Seit diesem Monat gibt es im Freiamt ein neues Post-Angebot: In den Bahnhöfen Wohlen und Muri haben zwei von schweizweit 100 PickPost-Stellen ihren Betrieb aufgenommen. «Mit PickPost wählen unsere Kunden, wo sie ihr Paket abholen», erklärt Markus Flückiger, Kommunikationsverantwortlicher bei der Post. Die Idee sei, dass zum Beispiel Pendler auf dem Nachhauseweg beim Bahnhof ein Päckli mitnehmen könnten.

Zwei weitere Postagenturen

Poststellen dagegen bieten «das gesamte postalische Angebot sowie ein breites, nach Grösse der Poststelle abgestuftes Sortiment an Markenartikeln», wie das Unternehmen schreibt. Einzahlungen sind unbegrenzt (im Rahmen des Geldwäschereigesetzes) möglich, die Anforderungen an Infrastruktur und Sicherheit dementsprechend hoch.

Die klassischen Poststellen sind seit Jahren rückläufig. Im Freiamt gibt es noch 17 davon. Bei zweien ist die Schliessung bereits beschlossene Sache: Ab Montag, 2. Mai, wird im Volg-Laden Arni-Islisberg eine Postagentur die Poststelle ersetzen, in Jonen eröffnet die Postagentur voraussichtlich im März 2017.

Bei den Agentur-Lösungen arbeitet die Post mit Dritten zusammen, die in ihrem Auftrag das Postgeschäft betreiben. «Das Sortiment umfasst fast alle täglich in einer klassischen Poststelle nachgefragten Dienstleistungen. So kann die Kundschaft Briefe und Pakete aufgeben, Sendungen abholen und Briefmarken kaufen.

Poststandorte im Freiamt



Mit der PostFinance Card und den Maestro-Karten der Banken lassen sich bargeldlose Einzahlungen erledigen; für Geldbezüge braucht es die PostFinance Card», heisst es bei der Post. Infrage kommen dafür insbesondere Ladenbetreiber, in Eggenwil ist es die Gemeinde. Die Nachfrage war im letzten Jahr konstant: Während der offiziellen Öffnungszeit von 32 Stunden pro Woche wurden durchschnittlich 89 (Vorjahr: 95) Kunden am Schalter bedient. Davon beanspruchten 57 % ein Angebot der Post, 35 % ein solches der Gemeindeverwaltung, und 8 % nahmen beides gleichzeitig in Anspruch (Infos im Kontext unten).

Mehr Synergien erwartet

In den meisten Fällen befinden sich die Postagenturen aber in Volg-Läden. Daniel Strebel, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Landi Freiamt, stellt bei den Reaktionen der Kunden eine Veränderung fest: «Am Anfang waren sie sicher kritisch, aber mit der Zeit auch dank den langen Öffnungszeiten mehrheitlich positiv.» Von der Zusammenarbeit profitieren im Idealfall beide Partner: Die Post kann die Betriebskosten senken, die Kunden, die Briefe abgeben oder ein Paket abholen möchten, kaufen im Volg gleich noch ihr Abendessen ein.

Können denn die Postagenturen dem Lädeli-Sterben entgegenwirken? «Die Dorfläden können mit der Postagentur zusätzliche Deckungsbeiträge erwirtschaften, bei kleineren Dorfläden kann dies durchaus zu einer weiteren Existenz beitragen», hält Strebel fest.

Er gibt aber offen zu: «Wir haben hier etwas mehr Synergie erwartet.» Es gebe zwar vereinzelt Kunden, die noch Einkäufe tätigen würden, einige von ihnen würden aber auch in den Laden kommen, wenn sie die Postgeschäfte an einem anderen Ort abwickeln müssten. Und wie reagiert das Personal auf die neuen Aufgaben? «Es ist eine zusätzliche Herausforderung zu einer schon bereits sehr anspruchsvollen Ladenführung, die aber mehrheitlich positiv aufgenommen wird», sagt Strebel.


In zehn Gemeinden gibt es einen Hausservice. «Bewährt hat sich diese Lösung besonders in ländlichen Gebieten», schreibt die Post. Die gängigsten Postgeschäfte können direkt beim Boten oder bei der Botin während der täglichen Zustelltour erledigt werden. Wer Briefe oder Pakete aufgeben will, Einzahlungen tätigen muss oder Briefmarken bestellen will, befestigt einfach ein Steckschild am Hausbriefkasten.

Auf der nächsten Zustelltour (Montag bis Freitag) klingelt die Botin oder der Bote an der Haustüre, um das Postgeschäft abzuwickeln. Auf Vorbestellung hat man die Möglichkeit, Bargeld vom Postkonto abzuheben.
Das Angebot der Post ändert sich mit den Kundengewohnheiten: Von 2000 bis 2014 betrug die Abnahme bei den Briefen 67 %, bei den Paketen 43 % und bei den Einzahlungen 34 %. Die Kosten bleiben hingegen unverändert.