Es ging mehr als ein Raunen durch die Gemeinden des Kelleramts, als die Post CH AG per 1. Oktober ihren Vertrag mit der Einwohnergemeinde von Oberlunkhofen kündigte. Wohl ging es dabei nur um den Verkauf von Kehrichtprodukten auf der Poststelle im Dorf (die AZ berichtete). Aber der Gemeinderat von Oberlunkhofen wurde sofort aktiv, denn ihm schwante Böses angesichts der Tatsache, dass die Schweizer Post im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr ihrer ländlichen Filialen geschlossen hat. Gemeindeammann Alain Maître suchte das Gespräch mit den Verantwortlichen der Post CH AG, denn diese hatte schon im Juni 2017 mitgeteilt, dass sie die Filiale in Oberlunkhofen «überprüfen» werde.

Unterstützt auch vom Gemeinderat Unterlunkhofen und als Geschäftsleitungsmitglied des Regionalplanungsverbandes Mutschellen-Reusstal-Kelleramt, warf Maître alles in die Waagschale, um die Post von der Notwendigkeit ihrer Filiale in Oberlunkhofen zu überzeugen. «Es ist eine ganz aktive Poststelle», betont Maître. «Am Wochenende stehen die Kunden regelmässig Schlange vor den Schaltern. Ausserdem gibt es noch viele ältere Leute, die gleich nebenan bei der Raiffeisenbank ihr Geld holen und es dann auf der Post einzahlen gehen.»

«Überprüfen, nicht schliessen»

Was letztlich bei der Post den Ausschlag dafür gegeben hat, ihre Filiale in Oberlunkhofen vorerst noch weiterzubetreiben, darüber kann Maître nur mutmassen: «Vielleicht kamen wir einfach zur rechten Zeit mit unserem Anliegen. Nach der Postauto-Affäre ist die Post sicher bemüht, vor der Bevölkerung gut dazustehen. Ausserdem wollen sie die Regionen wieder mehr unterstützen.» Dazu gehört auch, dass die Poststelle in Oberlunkhofen künftig wieder Kehricht- und Grüngutmarken verkauft. Sie wird für diese Dienstleistung zwar mehr Provision kassieren als vorher, aber diesen finanziellen Nachteil für die Gemeinde nahm der Gemeinderat gerne in Kauf, wenn dafür die Post im Dorf bleibt.

«Wir haben ja geschrieben, dass wir die Situation in Oberlunkhofen ‹überprüfen›, es war nicht die Rede von Schliessung», sagt Markus Werner, Verantwortlicher regionale Kommunikation Nord der Post CH AG. «Als wir die Eckdaten für das Aargauer Filialnetz 2020 bekannt gaben, hatten wir die Situation vor Ort noch nicht detailliert erfasst. Wir berücksichtigen dabei immer den Kundenfluss einerseits und die Situation mit den Filialen in der näheren Umgebung andererseits.» Nachdem alle Daten vorlagen, habe sich die Post entschieden, die Filiale in Oberlunkhofen noch bis mindestens Ende 2020 weiterzubetreiben.

Ihren Entscheid gab die Post CH AG am Montag in einer Medienmitteilung bekannt. Sie macht darin keinen Hehl daraus, dass die Zeiten der traditionellen Posfilialen zu Ende gehen: «Die Digitalisierung hält mehr und mehr Einzug im Alltag der Menschen. Sie sind mobiler und nutzen die Dienste der Post auf unterschiedlichsten Kanälen, sei dies nun unterwegs auf dem Smartphone oder zu Hause am Computer rund um die Uhr.»

Kundenströme rückläufig

Immer seltener suchten die Kunden Poststellen auf, sodass die Schaltergeschäfte kontinuierlich zurückgingen. Die Briefmengen seien rückläufig, und die Kunden machten Einzahlungen vermehrt online, schreibt die Post. Aus diesen Gründen wurden die Freiämter Filialen von Jonen, Niederwil, Oberwil-Lieli und Boswil bereits geschlossen. Um Oberlunkhofen herum gibt es nur noch sogenannte «Filialen mit Partnern», also Poststellen, die zum Beispiel in einem Volgladen eingerichtet sind, etwa in Jonen, Arni-Islisberg und Oberwil-Lieli, oder den «Hausservice», wie in Rottenschwil und Aristau.

Im Sinne von aufgeschoben ist nicht aufgehoben steht die Post in Oberlunkhofen also weiterhin unter Beobachtung. 2021 will die Post CH AG die Situation im Kelleramt neu überprüfen und dann wieder das Gespräch mit den Gemeindebehörden suchen.