Im grossen az-Interview hatte sich der Fahrende Venanz Nobel vorsichtig optimistisch zu den Chancen für einen Durchgangsplatz in Merenschwand geäussert. Die politischen Stellungnahmen fallen bisher aber negativ aus.

Nach der SVP Aargau, die sich gegen den Platz beim Kreisel Benzenschwil ausspricht, lehnt nun auch die CVP des Bezirks Muri das Projekt ab.

In ihrer Stellungnahme beantragt die Bezirkspartei, für den geplanten Durchgangsplatz seien Industriebrachen dafür vorzusehen. «So müsste man kein zusätzliches Kulturland verbauen», begründet die Partei.

Bettwil als möglicher Standort?

Allerdings macht die CVP in ihrer Mitteilung keine konkreten Vorschläge, wo ein Durchgangsplatz realisiert werden könnte.

Angesprochen auf mögliche Standorte, sagt Bezirkspräsident und Grossrat Herbert Strebel: «Es ist prinzipiell nicht unsere Aufgabe, hier Vorschläge zu machen. Aber aus meiner Sicht wäre die ehemalige Raketenstellung in Bettwil ein geeigneter Platz.»

Die Idee ist brisant, wollten doch Bund und Kanton vor anderthalb Jahren auf dem Militärgelände eine Asylunterkunft einrichten. Nach heftigen Protesten der lokalen Bevölkerung und negativ verlaufenen baurechtlichen Abklärungen wurde das Projekt schliesslich fallen gelassen.

Wenn es nach Herbert Strebel geht, sollen in der früheren Bloodhound-Stellung nun also Fahrende statt Asylbewerber einen Platz finden? «So könnte die Gemeinde Bettwil ihre Solidarität unter Beweis stellen», erläutert der Murianer.

Der Bettwiler Gemeindeammann und SVP-Grossrat Wolfgang Schibler, der 2011 an vorderster Front gegen die geplante Asylunterkunft in seiner Gemeinde gekämpft hatte, nimmt Strebels Vorschlag verwundert zur Kenntnis.

«Ich kann aber inhaltlich nichts dazu sagen», erklärt Schibler, aus den Ferien in Südafrika, wo ihn die az telefonisch erreichte.

«Briefmarkenzone» befürchtet

Die CVP des Bezirks Muri respektiere grundsätzlich die Schweizer Fahrenden und deren Lebensweise, heisst es in ihrer Mitteilung weiter.

Die Partei fragt sich aber, ob dafür extra ein Richtplankapitel benötigt wird und Spezialzonen ausgeschieden werden müssen.

«Diese Sonderzonen wären zudem im Normalfall nur zugelassen, wenn diese an die Bauzone angrenzt», erläutert die CVP Bezirk Muri. Beim Standort in Merenschwand wäre dies nicht gegeben.

«Die Spezialzone würde als Briefmarkenzone inmitten der Landwirtschaftszone ausgeschieden», kritisiert die Murianer CVP.

Dies sei bundesrechtswidrig und widerspreche dem Raumplanungsgesetz. Bezirkspräsident und Grossrat Herbert Strebel ergänzt: «Wenn ein Bauer auf diesem Landstück bauen möchte, würde das niemals bewilligt.»

Aus Sicht der CVP geht es nicht an, «dass bestes Kulturland überbaut wird, um einer Minderheit, die ihr Leben selbst so gewählt hat, einen schönen Standort mit Infrastruktur auf Staatskosten zu ermöglichen».

Zudem wäre der Standort ja nur ein Durchgangsplatz und würde nicht das ganze Jahr über genutzt.

Regierung gegen Industriebrachen

Deshalb bieten sich aus Sicht der CVP «bestehende Industriebrachen geradezu an».

Die Partei nennt zwei Vorteile dieser Lösung: «Industriebrachen liegen meist an unproblematischen Orten, wo mit keinen Konflikten zu rechnen ist.

Zudem müssten keine Fruchtfolgeflächen überbaut werden und eine ungenutzte Brache könnte zumindest vorübergehend genutzt werden.»

Die CVP des Bezirks Muri fordert den Kanton daher auf, diese Variante eingehend zu prüfen. «Im Gespräch ist meines Wissens auch das Ziegelei-Areal in Muri», nennt Herbert Strebel einen weiteren möglichen Standort.

Das Anliegen der CVP dürfte es in Aarau aber schwer haben. Auf eine Interpellation der Grossratsmitglieder Milly Stöckli und Benjamin Brander (beide SVP, Muri) antwortete der Regierungsrat, Industriebrachen seien als Durchgangsplätze für Fahrende nicht optimal.

Die Flächen könnten für Spontanhalte dienen, sollten sonst aber mit «hoher wirtschaftlicher Wertschöpfung» genutzt werden.