Bezirksgericht Bremgarten

«Quartalssäufer» fährt mit 3,84 Promille nach Hause – am nächsten Morgen macht er einen Fehler

Der Angeklagte behauptete, an Wochenenden bis zu einer ganzen Flasche Whisky zu trinken. Er hatte sich mit 3.84 Promille im Blut hinters Steuer gesetzt. (Symbolbild)

Der Angeklagte behauptete, an Wochenenden bis zu einer ganzen Flasche Whisky zu trinken. Er hatte sich mit 3.84 Promille im Blut hinters Steuer gesetzt. (Symbolbild)

Völlig betrunken lenkte ein 43-Jähriger ein Auto, obwohl ihm der Führerausweis entzogen wurde. Das Bezirksgericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten bedingt. Ausserdem muss er halbjährlich einen Nachweis erbringen, dass er eine Suchtberatungsstelle aufsucht.

Ein Mensch, der nie oder selten Alkohol trinkt, kann ab 3 bis 4 Promille bewusstlos werden, einen Gedächtnisverlust erleiden, eine schwache Atmung aufweisen, sich eine Unterkühlung zuziehen und Reflexlosigkeit zeigen, wie Experten in klinischen Tests festgestellt haben. Doch der 43-jährige Jaroslav (Name geändert), der sich vor dem Bezirksgericht Bremgarten selber als «Quartalssäufer» bezeichnete, liess sich sogar bei einem Blutalkoholpegel von 3,84 Promille nicht davon abhalten, eines Abends im August dieses Jahres mit dem Auto von der Dorfbeiz zu seiner Wohnung zu fahren und dort zu versuchen, den Wagen zu parkieren. Das ging aber schief. Er kollidierte auf dem Parkplatz mit einem anderen Fahrzeug, dessen Halter die Polizei benachrichtigte. Diese ordnete beim Angeklagten eine Blutprobe an und nahm ihm den Führerausweis ab.

Das Verrückte an der ganzen Geschichte: Jaroslav setzte sich am anderen Morgen erneut ans Steuer, um im nahegelegenen Tankstellenshop Zigaretten zu holen. Die Polizei kam ihm aber auf die Schliche. 2,5 Promille ergab die Alkoholmessung diesmal. «Ich schäme mich für mein Verhalten», sagte der Angeklagte vor Gericht.

Mehrfaches Führen eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand, führen eines Motorfahrzeugs trotz entzogenem Führerausweis und Nichtbeherrschen des Fahrzeugs lautete die Anklage der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten. Das beantragte Strafmass: 10 Monate bedingte Freiheitsstrafe bei einer Probezeit von 3 Jahren, 3000 Franken Busse und die Übernahme der Verfahrenskosten im Betrag von insgesamt 2560 Franken.

Der Angeklagte hat seine Stelle verloren, weil ihm der Führerausweis entzogen wurde. Er sei jetzt arbeitslos, finanziell am Boden und lebe im Zimmer einer Sozialwohnung, da er nicht mehr imstande sei, für die Miete aufzukommen. Die Alimente von 850 Franken monatlich könne er derzeit nicht bezahlen. Er habe auch Schulden bei der Krankenkasse. Immerhin wurde sein Ausländerausweis bis Ende 2022 verlängert, wie er erwähnte.

«Alleine eine Flasche Whisky»

«Ich weiss, dass ich ein Alkoholproblem habe. Fremde Hilfe brauche ich aber keine», behauptete Jaroslav. «Denn ich trinke nicht regelmässig, höchstens ein bis zwei Gläser unter der Woche. An einem Wochenende kann es dann aber schon mal alleine eine ganze Flasche Whisky sein.»

Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf verurteilte Jaroslav im Sinne der Anklage, reduzierte aber die Busse auf 1000 Franken. Sie verpflichtete ihn, sich bei einer anerkannten Suchtberatungsstelle zu melden und dafür halbjährlich einen Nachweis zu erbringen.

Meistgesehen

Artboard 1