Glitzernde Dekorationsartikel, Kerzen, Buddhafiguren und Bilderrahmen stehen in der einen Ecke, in der anderen stehen Regale, bis hoch an die Decke gefüllt mit Gotik-Taschen und -kleidern, Tüchern, Haarfärbemitteln, Raucherstäbchen und Shishas. In Vitrinen findet man den schönsten Silberschmuck. Die Boutique Flower Power an der Zentralstrasse 34 gehört bereits seit 20 Jahren fest zum Wohler Ortsbild, denn wo sonst gibt es in der Gemeinde Szenenartikel, allerlei Krimskrams und ein Piercingstudio unter einem Dach?

Immer voller Motivation

Ein Ende war der Anfang des Flower Powers. Der Cousin der Inhaberin Judith Frey führte in den gleichen Räumlichkeiten ein Geschäft mit Tee, Schmuck und indischen Souvenirs, doch der Laden lief schlecht. Er konnte daraus nichts erwirtschaften und Frey, die immer schon eine Vorliebe für den Laden hatte, entschloss sich kurzum, ihn zu übernehmen. Als Hausfrau könnte sie nebenbei darin arbeiten und wäre nicht so sehr auf die Einnahmen angewiesen. 20 Jahre sind seither vergangen und der Flower Power ist aus Wohlen nicht mehr wegzudenken. «Der Name der Boutique kommt daher, dass wir erst Räucherstäbchen und Rastaartikel angeboten haben, das ist Flower Power pur!», sagt Frey. Sie blickt stolz zurück auf die Jahre, die seit der Eröffnung im Januar 1997 vergangen sind. Die Verkäuferin Roberta Frauenfelder hat ihre Ausbildung im Flower Power absolviert, oft werden die zwei für Mutter und Tochter gehalten. «Es gibt nicht einen Tag, an dem ich motivationslos zur Arbeit gehe», sagt sie. 2006 absolvierten sie zusammen einen Piercing-Kurs und eröffneten im Laden ein Studio.

«Eigentlich bin ich ausgebildete Dentalassistentin», erzählt Frey. «Das Piercen erinnert mich an diesen Beruf, auch da muss man steril arbeiten und mit ängstlichen Kunden umgehen können.» Frey und Frauenfelder stechen hauptsächlich Bauchnabel- und Nasenpiercings. «Unsere Kunden holen bei uns das nach, was sie früher nicht durften oder sich nicht getraut haben. Neulich kam eine fast 70-Jährige zu uns, die sich ein Bauchnabelpiercing hat stechen lassen», sagt Frauenfelder und schmunzelt. «Der Kontakt mit den Kunden ist das beste an der Arbeit.» An einem kleinen Tischchen mit gemütlichen Hockern rundherum würden sich viele Kunden auch gerne zu einer Tasse Weihnachtstee und einem Schwätzchen niederlassen. Die Flower-Power-Frauen kennen die Leute, die in der Boutique einkaufen, meist persönlich. «Viele sind Stammkunden, ab und an kommen sie aber auch von weit her, zum Beispiel aus Bern oder Luzern.»

Verschont, weil sie zu nett sind

Zum 20-Jahr-Jubiläum hat Frey im Frühjahr einige Pläne: Es werde sicher ein Apéro geben, vielleicht ein kleines Fest. Auf jeden Fall hat sie viele Geschichten, die sie den Besuchern erzählen kann. Beispielsweise als die Guggenmusik, als Dankeschön für die guten Dienstleistungen des Flower Powers, im Laden auftrat: «Hier drin war es dann ziemlich voll», lacht sie. Oder einmal, als in den umliegenden Geschäften eingebrochen wurde, nur im Flower Power nicht. «Die Diebe kannten unseren Laden sehrwohl, haben uns aber verschont, weil sie uns so nett gefunden haben. Das rechtfertigt ihre Taten aber natürlich nicht.» Inzwischen sei die Boutique auch zur Orientierungshilfe geworden: «Wir treffen uns beim Flower!», sagen die Leute, und jeder weiss, wo er hinmuss. Frauenfelder fügt an: «Der Laden ist einfach speziell und bleibt in Erinnerung.»