Wohlen

Projektwoche mit Tatzen und Pfötchen: Schüler lernen mit Tieren

Rose Wyss und ihre Gruppe besuchten als Projekt das Tierheim Mülligen.

Rose Wyss und ihre Gruppe besuchten als Projekt das Tierheim Mülligen.

In Tierpark, Zoo, Tierheim und Vogelwarte lernten Wohler Schüler viel über den Umgang mit Tieren. Das soll auch ihr Verantwortungsbewusstsein fördern.

Gut gelauntes Stimmengewirr tönt einem in der Waldhütte Chüestellihau in Wohlen entgegen. Gerade kommt ein neuer Schwung Lernender der Kantonalen Schule für Berufsbildung (KSB) zur Tür herein, jeder begrüsst die bereits anwesenden Lehrpersonen mit einem Händedruck. Bald ist die Hütte fast bis auf den letzten Platz gefüllt, und das feine Grillgut bereit, verzehrt zu werden. Da sämtliche Lernenden am Vormittag unterwegs waren, haben sich die Lehrer an den Grill gestellt – es ist Mittwoch, Halbzeit der Spezialwoche an der KSB.

Demokratische Entscheidung

«Das Thema der Spezialwoche wird jeweils demokratisch von den Lernenden selbst bestimmt», berichtet Lehrerin Margrit Keller. «In diesem Jahr ist es ein Tierprojekt. Die Entscheidung war ziemlich eindeutig, das ist nicht immer so.» Zum Prozedere der Themenfindung erläutert Keller: «Wir haben vier Klassen, aus denen sind je zwei Schüler im Team-Rat. Dieser Rat gestaltet die Spezialwoche.» Bis es soweit ist, tragen die Team-Räte innerhalb ihrer Klassen Ideen zu verschiedenen Projekten zusammen. «Oft sind wir mit den Projekten für drei Tage weg von der Schule, letztes Jahr beispielsweise im Tessin und das Jahr davor in München.»

In diesem Jahr haben sich die Jugendlichen erstmals für ein Konzept mit Tagesexkursionen entschieden. Dafür gebe es nun am Mittwochnachmittag ein gemeinsames Grillieren, auch, um das Miteinander zu fördern. «Diese Form der Woche ist für uns Lehrkräfte auch eine neue, spannende Erfahrung», findet Keller.

Das Programm der Woche sah folgendermassen aus: Der Montagvormittag galt der Recherche für die Gruppen-Projekte am Mittwoch sowie die Besuche im Zoo Zürich und im Tierpark Goldau. Die Klassen W11 und W12 fuhren am Dienstag nach Zürich, die Klassen W13 und W14 nach Goldau. Am Donnerstag besuchten die jeweils anderen Klassen Park und Zoo.

Einheimische Tiere und Ethik

Das sei aber kein reiner Vergnügungsausflug, die Lernenden hätten für die Besuche Arbeitsaufträge erstellt. Unter anderem sollten sich die Schüler eine Kurzgeschichte ausdenken, darin müssen mindestens ein Tier aus dem Zoo und sämtliche Vornamen der Klasse vorkommen. Ausserdem solle ein Tier, das in der Geschichte auftaucht, fotografiert werden. Eine gute Grundlage für die Besuche seien die vier Workshops, die ebenfalls bereits am Montag stattgefunden haben. Dabei brachten Lehrer den Jugendlichen die Themen Tierschutz, Tiere in der Schweiz, Ethik und Tierversuche näher und erstellten ein Tier-Memory. Und all dieses Vorwissen und die Grundlagen seien auch sehr hilfreich für die weiteren Tierprojekte gewesen, denen sich die Schüler am Mittwochvormittag stellten.

Tierheim und Vogelwarte

«Für diese Projekte vom Mittwoch fanden sich Gruppen zu drei bis fünf Personen zusammen, die ihre Ausflüge bereits am Montag vorbereiteten», teilt Margrit Keller mit. «Die Lernenden haben selbst Fahrpläne, Eintrittspreise und das Programm organisiert.» Rose Wyss besuchte mit ihrer Gruppe das Tierheim Mülligen: «Wir schauten uns den Alltag der Tiere an und halfen auch mit. Am schönsten wäre es, wenn sich einige jetzt auch in ihrer Freizeit dort engagieren würden.»

Die Vogelwarte Sempach war das Ziel der Gruppe von Cem Emre Aslan. «Eine Vogelwarte ist vielen nicht so bekannt. Wir fanden, das ist ein spannendes, einzigartiges Thema. In Sempach haben wir uns die verschiedenen Ausstellungen angeschaut und uns über viele Themen informiert. Die Spezialwoche ist eine Abwechslung zur Schule und man übernimmt Verantwortung.» Margrit Keller freut sich über das Interesse der jungen Leute an den Projekten: «Im Klassen-Chat erreichten mich heute viele Nachrichten und Fotos.»

Sie erklärt wie es weitergeht: «Zum Abschluss der Woche bereiten die Schüler eine Gruppen-Präsentation vor, und jeder verfasst ein Dossier, das anschliessend benotet wird.» In diesen Tagen seien die Lehrpersonen eher Coaches, die nur im Notfall helfend einspringen. «Bei dieser Spezialwoche geht es ja darum, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit der jungen Leute zu fördern» fügt die Lehrerin abschliessend hinzu.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1