Humor hat sie, das steht ausser Frage, und auf den Mund gefallen ist sie auch nicht. Aber als am Donnerstagabend in der Turnhalle des Schulhauses Winkel in Sarmenstorf das Saallicht ausging und vor der alten Theaterkulisse des Restaurants Ochsen die Überraschungsgäste Hanspeter Müller-Drossaart und Urs Heinz Aerni erschienen, da fehlten Annemarie Huber-Ruepp für einen kurzen Moment die Worte. Dafür sprach ihr strahlendes Gesicht Bände.

Nach 40 Jahren als Leiterin und Vorreiterin der Lesegesellschaft und nachmaligen Bibliothek Sarmenstorf, hat die umtriebige Mutter von fünf Kindern und Grossmutter von acht Enkeln ihre Aufgabe an Bibliothekskollegin Christine Eppisser übergeben. Das jahrzehntelange Engagement Hubers für die Leseratten im Dorf, war dem Gemeinderat ein schönes Abschiedsfest wert.

Helle Lacher, langer Applaus

Die Kolleginnen vom Bibliotheksteam wussten, dass der Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart und der Journalist Urs Heinz Aerni ein gemeinsames Programm hatten, bei dem Witze im Zentrum standen. Genau das Richtige also für einen fröhlichen Abend mit einer Frau, die selber auch nie um eine satte Pointe verlegen ist. Da Aerni schon einige Male mit Annemarie Huber zusammengearbeitet hatte, war es für ihn ganz klar, dass er und Müller-Drossaart an diesem Abend dabei sein würden.

Das Publikum und die Jubilarin dankten den beiden ihren Einsatz mit hellen Lachern und langem Applaus. Sie betitelten ihren Witzeparcours zwar als «Workshop», aber in Tat und Wahrheit jagte ein Witz den nächsten, die einzige Arbeit, welche das Publikum zu verrichten hatte, war, sich die Lachtränen aus den Augen zu wischen. Der Höhepunkt aber war das spontane Gespräch mit Huber am Ende des Programms. Was die belesene und lebenslustige Frau dabei an Anekdoten auftischte, versetzte ihre beiden Interviewpartner glatt in Schnappatmung.

Bibliotheksleiterin Annemarie Huber-Ruepp wurde in Sarmenstorf mit einer Abschiedsfeier überrascht, an der Hanspeter Müller-Drossaart und Urs Heinz Aerni als Gäste auftraten.

Abschied Annemarie Huber-Ruepp

Bibliotheksleiterin Annemarie Huber-Ruepp wurde in Sarmenstorf mit einer Abschiedsfeier überrascht, an der Hanspeter Müller-Drossaart und Urs Heinz Aerni als Gäste auftraten.

Schreibt sie ein Buch?

Man fühlte sich wie früher im Ochsensaal, als auf dessen Bühne der Männerchor noch seine Schwänke spielte. Die Kulisse war jedenfalls genau die, denn der Sarmenstorfer Theatermacher Hans Melliger hat die uralten Stellwände mit dem Waldsujet drauf vor der Verbrennungsanlage bewahrt. «Und jetzt läuft das bei mir wie in der Bibliothek: Man darf sich etwas ausleihen», sagte Melliger beim anschliessenden Apéro mit breitem Grinsen. Die Ochsenkulisse hat viel erlebt und könnte Geschichten erzählen. Annemarie Huber wäre die Frau, die all diese Geschichten aufschreiben könnte, denn sie ist nicht nur eine angefressene Leserin, sie wäre sicher auch eine inspirierte und inspirierende Schreiberin.