Konzentriert hören die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse dem jungen Mann zu. Anhand einer Grafik erklärt dieser die Bruttolöhne in Europa und welchen Einfluss die Politik auf die offensichtlichen Unterschiede haben könnte. An diesem Donnerstag ist aber nicht der übliche Unterricht angesagt, sondern es ist Staatskundetag. Deswegen stehen vor den jungen Leuten nun Parteivertreter und keine Lehrer. Jedes Jahr besuchen Nachwuchspolitiker sämtlicher politischer Jung-Parteien die Bezirksschule Wohlen und ermöglichen so den Teenagern einen Einblick in Politik und Parteiprogramme.

Fast im Alter der Schüler

«Der Staatskundetag ist interessant. Wir lernen die verschiedenen Parteien kennen und bekommen einen guten Überblick», stellen Colin Rohs, Dominic Probst und Fabio Marcotullio aus der Klasse 2a fest. Die 14-Jährigen interessieren sich besonders für aktuelle Themen wie Klimaschutz, Migration sowie Bildung. Matthias Hehlen, Lehrer der 2a, führt aus: «Unsere Schüler haben sich das Thema Migration im Unterricht selbst ausgesucht. So ein Tag mit den unterschiedlichen Parteien und deren Vertretern ist spannend für sie. Besonders, weil die jungen Politiker oft gar nicht so viel älter sind als sie selbst.» Die Podiumsdiskussion am Nachmittag sei dann auch noch interessant, weil die Schülerinnen und Schüler hautnah erleben können, dass Politik nicht immer sachlich sei.

Punkt acht Uhr beginnt der Staatskundetag. Dafür haben sich Mia Jenni von den JungsozialistInnen, Michael Kaufmann von der Jungen CVP, Nicolá Bossard von den Jungen Grünen, Benjamin Riva von den Jungfreisinnigen und Roman Hug von der Jungen SVP eingefunden. Sie haben jeweils 30 Minuten Zeit, ihre Parteien vorzustellen und sich besonders zum Thema Migration zu äussern. Zu Beginn wirken die Schüler noch ein wenig zurückhaltend, doch schon bald stellen sie Fragen und vertreten auch eigene Positionen. Einige gehen nach der Vorstellung noch zu den Referenten, fragen nach Informationsmaterial und Websites.

Einblick in Parteienlandschaft

Vom Alter her am nächsten ist Roman Hug den Schülern der 2. Klassen. Der 16-Jährige erklärt zunächst, wie er zur Politik kam. Es sei ihm wichtig, sich für seine Meinung einzusetzen. Politik betreffe schliesslich alles, auch den Stundenplan und somit auch junge Leute. Dann folgt ein Blick ins Programm seiner Partei, insbesondere zum Thema Einwanderung. Ähnlich verfahren auch die weiteren Parteivertreter. Dabei lernen die Schüler im Lauf des Vormittags die unterschiedlichen oder auch ähnlichen Standpunkte genauer kennen. Mia Jenni gelingt es, den jungen Leuten bewusst zu machen, wie vielfältig die Gesellschaft ist. In einer kleinen Vorstellungsrunde stellt sich jeder mit Vornamen, Migrationshintergrund sowie Lieblingsessen vor. Es zeigt sich, dass ein grosser Teil mehr als nur eine Nationalität nennen kann. Allen jungen Referenten ist es ein Anliegen, den Schülern nahe zu bringen, dass Politik nicht langweilig sein muss, sondern spannend sein kann.