Am Sonntag, 4. März, ist in Bremgarten in einem festlichen Gottesdienst zum fünften Mal der internationale Sylvia-Michel-Preis zur Förderung der Leitungsfunktionen von Frauen in der Kirche verliehen worden. Preisträgerin ist die Theologin Mery Kolimon, Präsidentin der Evangelischen Kirche von Timor in Indonesien.

Die 1972 geborene Pfarrerin studierte Theologie in den Niederlanden und schloss ihr Studium mit einer Dissertation über die Theologie des Empowerments ab.

Seither setzt sie sich für Opfer von Menschenrechtsverletzungen ein und kämpft in Indonesien gegen die Diskriminierung von Frauen.

Seit 2015 ist Kolimon Präsidentin der mit zwei Millionen Mitgliedern zweitgrössten protestantischen Kirche in Indonesien, der evangelischen Kirche von Timor. Dort hat sie das Netzwerk JPIT für Frauen aufgebaut und führt zahlreiche theologische Forschungsprojekte mit jungen Theologinnen durch.

Botschaft der Schweizer Kirchen

Kirchenratspräsident Christoph Weber-Berg hob den «eindrucksvollen Mut» hervor, mit dem Kolimon gegen Ungerechtigkeit und Diskriminierung und für Versöhnung kämpfe.

Durch solche Vorbilder würden Frauen weltweit ermutigt, Leitungsfunktionen in Kirchen zu übernehmen. Der Preis solle nicht nur eine materielle Würdigung sein, sondern «eine öffentliche Botschaft der schweizerischen Kirchen an ihre Schwesterkirchen».

Die Preisträgerin wiederum erklärte, der Preis komme nicht ihr als Person zu. Sie nehme ihn trotzdem dankbar an, weil er «die Identität ihrer Kirche» sowie «ihre eigene Identität als Verteidigerin der Menschenrechte» stärke. Mit ihm werde nicht nur sie gewürdigt, sondern «viele, viele Freundinnen und Freunde, die, oft unter Einsatz ihres Lebens, für Gerechtigkeit kämpfen».

Den Preis widme sie dem Andenken ihrer Mutter, die sich trotz bescheidener Verhältnisse dafür eingesetzt habe, dass auch sie als Frau in den Genuss einer höheren Schulbildung gekommen sei. Heute noch hätten sehr viele Frauen in Timor keine Chance auf Bildung, und viele würden Opfer von Menschenhandel.

Ferner widme sie den Preis allen Frauen, Männern und Kindern, die in prekären Verhältnissen lebten oder Diskriminierung wegen ihrer sexuellen Identität oder Orientierung erleiden müssten. «Dieser Preis soll sie inspirieren, Träume zu haben und für ihre Rechte zu kämpfen», sagte Kolimon.

Theres Meierhofer-Lauffer erklärte als Vertreterin der «PanKS» die Bedeutung des internationalen Sylvia-Michel-Preises.

Er wird seit 2009 von den amtierenden und ehemaligen Präsidentinnen und Vizepräsidentinnen der Reformierten Landeskirchen der Schweiz (PanKS) zusammen mit der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen an Personen und Projekte verliehen, die sich für die Förderung der Leitungsfunktionen von Frauen in der Kirche einsetzen.

Das Preisgeld von 5000 US-Dollar stiftet die Reformierte Landeskirche Aargau. Der Name des Preises geht zurück auf Pfarrerin Sylvia Michel, die 1980 erste Präsidentin der Reformierten Landeskirche Aargau wurde und damit als erste Frau in Europa Präsidium einer kirchlichen Exekutive. (az)