Wenn die alten Strohhandwerkerinnen noch lebten, könnten sie bewundern, wie junge Künstlerinnen und Künstler mit den klassischen Fabrikaten der Freiämter Strohindustrie umgehen und sie in die Moderne transportieren. Die Designerinnen Chantal Bavaud aus Aarau, Aude Genton aus St. Saphorin und Sabine Lauber aus Basel gewannen den ersten Prix Paille, welchen das Strohmuseum in Wohlen ausschrieb. Die Jury unter ihrem Präsidenten Christoph Schindler, Leiter Objektdesign an der Hochschule Luzern, nahm 46 unterschiedlichste Arbeiten unter die Lupe und wählte aus zwölf Kandidatinnen und Kandidaten die drei Preisträgerinnen aus.

Tradition weiterentwickeln

Der Prix Paille hat für das Strohmuseum neben der erhofften Aufmerksamkeit einen klaren Zweck. Die Preisträgerinnen nehmen an einer grossen Sonderausstellung im ehemaligen Isler-Park und im Strohmuseum teil. Diese wird am 12. Juni 2015 eröffnet. Jede Tradition könne oder dürfe sogar von den nachkommenden Generationen neu interpretiert werden, sagte die Museumsleiterin Anna Hegi. «Das alte Handwerk ist nicht tot. Es ist präsent und lebt so als etwas anderes in uns fort.»

Chantal Bavaud, Trägerin des ersten Preises von 5000 Franken, übertrug das Strohhandwerk in Porzellangeschirr und verwendete ein Strohteil als Teetassenwärmer. Chantal Bauvaud gelang es laut der Jury, mit ihrem Projekt das traditionelle Handwerk zu bewahren und vor dem Vergessen zu retten. Die originelle Präsentation hat der Jury besonders ins Auge gestochen, habe doch die Preisträgerin das Handwerk nicht auf unzeitgemässe Art und Weise belebt oder imitiert.

Die Trägerin des zweiten Preises von 3000 Franken, Aude Genton, fügte den Strohschmelz, kleine geschnittene Strohhalme und damit ein altes Produkt aus den Strohmanufakturzeiten, zu einem Wabengewebe zusammen. Sie sei mit den Eigenschaften des Rohmaterials intelligent verfahren, so urteilte die Jury, zumal sie es für ein Produkt verwendete, das man im Alltag verwenden kann: nämlich für einen Lampenschirm.

Vergoldet hat Sabine Lauber, die den dritten Preis (1000 Franken) erhielt, das Stroh, so wie die Strohherren früher selber aus Stroh Gold machten. Mit ihrer Arbeit «Golden woven» (sinngemäss: gewobenes Gold) entwarf sie eine Kunstkollektion, die sich zwar optisch von der Vorlage aus Stroh entfernt hat. Man erkennt aber in der angewendeten Technik eine grosse Nähe zum Strohhandwerk.

Modernität garantiert

Neben der Museumsleiterin konnte sich auch die Stiftungsrätin Ruth Portmann für die ausgezeichneten Arbeiten begeistern. «Sie schaffen Modernität in unserem Museum», sagte sie an der Preisverleihung, welche die Musikerin Barbara Schirmer aus Walde auf dem Hackbrett musikalisch umrahmte.