Bremgarten
Polizist und Marktchef Walter Friedli wacht über 412 Marktstände

Der Ostermarkt zieht jährlich gegen 30000 Besucher ins Reussstädtchen. Den wachsamen Augen von Walter Friedli entgeht dabei nichts.

Chantal gisler
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Marktchef Walter Friedli sorgt seit 29 Jahren dafür, dass der Ostermarkt in Bremgarten reibungslos abläuft.Chantal Gisler

Marktchef Walter Friedli sorgt seit 29 Jahren dafür, dass der Ostermarkt in Bremgarten reibungslos abläuft.Chantal Gisler

chantal Gisler

Die Glocke am Spittelturm in Bremgarten schlägt sechsmal. Während das Städtchen noch tief und fest schläft, herrscht auf der Marktebene von Bremgarten buntes Treiben. Unter den Augen von Polizist und Marktchef Walter Friedli fahren die Marktverkäufer mit ihren Ständen an ihren Platz. Seit 29 Jahren beaufsichtigt er die traditionellen Märkte der Stadt Bremgarten. Seit drei Uhr ist er bereits auf den Beinen und stellt sicher, dass keine Autos im Parkverbot stehen und die Sanitäranlagen funktionieren.

Insgesamt 412 Stände sind für den diesjährigen Ostermarkt angemeldet. «Jedes Jahr kommen etwa die gleichen Händler. Früher musste der Marktchef andere Märkte besuchen und seine Leute so zusammensuchen, um die Marktvielfalt zu wahren», erzählt Friedli. «Heute ist es modern, sich über das Internet anzumelden. Dieses Jahr habe ich 15 neue Händler auf dem Markt.» Die Bremgarter Märkte sind in der ganzen Schweiz bekannt und haben eine lange Tradition. «Wir erwarten bei gutem Wetter zwischen 25 000 und 30 000 Besucher, bei schlechtem Wetter etwas weniger», meint der Marktchef. «Der Ostermarkt ist jedoch der meistbesuchte, er ist der Startschuss ins neue Jahr.»

Gutes Timing

«Der Markt in Bremgarten ist einer der grössten und bekanntesten Warenmärkte der Schweiz», meint auch Händler Daniel Kolar. Er und Yvonne Camenzind aus Hergiswil, Nidwalden, haben ihren Stammplatz auf dem Markt. Seit drei Jahren verkauft er neben dem Kiosk auf dem Pausenplatz der Bezirksschule seine Socken; sein Vorgänger machte dies 30 Jahre lang. «Wir haben uns über die Jahre eine Stammkundschaft aufgebaut, die genau weiss, wo wir unseren Stand haben. Ich würde sagen, 80 Prozent der Kunden sind Stammkunden», erklärt der Händler. Früh da sein ist von Vorteil, denn die meisten Händler treffen etwa um die gleiche Zeit ein, um ihre Stände aufzubauen. «Man kennt sich untereinander», meint Kolar. «Daher kann man abschätzen, wann der andere kommt, und so ein Chaos vermeiden.»

Sicherheit und Hilfsbereitschaft

Von allen Seiten grüssen die Leute den Marktchef während seiner Patrouille. Vor einem leeren Stand bleibt er stehen. «Eine Händlerin hätte mir beinahe abgesagt, weil sie keinen Fahrer hatte, um ihre Blache für den Stand hierher zu transportieren. Ich fragte sie, ob die Blache das Einzige sei, was sie davon abhalte, zu kommen. Sie sagte ja, und so haben wir ihr eine organisiert», erzählt Friedli. Seit drei Uhr morgens patrouilliert er auf der Marktgasse, dem Obertorplatz und dem Pausenplatz der Bezirksschule. «Wir haben einen Polizisten beim Casino und einen beim Isenlauf stationiert», erklärt der Marktchef. «Es sind meistens die gleichen Leute, die den Ablauf kennen.» Feuerwehrleute und Samariter sind überall vertreten, um im schlimmsten Fall sofort handeln zu können.

Friedlis wachsamen Augen entgeht nichts. So bittet er eine Händlerin, ihren Wagen ein bisschen nach hinten zu verschieben, um den Durchgang für die Besucher freizuhalten, und weist einen anderen Marktfahrer zu seinem Platz. Er sorgt dafür, dass das Angebot überall vielfältig ist, damit es den Besuchern nicht langweilig wird und es zu keinen Konkurrenzkämpfen kommt. So hofft er, die Besucher auch dieses Jahr wieder begeistern zu können.