Dottikon/Hägglingen
Psychologin: Wenn Eltern mit Kindern über Geld reden, ist das Gold wert

Präventionsfachfrau Andrea Fuchs rät Eltern, Sackgeld und Jugendlohn zu zahlen. Wichtig für einen Schutz vor späterer Verschuldung sei, dass nicht jeder Wunsch erfüllt werden müsse.

Brigitte Santmann Rubin
Merken
Drucken
Teilen
Den Umgang mit Geld können Eltern ihren Kindern beibringen. Psychologin Andrea Fuchs zeigt/weiss, wie es geht.

Den Umgang mit Geld können Eltern ihren Kindern beibringen. Psychologin Andrea Fuchs zeigt/weiss, wie es geht.

Brigitte Sandmann Rubin

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr, weiss der Volksmund. Dass diese Weisheit auch für den Umgang mit Geld gilt, legte Psychologin und Präventionsfachfrau Andrea Fuchs in ihrem Vortrag zum Thema «Sackgäld & Co – Ja! Nei! Worum?» dar.

Früh anzufangen, mit Kindern über Geld zu reden, sei grundlegend wichtig, führte die Spezialistin aus und erklärte mit treffenden Beispielen, wie Kinder Geld wahrnehmen und wo Erklärungsbedarf besteht. Etwa so: «Das Kind sieht, dass das Geld aus dem Geldautomaten kommt. Dass aber Papis und Mamis Arbeitsplätze eigentlich die zentrale Rolle spielen, muss man ihm erklären.»

Wartenkönnen kann man lernen

Grundlegend für den Schutz vor späterer Verschuldung sei auch die Fähigkeit, warten zu können, und diese lasse sich bereits im Kindergartenalter antrainieren. Nicht jeder Wunsch müsse sofort erfüllt werden, und manch einer sei ja am nächsten Tag auch schon wieder verflogen.

«Wartenkönnen kann man lernen. Natürlich ist Nachgeben für die Eltern – vorerst! – bequemer, aber Studien haben ergeben, dass Kinder, die warten können, später nicht nur besser mit Geld umgehen können, sondern auch tragfähigere Beziehungen haben und besser ausgebildet sind.»

In den letzten Jahren sind die Wege, die Geld nimmt, noch undurchsichtiger geworden. Einen Fernseher kann man sofort mit nach Hause nehmen, wenn man etwa einen Leasingvertrag über 50 Franken monatlich eingeht. Ein Auto gibts scheinbar für nur 200 Franken monatlich – dass es mehr kostet als das Fahrzeug selber, steht im entsprechenden Inserat nicht einmal im Kleingedruckten.

Für Kinder würden diese Mechanismen mit zunehmendem Alter zwar durchschaubarer, dafür tauche nun eine neue Hürde auf: Was haben die Anderen? «Jetzt ist es entscheidend, dass man sich so mag, wie man ist. Wer diese Stärke hat, kann seelenruhig mit dem Billighandy in der Schule aufkreuzen.»

Kinder lernen, was Dinge kosten

Und was ist nun mit dem Sackgeld? Ja oder nein? «Sackgeld ist ein Lernfeld, denn das Kind lernt einzuteilen und zu sehen, was die Dinge kosten.»

Das funktioniere allerdings nur, räumt die Psychologin ein, wenn man ihnen nicht nebenher alles kaufe, was sie haben wollten. Und es sei auch nicht der einzige Weg, um Kindern das Thema Geld näherzubringen: «Wichtig ist, dass Sie sich überlegen, was für Sie und Ihr Kind passend ist. Und dass Sie Geld überhaupt zum Thema machen.»

Bereits ab dem Alter von 12 Jahren sei es Zeit für einen entscheidenden weiteren Schritt, führt Andrea Fuchs aus und kommt damit auf das Thema Jugendlohn. «Sackgeld ist Geld für Dinge, die man nicht braucht, also für Unnötiges, Wünsche, Vergnügen. Wenn man am ersten Tag alles ausgibt, macht es nichts.» Ganz anders mit dem Jugendlohn, mit dem man dem Teenager Verantwortung für Dinge abgibt, die er wirklich braucht: Kleidung, Zug-Abo, Coiffeur. Erste Erfahrungen zeigen: Der Effekt ist für alle Seiten äusserst positiv. Ein Jugendlicher lernt, sich über Preise und Artikel Gedanken zu machen, zu vergleichen, abzuwägen.

Jugendliche müssen budgetieren

Er hat die Freiheit, sich die ersehnten teuren Turnschuhe zu kaufen – dafür muss er dann eventuell in Hosen herumlaufen, die ihm zu kurz geworden sind. Wichtig sei, dass man dem Jugendlichen in seinen Überlegungen und Entscheidungen beratend zur Seite stehe.

«Das Angenehme für Eltern ist, dass sie von der Rolle der Neinsager in die Rolle der Berater wechseln. Weniger Streit und mehr sachliche Gespräche über Geld sind die Folge.» Denn nun ist es der Jugendliche selber, der abwägt, ob in seinem Budget Platz ist für den letzten Schrei.

«Und auf einmal ist es kein Problem mehr, die Winterjacke vom Vorjahr nochmals anzuziehen», schmunzelt die Psychologin. Wichtig sei es, einen realistischen Jahresbetrag einzusetzen und diesen in vernünftigen Raten – z.B. monatlich – auszuzahlen. «Eltern sind meist überrascht, wie gut ihre Kinder dieses Geld selbst verwalten können. Das Vertrauen, das man Kindern mit so einer Verantwortung schenkt, hat vielleicht an dem Ganzen den positivsten Effekt.»

Mehr zum Thema Jugendlohn auf www.jugendlohn.ch. Andrea Fuchs wird in Dottikon am 18. November einen weiteren Vortrag zum Thema halten. Weitere Informationen auch unter: www.schulden-ag-so.ch.