Für die aktuelle Eigeninszenierung, die am 27. Februar 2016 Premiere feiert, wählte das Kellertheater Bremgarten ein Stück des in Villmergen aufgewachsenen Paul Steinmann aus. Es handelt von einem düsteren Kapitel der Schweizer Geschichte – und es punktet mit ganz viel Musik.

In der Welt draussen herrscht Krieg, aber in einem Schweizer Dorf ist die Welt im Sommer 1942 beinahe in Ordnung. Die jungen Mädchen träumen von der Liebe, die Lehrerin bereitet die 1.-August-Feier vor und eine Dorfbewohnerin freut sich darüber, dass es auch ohne die Männer geht. Die befinden sich nämlich im Aktivdienst, weshalb der gemischte Chor keiner mehr ist. Dass im Dorf polnische Internierte untergebracht werden sollen, sorgt für Aufregung. Einige reagieren mit Angst auf die Fremden, andere sind von den feschen Männern angetan, dürfen sich ihnen aber auf staatlichen Befehl hin nicht nähern. Gemeinsame Proben für die 1.-August-Feier sorgen dafür, dass sich die Schweizerinnen und die Polen doch noch näherkommen, worauf eine Geschichte mit Liebe, Verrat und Eifersucht einen tragischen Verlauf nimmt.

Historischer Hintergrund

Das 1996 uraufgeführte Stück des in Villmergen aufgewachsenen Paul Steinmann, der in der Region zuletzt 2012 mit dem Freilichttheater «Mit Chrüüz und Fahne» sehr positiv auf sich aufmerksam machte, basiert auf wahren Begebenheiten. Im Juni 1940 flüchteten 12 000 polnische Soldaten, die die französische Armee in ihrem Kampf gegen Deutschland unterstützt hatten und die gegen die Wehrmacht in Not gerieten, in die Schweiz. Gemäss dem Haager Abkommen wurden sie bis Kriegsende interniert. Der Kontakt zur Schweizer Bevölkerung wurde ihnen verboten – allerdings kam es trotzdem zu Eheschliessungen zwischen Schweizerinnen und Polen.

«Seit wir das Stück ausgewählt haben, hat sich mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen das Thema über den Umgang mit Fremden akzentuiert», erläutert Regisseur Thomy Truttmann. Er habe sich überlegt, ob er solche Überlegungen ins Stück einfliessen lassen soll, hat es aber, mit Ausnahme von zwei sehr feinen Hinweisen, unterlassen. «Es wäre dem Stück nicht angemessen gewesen.»

Stille Nachdenklichkeit

Obwohl das Theaterstück ein dunkles Kapitel der Schweizer Geschichte behandelt, kommt es über weite Strecken spritzig-lustig daher, nicht zuletzt dank den vielen Liedern, etwa dem von zwei Freundinnen frotzelnd vorgetragenen Schlager «Veronika, der Lenz ist da».

Schön gesungene Heimatlieder voller Kraft lassen die Befehle zum Umgang mit Internierten noch miefiger erscheinen. Doch immer wieder zeigt sich, dass sich hinter den witzigen Dialogen eine stille Nachdenklichkeit verbirgt, öfters wechselt der Zuschauer vom Lachen zur Betroffenheit.

Premiere Samstag, 27. Februar, 20.15 Uhr. Weitere Vorstellungen jeweils Fr/Sa: 4.,5.,12.,18.,19. März, 1.,2.,8.,9.,15.,16., April, zudem Mittwoch, 6. April, jeweils 20.15 Uhr.