Villmergen/Niederwil
Präsident des Vereins Gnadenthal: «In meiner Amtszeit gab es keine Krise»

Werner Huber wird als Präsident des Vereins Gnadenthal verabschiedet. 13 Jahre lang führte er sein Amt aus. Heute Freitag tritt er an der Generalversammlung von diesem verantwortungsvollen Posten zurück – mit einem guten Gefühl.

Jörg Baumann
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Werner Huber auf der Dachterrasse seiner Wohnung in Villmergen, die er zusammen mit seiner Frau Yolanda vor einem Jahr bezogen hat. BA

Werner Huber auf der Dachterrasse seiner Wohnung in Villmergen, die er zusammen mit seiner Frau Yolanda vor einem Jahr bezogen hat. BA

13 Jahre lang leitete Werner Huber (78), der lange in Wohlen wohnte und vor einem Jahr nach Villmergen zügelte, als Präsident den Verein Gnadenthal, den Trägerverein des Pflege- und Betreuungszentrums Reusspark. Heute Freitag tritt er an der Generalversammlung von diesem verantwortungsvollen Posten zurück – mit einem guten Gefühl.

«Der Reusspark ist eine hervorragende, weitherum bekannte Institution. Zwei grosse Projekte konnten mit dem Tages- und Nachtzentrum im Haus Rotonda und dem gelungenen Umbau des Restaurants Gnadenthal abgeschlossen werden. Nun soll eine neue Kraft das Präsidium übernehmen. Das ist gut so.»

Werner Huber, bis zur Pensionierung 1998 Aargauer Oberrichter, war stets bereit, sich neben seinem Beruf ehrenamtlich für die Öffentlichkeit zu engagieren. So war er schon in den Sechzigerjahren beim Aufbau des Pfarreizentrums Chappelehof in Wohlen dabei und stellte sich später dem Aargauer Heimatschutz als Präsident zur Verfügung.

Im Verein Gnadenthal, 1999 bis 2000 als Aktuar und seitdem als Präsident, fand er wieder eine Aufgabe, die ihn vollauf erfüllte. «Ich kenne das Krankenheim Gnadenthal schon lange», berichtet Huber. «Ich erteilte in den Siebzigerjahren den Schülerinnen der Pflegeschule Gnadenthal Rechtskundeunterricht.»

Vom Kloster zum modernen Heim

Damals wurden die Heimbewohner in den alten Klostergebäuden gepflegt und betreut – zum Teil noch von Ingenbohler Klosterschwestern. Der Neubau bestand noch nicht. «Die Klosterschwestern haben im alten Gnadenthal einen sehr grossen Einsatz geleistet – in Räumen, die man den heutigen nicht mehr anbieten würde», meint Huber.

Im rundum erneuerten, hochmodernen Heim fand Huber beste Voraussetzungen vor: Einen Vorstand, der gut zusammenarbeitet, eine kompetente Geschäftsleitung und ebenso tüchtige und leistungsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «Es gab in meiner Amtszeit nie eine Heimkrise», betont er.

Das lag sicher auch daran, dass der Vorstand sich konsequent nicht mit dem Tagesgeschäft beschäftigt. «Das ist Sache der Geschäftsleitung und des Personals. Der Vorstand beschränkt sich auf die strategische Führung und ist damit gut gefahren. Aus der Geschäftsleitung kamen immer gute Ideen, manchmal fast zu viel aufs Mal, sodass ich sie gelegentlich sogar etwas bremsen musste.»

Glücklich war der Entscheid, das Tages- und Nachtzentrum im Haus Rotonda einzurichten und das seit Generationen bestehende Ausflugsrestaurant Gnadenthal umbauen zu lassen. «Dass ein Verein selber ein Restaurant betreibt, ist zwar ein Risiko. Aber der Betrieb ist sehr gut angelaufen», erzählt der scheidende Vereinspräsident.

Bevölkerung nahe am Geschehen

In der komplexen Heimlandschaft hat sich der Reusspark ausgezeichnet positioniert. «Unser Heim ist auf dem neuesten Stand. Wir haben hoch professionell geführte Angebote in der Langzeitpflege. Die Bevölkerung nimmt unsere Leistungen auch wahr.

Denn sie ist bei uns stets willkommen. Wir bieten auch ihnen viel», sagt Werner Huber, der die kulturellen Veranstaltungen im Haus und das neue Gewächshaus für rar gewordene Pflanzenarten hervorhebt. «Beide Angebote sind beim Publikum sehr beliebt.»

Fast wäre der Reusspark in Niederwil auch noch zu einem Golfplatz gekommen. Aber das Projekt scheiterte an der aufgekommenen Gegnerschaft. «Schade, der Golfplatz hätte den Reusspark noch weiter aufgewertet», sagt Huber.

Personalmangel sei im Gesundheitswesen eine alltägliche Sorge, sagt Huber. Trotzdem gelang es dem Reusspark, das Personal für das Haus Rotonda zu finden.

«Den Ausschlag dafür gab, dass die Geschäftsleitung einen unkonventionellen Werbefeldzug durchführte und damit Erfolg hatte. Nachhaltiger wäre es, wenn wir den Nachwuchs im eigenen Haus ausbilden könnten. Aber der Kanton hat die Krankenpflegeschule Gnadenthal leider geschlossen und konzentrierte die Schule in Brugg. Das fand ich schon damals falsch – und finde das noch heute», betont er.

Wenn Werner Huber heute im Reusspark seine Tätigkeit als Präsident abschliesst, heisst das für ihn nicht, dass er dem Heim den Rücken kehrt. «Ich kann gut loslassen und werde auch in Zukunft an kulturellen Veranstaltungen im Haus zu sehen sein», sagt er.

Darüber hinaus gewinne er nun mehr Zeit für seine Familie und fürs Lesen. «Ich bin zweifacher Grossvater. Das hält mich
sicher auf Trab», schmunzelt er.

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