

zvg

Zutaten

  • 500 g Kartoffeln
  • 500 g Quitten
  • 1 Handvoll Baumnüsse
  • 1 bis 2 Lauchstangen
  • 1 bis 2 Handvoll Wiesenchampignons
  • Sojasauce
  • Bratbutter
  • Salz

Zubereitung
Kartoffeln und Quitten raffeln und mit Salz braten. Baumnüsse in einer separaten Pfanne anrösten. Lauch in Stücke schneiden und mit Bratbutter anbraten. Champignons 15 Minuten einweichen. Die abgetropften Champignons zusammen mit dem Lauch andämpfen und mit Sojasauce ablöschen. Alles zusammengeben und servieren.

Tipp
Anstelle der Baumnüsse können auch eingelegte Kichererbsen, Speck- oder Tofuwürfel verwendet werden.