Berikon
Polizei verhaftet Ingo Malm – Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung läuft

Eklat im Fall Ingo Malm: Der umstrittene Arzt, der nicht mehr selbständig praktizieren darf, ist von der Polizei verhaftet und befragt worden. Gegen Malm läuft ein Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung.

Fabian Hägler
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Die Patienten des Ärztezentrums Mutschellen stehen seit Freitag vor verschlossenen Türen, wenn sie zu einem ihrer Ärzte wollen. Alle Patientendossiers, sprich Krankengeschichten, lagern gut geschützt im EDV-System der Ärztezentrum Mutschellen AG. Deren Verwaltungsrat mit Einzelunterschrift, Ingo Malm, hätte Zugriff darauf. Aber sowohl er als auch sein gesamtes Personal sind von der Bildfläche verschwunden – das war der bisherige Wissenstand.

An der verschlossenen Tür des Ärztezentrums Mutschellen prangt dieser Zettel.

An der verschlossenen Tür des Ärztezentrums Mutschellen prangt dieser Zettel.

Natasha Hähni

Am Mittwochabend berichtete Tele M1 von einem Eklat im Fall Malm. Der umstrittene Arzt, der nicht mehr selbständig praktizieren darf, ist von der Polizei verhaftet und befragt worden. Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, sagt gegenüber dem Regionalsender, man führe gegen Malm ein Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Der deutsche Arzt, der schon früher wegen unerlaubter Medikamentenabgabe vor Gericht stand und Betreibungen von mehr als einer Million Franken am Hals haben soll, werde nun befragt. Danach entscheidet die Staatsanwaltschaft über das weitere Vorgehen, allenfalls wird Untersuchungshaft beantragt.

Patienten nicht informiert

Im Falle einer Praxisauflösung oder -schliessung werden die Patientendaten normalerweise auf einem externen Datenträger gesichert und es werden Vollmachten erteilt, damit die Daten den Patienten ausgehändigt werden können. Gerade bei einem medizinischen Notfall kann es lebensentscheidend sein, dass ein neuer Arzt schnellen Zugriff auf die Krankengeschichte seines Patienten erhält. Malm war für die AZ nicht erreichbar, im «Wohler Anzeiger» vom Dienstag sagte er: «Wir sind ausgeschlossen seit Freitag.» Er komme selber nicht an die Akten und habe seine Patienten nicht informieren können. Allerdings sagt Malm der Zeitung auch, seit Dezember sei klar, dass das Ärztezentrum Mutschellen in der bisherigen Form nicht weiterexistieren könne. Er räumt ein, dass seine Firma Verbindlichkeiten von 500'000 Franken habe.

Über die mögliche, baldige Schliessung des Ärztezentrums Mutschellen wurde in der Region schon seit geraumer Zeit gemunkelt. Sie war auch Thema an der Teamsitzung des Doktorzentrums Mutschellen, der zweiten grossen Gemeinschaftspraxis in Berikon. Die Sitzung fand am 8. Januar statt und es hiess, die Zukunft des Ärztezentrums sei ungewiss. An der Sitzung wurde auch schon darüber gesprochen, wie man der zu erwartenden Flut an Patienten gerecht werden könnte.

Die einzigen, die sich zu diesem Thema weder den Patienten, noch der Öffentlichkeit gegenüber äusserten, waren die Betreiber des Ärztezentrums um Ingo Malm. Sie überliessen die Information über die Schliessung des Zentrums der Besitzerin der Praxisräume. Auf einem A4-Blatt an der Eingangstüre steht: «Die Ärztezentrum Mutschellen AG befindet sich nicht mehr an dieser Adresse. Der befristete Mietvertrag endete am 31. Dezember 2017 und wurde nicht verlängert.» Auch diesen Termin, wenn er denn so vereinbart war, hätten die Ärzte des Zentrums gekannt und ihre Patienten entsprechend informieren können.

Arzt verliess Malms Praxis

Dass in Sachen Organisation und Planung in der Gemeinschaftspraxis allerdings nicht alles zum besten stand, bestätigt einer, der genau aus diesem Grund die Praxis verlassen und sich per 1. Januar selbständig gemacht hat, der Allgemeinmediziner und Homöopath Muhamet Nuraj: «Ich wollte mich ganz um meine Patienten kümmern können. Das Ärztezentrum war für mich ein zu grosses Mischmasch, es war immer etwas chaotisch.»

Nuraj weiss auch, dass eine Gruppe ehemaliger Kollegen aus dem Ärztezentrum von Ingo Malm die Gemeinschaftspraxis weiterführen wollen. An Kundschaft würde es ihnen sicher nicht fehlen, denn der Hausärztemangel macht sich in der Region deutlich bemerkbar. Das Doktorzentrum Mutschellen platzt aus allen Nähten. Es hat schon nach der Auflösung des Ärztehauses Bremgarten im letzten Sommer einen Grossteil der Patienten übernommen. Den Patienten des Ärztezentrums von Ingo Malm bleibt momentan nichts anderes übrig, als einen neuen Hausarzt zu suchen oder die Notfallstation des Kantonsspitals Baden aufzusuchen.