Boswil

Politischer Aschermittwoch in Boswil vor dem Aus

Thomas Michel: «Wenn jemand weitermachen will, wäre das natürlich schön.»  ES

Thomas Michel: «Wenn jemand weitermachen will, wäre das natürlich schön.» ES

Die nächste Aufführung in der Alten Kirche in Boswil wird ziemlich sicher die letzte sein. Noch gibts allerdings etwas Hoffnung.

Der 10. «Politische Aschermittwoch» im Freiamt in Boswil wird voraussichtlich auch der letzte sein. «Wir sind etwas müde geworden», sagt Thomas Michel, Buttwil, ein Mann der ersten Stunde, bei dem heute die Fäden zusammenlaufen. So fiel der Entschluss, nach der zehnten Veranstaltung aufzuhören. Gleichwohl schwingt bei Michel noch etwas Hoffnung mit. «Wenn jemand weitermachen möchte, wäre das natürlich schön.»

Keinen Sauglattismus

Es war vor zehn Jahren. Jörg Trottmann, katholischer Erwachsenenbildner aus Wohlen, fand, das Freiamt hätte das Potenzial für eine gesellschaftliche und kulturelle Auseinandersetzung. Zu einer ersten Sitzung im Matterhaus in Muri kamen etwa zehn Leute, unter ihnen der Murianer Kabarettist Philipp Galizia, die damalige Grossrätin Flory Dubler aus Kallern, Kut Käch vom Lehrerkabarett, der Gemeindeschreiber Bruno Burkart aus Waltenschwil, Thomas Michel, sogar die heutige Bundesrätin Doris Leuthard lockte die Idee nach Muri. «Es kamen Leute zusammen, die für mich auf den ersten Blick irgendwie gar nicht zusammen passten», erinnert sich Michel. «Das war spannend.»

Man kam zum Schluss, die Idee von Trottmann weiterzuverfolgen. «Was klar war: Wir wollten keinen politischen Diskussionsabend, wir wollten keinen Sauglattismus.» Als idealer Durchführungsort entpuppte sich die Alte Kirche Boswil. «Wir haben an diesem Abend gleich aufgeteilt, wer was macht.»

Mit «Schnitz und Drunder»

In zehn Jahren ist der «Politische Aschermittwoch» zu einem Begriff im Freiamt geworden. In relativ kurzen Blöcken kommen Freiämter Beiträge in vielfältiger Art zusammen, die für die Besucherinnen und Besucher – oft zusammen mit kulinarischen Genüssen (Freiämter Spezialität Schnitz und Drunder) – zu einem einmaligen Erlebnis werden. Für die Übergänge, für den «roten Faden» sorgen die reformierte Pfarrerin Bettina Lukoschus und der Boswiler Pater Benedikt Staubli. «Wir sind jeweils selber überrascht, wie sich die Abende gestalten», räumt Michel ein. «Wir waren auch immer offen für Experimente.»

Die Auftretenden wurden jeweils aktiv gesucht und bewusst zusammengestellt. Mit bescheidenem Sponsoring, viel freiwilliger Arbeit und Enthusiasmus konnte der Anlass selbsttragend gestaltet werden.

Der richtige Zeitpunkt

Sowohl Bettina Lukoschus als auch Pater Benedikt sprachen davon, in den Hintergrund zu treten. Thomas Michel und Philipp Galizia sind ebenfalls beruflich stark engagiert. «Wir sagten uns: Nach dem 10. Politischen Aschermittwoch ist der richtige Zeitpunkt, aufzuhören.»

Wenn am 23. März voraussichtlich das letzte Mal in der Alten Kirche Boswil ab 18.30 Uhr Schnitz und Drunder serviert wird, wenn ab 20 Uhr Unterhaltendes, Tiefgründiges, Freudiges, Nachdenkliches zum Besten gegeben wird, dann werden die Macher der ersten Stunde mit Wehmut dabei sein. Aber auch mit einem lachenden Auge, denn für sie wird es auch eine Entlastung bedeuten. «Klar», lacht Michel, «wenn jemand weitermacht, dann werde ich wieder dabei sein – aber als Zuhörer.»

Politischer Aschermittwoch, 23. März, 20 Uhr, Alte Kirche Boswil. Das Essen ist ausgebucht. Für den zweiten Teil ab 20 Uhr hat es Platz auf der Empore. Dazu ist keine Anmeldung nötig.

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