Bremgarten

Präsidentin Musicalverein: «Ich habe Tag und Nacht geschrieben»

Stacy Gräni während der Probe zu «No nöd ganz 100». Geprobt wird noch ohne Kostüme und Maske.

Stacy Gräni während der Probe zu «No nöd ganz 100». Geprobt wird noch ohne Kostüme und Maske.

Angefressen sind sie allesamt, die Mitglieder des Musicalvereins Mutschellen. Angefressen von der Lust zu singen und zu schauspielern, zu tanzen und zu unterhalten. Der Verein probt «No nöd ganz 100» – geschrieben von Präsidentin Anastasia Gräni.

Die Zeit war mehr als reif, dass der Verein ein neues Projekt auf die Bühne bringt. Mehr als vier Jahre sind vergangen seit «Schlossherr, ledig, sucht ...», dem letzten Grosserfolg des Vereins. Die Fans wurden langsam ungeduldig, und die 18 Aktivmitglieder hibbelig. Jetzt proben sie wieder, denn sie haben ein Stück: «No nöd ganz 100».

Das Werk entstammt der Feder von Vereinspräsidentin Anastasia «Stacy» Gräni. «Ich hatte schon immer eine Schwäche fürs Schreiben», erklärt sie im Interview, eine Stunde vor Probenbeginn, in den Räumen der H. Keller AG in Bremgarten. «Eine meiner Kolleginnen hatte auch schon ein Stück für uns geschrieben, da habe ich mir gesagt: Ich kann das auch!»

Für jede Rolle ein Post-it

Um Ideen zu sammeln, setzte sie sich mit drei weiteren Vereinsmitgliedern zusammen. Schnell war dem Kreativteam klar, dass das neue Stück in irgendeiner Form das Thema «Alter» behandeln sollte. «Ich beschäftige mich tatsächlich sehr mit diesem Thema», sagt die gerade mal 50-jährige, sehr jung gebliebene Frau und wird für einen Moment ganz ernst. «Dann erzählte mir der eine Teamkollege von einem italienischen Film, in dem es irgendwie darum ging, dass einer seine Mutter überredete, Leute bei sich wohnen zu lassen, und eine andere Kollegin, die in einem Altersheim arbeitet, sagte mir, sie könne mir zum Thema Alter alles erzählen, was ich wissen wolle. So hatte ich bald ein Raster für meine Geschichte im Kopf und habe sie da erst einmal einen Monat lang mit mir herumgetragen.» 

Theaterpädagoge Peter Locher, der schon drei Stücke für den Musicalverein geschrieben hat, gab ihr ein paar erste Tipps, wie man eine solche Geschichte aufziehen kann. «Auf einem riesigen Plakat habe ich alle Rollen mit verschiedenfarbigen Post-it-Zettelchen aufgeklebt. Als ich die Geschichte einmal grob gefasst hatte, habe ich die einzelnen Szenen abgesteckt und die Figuren so verteilt, dass es eine gute Mischung ergab – man will ja nicht immer alle auf der Bühne haben.»

Komödie mit Tiefgang

Von Frühling bis Herbst 2017 schrieb Gräni dann das eigentliche Drehbuch. «Die Dialoge zu schreiben, hat mir unheimlich Spass gemacht», erzählt sie mit strahlenden Augen. «Ich wollte unbedingt eine Komödie schreiben. Die Geschichte sollte witzig sein, aber trotzdem Tiefgang haben.» Die Rohfassung ihres Buches legte sie dann Regisseur David Imhoof vor. Der war sofort begeistert und half ihr dabei, gewisse Figuren noch besser einzuführen oder einzelne witzige Ideen noch zu verstärken. «Ich habe in dieser Zeit, neben meinem Beruf, und der Familie, und dem Haus, und dem grossen Garten eigentlich Tag und Nacht geschrieben. Manchmal wachte ich mitten in der Nacht auf und hatte eine Idee. Dann habe ich mich hingesetzt und habe geschrieben.» Was nicht immer leicht war, denn der ganze Text ist in Mundart verfasst, «und weil es da keine Regeln gibt, war es vor lauter Freiheit manchmal schwer, die richtige Form zu finden, die auch alle lesen konnten.»

Wechselbad der Gefühle

Eine zweite Gruppe hat dann noch die passenden Lieder zur Geschichte gesucht. So erleben die Zuschauer im Wohler Chappelehof ab dem 28. März ein unerhörtes Wechselbad der Gefühle, wenn zwei Kollegen bei der pensionierten Mutter des einen einziehen und diese überreden, andere Rentner als Mieter aufzunehmen. Zur Musik von Abba, den Beatles, der Spider Murphy Gang, Udo Jürgens oder den Blues Brothers singen, tanzen und schauspielern sich die Mitglieder des Musicalvereins durch eine Geschichte voller Witz und Überraschungen, frecher Dialoge und unerwarteter Wendungen.

«Stacys Geschichte hat sehr viel Witz, sie ist schnell, und die Lieder eröffnen wieder ganz eigene, neue Räume», schwärmt Regisseur Imhoof. Die meisten Lieder erhielten, passend zur Geschichte, einen neuen, schweizerdeutschen Text. Zum Originalplayback der Lieder ab Band, sprich heutzutage: ab Computer, singen die Darsteller dann ihre Partien so, wie es der neue musikalische Leiter des Musicalvereins, der Bremgarter Musiker Christian Ertl, mit ihnen erarbeitet hat. Für die richtigen Bewegungen zur Musik sorgt Choreografin Angela Mannarino.

No nöd ganz 100 Premiere am 28. März, 20 Uhr, im Chappelehofsaal Wohlen. Tickets und Infos unter: www.musicalverein.ch. Ticketcombox über Telefon 079 338 43 15.

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