Für die aktuelle Ausstellung im Gemeindehaus Wohlen konnten zwei bekannte Künstler gewonnen werden, die sogar schon international Beachtung gefunden haben. Beide zeigen Sie, auf ganz unterschiedliche Arten, Fotoansichten von kleinen Paradiesen.

Die Freude war Hans Furter, Präsident der Wohler Kulturkommission, an der Vernissage anzusehen. Für die aktuelle Ausstellung im Gemeindehaus hatte er, wie er in der Begrüssung erläuterte, mit Andreas Hofer und Livio Piatti zwei nicht nur national, sondern auch international beachtete Künstler verpflichten können.

Hofer, der in Bremgarten wohnt und in seinem Schaffen durch eine grosse Vielseitigkeit auffällt, hat für die Ausstellung sogar eigens Werke mit Wohlens Ansichten geschaffen.

Dafür hat er mit wachem Auge die Wohler Quartiere durchwandert, immer auf der Suche nach Postkartenmotiven. Diese fand er häufig an anderen Orten als den vermuteten, etwa beim Lidl oder Aldi oder in der Industrie. So viele, dass er mit ihnen einen ganzen Postkartenständer zu füllen vermochte.

«Wohlen ist, anders als häufig behauptet, schön», lautet seine Schlussfolgerung. Die Ansichten, die ihm gefielen, fotografierte er, anschliessend malte er sie mit einem Backpinsel, wie er in der Küche verwendet wird, nach, auf Postkartenformat.

Der Trick dabei ist, dass Postkarte und Bild gleich aussehen, wenn man sie von weitem betrachtet, erst von nahem nimmt man die Vereinfachung und Verfremdung wahr. Dieses Verfahren hat Hofer für eine eben zu Ende gegangene Ausstellung in einer Zürcher Galerie entwickelt, wobei er dort Postkarten aus aller Welt nachmalte.

Weil er so viele dieser Werke geschaffen hat, sind die internationalen Ansichten auch im Wohler Gemeindehaus zu sehen. Auch diese sind in Wohlen zu sehen, ergänzt durch Himmelsansichten.

Die Fotografien, die er nachgemalt hat, stellt Hofer im Gemeindehaus ebenfalls aus. Er hat darüber blaue Farbkleckse laufen lassen, wobei er auf die Fotos digital einen Schatten anbrachte, so, dass die Kleckse wie Skulpturen wirken.

Himmelblau sei das Leitmotiv in dieser Arbeitsserie, erläutert er, «denn auf Postkarten herrscht immer strahlendes Wetter.»

Ein kleines Paradies

Dieses Motiv nimmt Livio Piatti in seiner Fotoserie auf. Piatti, der mehrere Fotobücher veröffentlicht hat, fotografierte 1999, anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums die Besucherinnen und Besucher im Zürcher Letzischwimmbad. Dazu baute er in den Pools ein Fotostudio auf, mit drei Duschvorhängen, und fotografierte die Badegäste mitten im Wasser.

Das Blau des Wassers bildet dabei mit den Duschvorhängen eine Einheit, und während die Sonne im Wasser helle Punkte zaubert, tut es das Blitzlicht auf den Duschvorhängen. «Le petit bleu» nennt Piatti diese Serie, die ein kleines Paradies darstellt. Die Fotografien wurden damals auf Filmen hergestellt, die digitalisiert und auf Leinwände gedruckt wurden.

Ein himmelblauer Pool

Himmelblau wollte Hofer auch den Pool im Isler-Areal streichen lassen, um die Ausstellung abzurunden. Das wurde nicht bewilligt. Übrigens: Dass Wohlen zu den Postkartenansichten eines Künstlers kam, war so nicht geplant.

Ursprünglich hatte Hofer eine Videoinstallation mit einem nach unten fallenden Wassertropfen geplant, bis ihm die Idee mit den Postkarten besser gefiel.

Ausstellung bis 15. Mai 2015, jeweils Montag bis Freitag 8.30–11.45 Uhr und 13.30–17 Uhr, Samstag 13.30–17 Uhr.