Boswil
Qualität suchen und erlangen: Jugendorchester probt für neues Programm

Das Jugendorchester Freiamt arbeitet intensiv an seinem Konzertprogramm «Amor, Amor». Jugendliche sind begeistert davon, wie sie erzählen.

Brigitte Santmann Rubin
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Konzertmeisterin Nadine Ackermann: Kompetenz und Konzentration.

Konzertmeisterin Nadine Ackermann: Kompetenz und Konzentration.

Brigitte Santmann Rubin

Es ist 13.59 Uhr, als Nadine Ackermann aufsteht, die Geige an die Schulter legt und den Bogen bereithält. Als Konzertmeisterin ist die 17-Jährige unter anderem fürs Stimmen zuständig. Vom Flügel her erklingt der Kammerton a, Nadine schraubt, korrigiert, bis die Stimmung perfekt ist. Dann nehmen die übrigen Orchestermitglieder den Ton ab. Erst als die Dirigentin zufrieden nickt, setzt sich Nadine.

Von Anfang an ist klar: Hier wird diszipliniert gearbeitet. Kein Wort, kein Flüstern ist zu hören, die rund zwanzig Mädchen und Jungen zwischen 11 und 19 Jahren sind vollauf beschäftigt damit, optimale Klänge aus ihren Geigen, Bratschen und Celli zu locken. Nadine Ackermann, «seit ewig» dabei, wie sie sagt, liebt das Spielen im Orchester. «Die Programme sind so verschieden, es kommt immer Neues, Unbekanntes, es wird nie langweilig», schwärmt die Boswilerin. Seit sie Konzertmeisterin ist, hat sie besonders viel Verantwortung, darf sie etwa Vorschläge in den Proben anbringen und Registerproben leiten.

Die Reife und Souveränität, die sie bereits erlangt hat, mögen exemplarisch sein für das, was Dirigentin Anne-Cécile Gross anstrebt mit den Jugendlichen, die ihr anvertraut sind. «Ich bin ein Fan von Jugendorchestern», erklärt sie. «Pädagogik ist mir ein Herzensanliegen. Ich liebe es, die Leidenschaft für Musik weiterzugeben und die Liebe zur Musik zu wecken und zu pflegen.»

Die Jugendjahre seien prägend für die weitere musikalische Entwicklung, aber auch fürs Leben überhaupt: «Die Jugendlichen lernen, dass man zusammen statt gegeneinander arbeiten kann und dass gute Stimmung nicht nur Spass macht, sondern auch bessere Resultate bringt. Sie lernen, aufeinander zu hören, einander mit Respekt zu begegnen, und sie können sich erwiesenermassen besser konzentrieren und organisieren als Gleichaltrige, die nicht an stundenlangen Proben teilnehmen.»

Ein Programm für Erwachsene

Stundenlange Proben, das heisst für dieses Wochenende zweieinhalb Stunden am Freitagabend, fast sieben am Samstag und über vier am Sonntag – ein Programm für Erwachsene. Abschrecken soll das indessen niemanden. In der Mitte dieser Probenserie sind alle nach wie vor hoch konzentriert, und obwohl die im Künstlerhaus Boswil verbrachte Nacht nicht die Ruhe des gewohnten Zuhauses gebracht haben mag, sieht hier niemand müde aus, scheint hier niemand zu hoffen, der Tag möge bald vorbei sein.

Das kann die 15-jährige Jael Bättig aus Bremgarten nur bestätigen. Sie ist seit einem Jahr dabei und findet die vielen Proben überhaupt nicht zu anstrengend. Das liegt wohl auch an der Sympathie und Begeisterung, die sie der Dirigentin entgegenbringt: «Sie ist temperamentvoll und lustig und macht ihren Job super», schwärmt Jael. Sie spielt Bratsche, ein Instrument, das derzeit im Orchester noch unterbesetzt ist.

Keine Halbheiten geduldet

Besetzt ist dafür im Rahmen des Talentförderprogramms JOFuture der Flügel. Lou Hägi aus Muri, 12 Jahre alt, wird Mozarts Konzert für Klavier und Orchester in A-Dur KV 414 zum Besten geben. Er hatte Glück, stand doch bei ihm zu Hause ein Klavier, und irgendwann fiel es auf, dass der Knirps von drei bis vier Jahren sehr oft daran herumdrückte. Mit fünf bekam er Privatunterricht, heute übt er zwei Stunden täglich – und lernt gerade in einem Austauschprogramm in Vevey Französisch.

Dieses brauche er, erklärt er sachlich, weil er in ein Musikgymnasium in Freiburg im Breisgau eintreten wolle – und dieses sei eben zweisprachig. Dass Lou Pianist werden will, steht für ihn zweifelsfrei fest. Hat er kein Lampenfieber vor Konzerten? «Vor Konzerten nicht. Da bin ich vorbereitet und weiss, was mich erwartet.

Aber manchmal vor dem Unterricht. Die Lehrer sind streng und fordern immer Neues.» Und er will es ja gut, nein, glänzend machen. Nicht nur er, sondern alle im Orchester, denn das ist – ausser gewissen Vorkenntnissen – das Einzige, was die Orchesterleiterin verlangt: «Man darf Fehler machen. Was ich aber nicht akzeptiere, ist, wenn sich jemand mit Halbheiten zufriedengibt und sagt: ‹Es gaht scho›.»

Das Programm «Amor, Amor» bietet neben dem Klavierkonzert von Mozart Teile aus dem Ballett Le Triomphe de l’Amour von Jean-Baptiste Lully und die Serenade für Streichorchester in g-Moll op. 35 von Oscar Straus.

Wer Interesse hat, im Orchester mitzuwirken, kann sich bei der Dirigentin melden. Alle Streichinstrumente sind willkommen, Bratschen besonders gesucht.

Die Aufführungen finden vom 12. bis 14. Juni in Boswil, Merenschwand und Niederwil statt. Details unter www.kuenstlerhausboswil.ch/ort-der-musik/jugendorchester-freiamt.

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