Tragisches Ende eines fröhlichen Polterabends: In Wohlen verunglückte die Gesellschaft eines Junggessellenabschieds am Samstag schwer. Die 17 Passagiere, samt Chauffeur und mitgeführtem Equipment, wurden auf die Strasse geschleudert. Drei Personen verletzten sich beim heftigen Unfall schwer.

Anwohner Beni Malgo beobachtete die Szenerie: «Mit viel Lärm und Gepolter ist das ganze Gefährt heruntergekommen. Dann kam es zum Sturz und es herrschte Totenstille», sagte er gegenüber Tele M1. Die Passagiere habe es herausgespickt, sie seien «unter Getränkeflaschen und allem möglichem gelegen». Augenzeugen leisteten sofort erste Hilfe und alarmierten die Rettungskräfte, die schnell vor Ort waren.

Warum konnte der Traktor nicht bremsen?

Warum konnte der Traktor nicht bremsen?

Aufgrund des starken Gefälles konnte der Traktor das Gewicht des Anhängers offensichtlich nicht mehr halten. Ein Experte nimmt Stellung.

Ladung und Personen ungesichert

Die Kantonspolizei nimmt jetzt Traktor und Anhänger unter die Lupe. Die Bremskraft hat offensichtlich bei weitem nicht ausgereicht. Zudem seien «keine wirklichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden», wie Daniel Saridis, Sprecher der Kantonspolizei Aargau, sagt.

Ladung und Passagiere hätten gesichert werden müssen. Doch auch dann dürfte die Fahrt rechtlich heikel gewesen sein. Personentransporte mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen sind nur auf dem Betrieb erlaubt – oder mit einer Spezialbewilligung. Saridis: «Nach ersten Erkenntnissen ist nicht davon auszugehen, dass eine solche Bewilligung vorhanden war.»

Klar ist, dass die Fahrzeuge korrekt eingelöst waren und der Chauffeur, ein Landwirt aus der Region, über die nötige Ausbildung verfügte. Der Fahrer befindet sich nach Polizeiangaben nicht unter den Schwerverletzten. Bei ihm wurde standardmässig eine Blut- und Urinprobe angeordnet. Auch die Passagiere stammen laut Saridis «grösstenteils aus der Region». Angehörige von Betroffenen wollten sich gestern gegenüber der az nicht zum Unfall äussern.

Route falsch eingeschätzt?

Hans Stadelmann, Sicherheitsingenieur bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft in Schöftland, befasst sich beruflich mit solchen Unfällen, erstellt auch Gutachten zuhanden der Staatsanwaltschaft. Er wohnt selber in Wohlen und kennt die Hochwachtstrasse. Stadelmann sagt: «Wenn der Anhänger nicht gebremst war und von einem alten Traktor ohne Allradbremse gezogen wurde, brauchte es nicht viel bei diesem Gefälle.»

In der Landwirtschaft mit ihren schweren Maschinen, die oft länger, breiter oder schwerer als Strassenfahrzeuge seien, werde viel Verantwortung dem Lenker überlassen. Dieser müsse vor jeder Fahrt eine umfassende Beurteilung vornehmen. Mit dieser Anzahl Personen und dem geladenen Material diese Route zu nehmen, sei wohl schlicht eine Fehleinschätzung gewesen: «In der Situation hatte der Fahrer keine Chance mehr».