Villmergen
Plus 10 Prozent: Bevölkerung in Villmergen wächst massiv

735 Personen sind in den vergangenen zwölf Monaten neu in die Gemeinde gezogen. Dies bringt auch Herausforderungen. Gemeindeammann Ueli Lütolf freut sich dennoch und sagt: «Herzlich Willkommen!»

Dean Fuss
Drucken
Teilen
Villmergens Gemeindeammann Ueli Lütolf (l.) referiert am Neuzuzügertag vor der katholischen Kirche über die Geschichte seiner Gemeinde.

Villmergens Gemeindeammann Ueli Lütolf (l.) referiert am Neuzuzügertag vor der katholischen Kirche über die Geschichte seiner Gemeinde.

Dean Fuss

Für den Neuzuzügertag musste die Gemeinde Villmergen dieses Jahr erstmals zwei Cars organisieren. Bestandteil dieser Begrüssung der Neo-Villmergerinnen und -Villmerger durch die Gemeinde war nämlich auch eine von Gemeindeammann Ueli Lütolf moderierte Sightseeingtour auf vier Rädern. Weil von den 735 Neuzuzügern knapp 100 der Einladung des Gemeinderates folgten, reichte ein Car nicht für alle Teilnehmer.

Zehn Prozent Wachstum

«Villmergen ist attraktiv», sagt Gemeindeammann Lütolf gegenüber der az. Die Gemeinde sei sehr gut gelegen und habe sowohl vor Ort als auch in der Umgebung eine funktionierende Industrie. «Daneben ist natürlich auch der attraktive Steuerfuss nicht zu vergessen.»

Tatsächlich liegt der Steuerfuss mit 92 Prozent rund 15 Prozent unter dem kantonalen Durchschnitt. Zieht man die Einwohnerzahl Villmergens per 31. August des laufenden Jahres von 6685 Einwohnerinnen und Einwohnern zum Vergleich heran, machen die 735 Neuzuzüger über zehn Prozent der gesamten Bevölkerung der Gemeinde aus.

Dass der grosse Ansturm gerade in der vergangenen einjährigen Periode – Stichtag ist jeweils der 10. August – erfolgte, kommt für Lütolf nicht überraschend: «In Villmergen ist in den vergangenen zwei, drei Jahren sehr viel Bauland auf den Markt gebracht worden.» Auch dieser Faktor habe in Bezug auf die grosse Anzahl der Neuzuzüger eine nicht unbedeutende Rolle gespielt.

Vielfältige Gründe für Villmergen

Die Neuzuzüger haben aber auch häufig viel einfachere, praktischere Gründe, die für Villmergen sprechen: «Ich habe von Villmergen einen viel kürzeren Arbeitsweg mit dem öV», sagt Daniel Clausen, der aus Luzern hergezogen ist.

Ähnlich ist es beim jungen Paar Jasmine Zaugg und Stefan Hürzeler: Sie haben für ihre erste gemeinsame Wohnung einen Kompromiss zwischen Dielsdorf und Schafisheim, ihren vorherigen Wohnorten gesucht und mit Villmergen gefunden. «Wir arbeiten beide in Lenzburg, da haben wir einen kurzen Arbeitsweg», sagen sie. Zudem habe Hürzeler Verwandte in Villmergen. Der tiefe Steuerfuss habe für sie keine grosse Rolle gespielt.

Schlicht und einfach Zufall ist es, dass Familie Stämpfli mit ihren drei Kindern von Berikon nach Villmergen umgezogen ist: «Wir haben eine grössere Wohnung gesucht und dann hier ein Haus zur Miete gefunden.»

Neuzuzüger fordern heraus

Die vielen Neuzuzüger machen der Gemeinde zwar Freude, wie Lütolf betont, würden aber auch Herausforderungen schaffen. Eine Folge der offensichtlichen Beliebtheit Villmergens als Wohnort, ist das Projekt «Neubau Schulhaus Mühlematten». Dieses musste im Frühling aufgrund einer massiven Übertretung der Grobkostenschätzung von rund 21 Millionen Franken zwar redimensioniert werden, soll aber bereits im Frühjahr 2017 bezugsbereit sein.

In gut einem Jahr will der Gemeinderat den Baukredit an der Gemeindeversammlung vorbringen – zusammen mit einer Erhöhung des Steuerfusses. «Die Erhöhung ist im Zusammenhang mit dem Projekt unumgänglich», sagt Lütolf.

Dass die Gemeinde auch in den kommenden Jahren einen solchen Zustrom an Neuzuzügern verzeichnen werde, kann sich Lütolf nicht vorstellen. Zu tief sei der Leerstand von Wohnraum in der Gemeinde. Und gemäss der laufenden Zonenplanung sei davon auszugehen, dass nur - wenn überhaupt - nur sehr moderat zusätzliches Bauland eingezont werde.

Trotzdem: «Neuzuzüger sind bei uns sehr willkommen», sagt Lütolf. Diese Aussage unterstrich die Gemeinde mit dem Neuzuzügertag vom Samstag. Nach Kafi und Gipfeli zum Einstieg und einem Apéro zwischendurch wurden die Teilnehmer zum Abschluss mit einer Grillade verwöhnt.

Aktuelle Nachrichten