Bremgarten

Prozess wegen Tierquälerei: Wer trug die Verantwortung für die Katzen?

Am Bezirksgericht Bremgarten wurde am Mittwoch ein Fall von Tierquälerei verhandelt.

Am Bezirksgericht Bremgarten wurde am Mittwoch ein Fall von Tierquälerei verhandelt.

Das Bezirksgericht Bremgarten befasste sich mit einer Anklage wegen mehrfacher vorsätzlicher Tierquälerei.

Tiere zu halten, setzt im allgemeinen Empfinden eine Fürsorgepflicht für diese Lebewesen voraus. Die Vorwürfe, die der 46-jährigen Miriam (Name geändert) in der Anklageschrift vor dem Bezirksgericht Bremgarten präsentiert wurden, klingen deshalb happig. Die Staatsanwaltschaft beschuldigte sie der mehrfachen vorsätzlichen Tierquälerei durch Zurücklassen eines Haustiers, Vernachlässigen durch ungenügende Fütterung und Unterlassen der nötigen tierärztlichen Versorgung. Zudem soll Miriam keine Massnahmen gegen die übermässige Vermehrung der Katzen getroffen haben.

Ereignet haben sich die vorgeworfenen Delikte zwischen Anfang Juli und Ende August 2019 auf dem Areal einer Liegenschaft ausserhalb eines kleinen Weilers im Bezirk Bremgarten. Nebst der Angeklagten lud Gerichtspräsident Lukas Trost als Zeugen auch den damaligen Nachbarn zur Befragung vor.

Am Ende sollen es 19 Katzen mit Wurmbefall gewesen sein

Miriam besass zur fraglichen Zeit laut Anklage mindestens vier Katzen und Schweine. Sie zog in ein Nachbardorf in eine neue Wohnung um. Unmittelbar vor dem Umzug ging sie für zehn Tage in die Ferien und bat die Nachbarn, auf die Schweine aufzupassen und sie zu füttern. Bei der Zuständigkeit für die Betreuung der Katzen gingen die Meinungen im Rückblick aber auseinander, wie sich vor Gericht zeigte.

In der Zwischenzeit hatten sich die Katzen auf 19 Stück vermehrt, waren gemäss Anklageschrift unterernährt und litten unter starkem Wurmbefall. Die Katzen kamen offenbar, vermittelt durch den Nachbarn, mit Hilfe einer Tierorganisation in ein Tierheim. Gerichtspräsident Trost versuchte herauszufinden, wer mit wem in jenen Tagen was bezüglich der Katzen besprochen hatte. Ein schwieriges Unterfangen. Als mündliche Zwischenstation war laut Protokollen auch Miriams Mutter involviert. Für Miriam war klar, dass sie die Freigang gewohnten Katzen nicht an den neuen Wohnort mitnehmen konnte. Weil die Liegenschaft nach ihrer Rückkehr aber bereits katzenlos gewesen sei, sei sie davon ausgegangen, dass alle Katzen ein Plätzchen gefunden hätten, erklärte Miriam vor Gericht.

«Ich schaute für meine Katzen wie für meine Kinder»

«Es macht mich fertig, was mir vorgeworfen wird. Ich bin absolut tierlieb», sagte sie voller Emotionen. Zur Sprache kam auch ihre Vorstrafe we-gen des Aussetzens eines Welpen. Nach ihrer Aussage habe ihr mittlerweile getrennt lebender Ehemann jene Tat ihr gegenüber nachträglich zugegeben, doch ihre Verurteilung war bereits rechtskräftig. «Er hat kein Herz für Tiere, ich aber schon. Ich schaute für meine Katzen immer wie für meine Kinder», sagte Miriam. Richter Trost sprach sie am Ende von allen Vorwürfen frei. Die Beweislage präsentierte sich zu dürftig. «Wenn ich ihrer Version der Geschichte glaube, muss ich davon ausgehen, dass sie es gut meinten.» Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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