Sie dürfte wohl nur einen kleinen Teil des Schuldenbergs ausgleichen, der sich bei Skandalarzt Ingo Malm angehäuft hat: Die Versteigerung des Praxisinventars, die am Freitag in Berikon stattgefunden hat. 292 Posten wies das zu liquidierende Inventar aus. Es bestand hauptsächlich aus medizinischen Geräten und Büroeinrichtung.

Dementsprechend gross ist auch der Ansturm auf die Versteigerung. Rund eine Viertelstunde vor Beginn sind in der Umgebung keine Parkplätze mehr zu finden, Autos mit Aargauer, Luzerner und Zürcher Nummernschildern kreisen um den Bahnhof, die Lenker versuchen, allenfalls frei werdende Plätze sofort zu schnappen.

Viele Ärzte anwesend

Von der Menge an Besuchern ist Liquidator Jakob Aeschlimann nicht überrascht. «Damit habe ich gerechnet. Das sind gar nicht so viele Menschen», sagt er und lacht. Für Aeschlimann ist es die erste Liquidation dieser Art: «Eine Arztpraxis hatte ich bisher noch nie», sagt er. Es seien andere Interessenten vor Ort als sonst, hauptsächlich Ärzte. «Aber ansonsten ist es eine Liquidation wie jede andere», fügt er an. Ein Objekt sei dabei besonders beliebt gewesen: Eine Lasermaschine zur Tattooentfernung. «Die wollten viele haben», so Aeschlimann. Was bei der Liquidation sonst geschah, wissen nur die Anwesenden. Den Journalisten blieb ein Blick ins Innere der ehemaligen Praxis wegen eines Medienverbots verwehrt.

Nach dem Einkauf erzählen jedoch einige Besucher von ihrem Erlebnis. «Ich habe zuvor im Internet ein Mikroskop gesehen», sagt ein Mann. «Und ich habe es zum Glück erwischt», fügt er mit einem Lachen im Gesicht an. Eine ältere Dame schiebt einen schweren Schubladenstock aus der Tür. «Für mein Büro zu Hause», sagt sie. Besonders zufrieden mit seinem Einkauf ist Stefan Erdin aus Mellingen. Er hat im Voraus auf der Inventarliste den Autoanhänger entdeckt, den er unbedingt haben wollte. «Ich habe mir ein Budget gesetzt und ihn zu einem guten Preis ersteigern können», freut er sich. Zwei Fernseher konnte er ebenfalls nach Hause nehmen.

Schulden von 9 Millionen

Ingo Malm hatte das Ärztezentrum Mutschellen AG in Berikon 2014 als Verwaltungsrat gegründet. Im Januar dieses Jahres musste er die Gemeinschaftspraxis schliessen, da der Mietvertrag auf Ende 2017 ausgelaufen war und die Vermieterin am Gebäude die Schlösser auswechselte. Kurz darauf wurde er verhaftet und sass bis März in Unter- suchungshaft. Anfang Oktober klagte die Staatsanwaltschaft ihn wegen mehrfachem Betrug, mehrfacher Urkundenfälschung und Veruntreuung an. Malm hat einen Schuldenberg von 9 Millionen Franken angehäuft.

Doch bereits Jahre zuvor hatte der Arzt für negative Schlagzeilen gesorgt. 2012 beispielsweise in Rudolfstetten, weil er ohne die nötige Bewilligung Tausende Ritalintabletten abgegeben hatte. Zwei Jahre später entzog ihm der Regierungsrat die Berufsausübungsbewilligung. Malm zog diesen Entscheid bis ans Bundesgericht weiter, blitzte dort aber ab. Seit 2014 darf der deutsche Arzt im Aargau nicht mehr praktizieren, tat dies aber offenbar im Ärztezentrum Mutschellen doch wieder.

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