Die Schweiz wird auch als Wasserschloss Europas bezeichnet. Tausende von Quellen versorgen das Land mit dem lebenspendenden Nass. Sieben Prozent der europäischen Süsswasserreserven lagern allein im Gotthardmassiv. Wer hätte angesichts solchen Überflusses je gedacht, dass Wasser auch in unserem Land einmal knapp werden könnte? Doch der vergangene Sommer hat gezeigt, wie schnell es gehen kann. Die Bilder von braunen Rasen und ausgetrockneten Bachbetten sind noch in bester Erinnerung.

Die Folgen der langen Trockenheit im vergangenen Sommer und des mangelnden Niederschlags im Winter sind an den Füllständen der Freiämter Quellfassungen immer noch abzulesen. «Der Grundwasserspiegel hat sich seit letztem Herbst nicht mehr erholt», sagt Paul Huser, Brunnenmeister von Hägglingen. «Die Niederschläge, die wir jetzt hatten, brachten nicht viel, denn dieses Wasser hat die Vegetation gleich aufgesogen.» Darum schreibt die Gemeindeverwaltung in ihren aktuellen Mitteilungen: «Eine wesentliche Entspannung der Situation zeichnet sich im Moment nicht ab. Daher möchten wir Sie darauf sensibilisieren, dass Sie bereits jetzt sparsam mit dem Trinkwasser umgehen und notwendige Bewässerungstätigkeiten und das Waschen von Autos resp. das Abspritzen von Plätzen auf ein Minimum beschränken.»

Eine Woche lang Leck gesucht

Die Freiämter Gemeinden Aristau, Bettwil und Widen rufen zwar nicht öffentlich zum Wassersparen auf, bitten aber die Besitzer von Schwimmbädern, Schwimmteichen und Biotopen, die Befüllung ihrer Anlagen vorgängig mit den zuständigen Brunnenmeistern abzusprechen. «Vor drei Wochen meldete unsere Messstation einen aussergewöhnlich hohen Wasserverlust», erzählt der Brunnenmeister von Widen, Werner Odermatt. «Wir vermuteten einen Rohrbruch und suchten eine Woche lang nach dem Leck. Dann stellte sich heraus, dass jemand sein Bassin gefüllt und uns nicht benachrichtigt hatte.» Widen hat zwei Wasserquellen. Die können aber nur zwölf Prozent des gesamten Wasserbedarfs der Gemeinde abdecken. Den Rest bezieht das Dorf von Bremgarten. «Wir müssen sparsam umgehen mit unserem Wasser», sagt Odermatt, «denn der Boden ist sehr trocken und unsere Quellen liefern nur noch halb so viel Wasser wie bisher.»

In Aristau und Bettwil herrscht zwar kein Grund zur Besorgnis, aber «wir beobachten unseren Wasserspiegel permanent», berichtet Aristaus Gemeindeammann René Meier, «nicht zuletzt auch aus Rücksicht auf die anderen Gemeinden ringsum.» Stefan Müller, der Brunnenmeister von Bettwil, bestätigt, dass sich der Grundwasserspiegel auch in seiner Gemeinde seit letztem Sommer noch nicht wieder ganz erholt hat. «Aber es hat viel geschneit im Winter. Das Schmelzwasser sollte die Reservoire wieder füllen. Das passiert aber halt immer mit Verzögerung.» Nicht alle Freiämter Gemeinden hängen an so ergiebigen Quellen wie zum Beispiel Wohlen oder Muri. Der Geschäftsleiter der ibw Technik AG in Wohlen, Giovanni Romeo, gibt Entwarnung: «Auch wenn die Quellwasserfassungen sich nur langsam erholen, könnten wir Wohlen und Umgebung mit dem Grundwasser aus Niederlenz grundsätzlich abdecken.» Auch in Muri ist man durch die Pumpwerke an der Reuss mit ausreichend Wasser versorgt. Bremgartens Bereichsleiter Tiefbau, Stefano Righetti, vermeldet: «Die Grundwasserstände sind zwar tief, aber wir hatten schon tiefere.» Durch den Vertrag mit dem regionalen Wasserverband Mutschellen könne man im Bedarfsfall Wasser aus Zürich beziehen.