Bremgarten

«Platanen sind hässlich und artenfremd»: Anwohner fordern Linden auf dem Kornhausplatz

Heute stehen auf dem Kornhausplatz noch eine Birke (links) und eine Esche. Die sollen künftig vier nicht einheimischen Platanen weichen.

Heute stehen auf dem Kornhausplatz noch eine Birke (links) und eine Esche. Die sollen künftig vier nicht einheimischen Platanen weichen.

Auf dem Kornhausplatz sollen vier Platanen gepflanzt werden – dies zum Ärger mehrerer Anwohner. Sie reichten die Einwendung «Wir wollen Linden auf dem Kornhausplatz» beim Stadtrat ein, unterstützt von 130 Mitunterzeichneten.

Silvano De Matteis führt das Fotostudio Cafferino am Kornhausplatz. Das Haus, in dem er sowohl wohnt als auch arbeitet, gehört ihm. Er hat an diesem idyllischen Platz in Bremgartens Unterstadt genauso Wurzeln geschlagen wie die Birke und die Esche, die da aus der Wackenpflästerung ragen. «Am Eingang des Platzes stand früher auch einmal eine mächtige Linde», erinnert sich De Matteis, «aber die war von einem hoch giftigen Pilz befallen und musste gefällt werden.»

Auch die Tage der Birke und der Esche dürften gezählt sein, denn die Stadt hat vor drei Wochen mit den umfassenden Sanierungsarbeiten in der Unterstadt begonnen, zu denen die Einwohner Bremgartens an ihrer Sommergemeindeversammlung 2018 eindeutig Ja gesagt hatten.

Widerstand in vier Bereichen

Dass die Infrastrukturanlagen unter der Erde, also die Trink- und Abwasserleitungen, Elektro- sowie Kommunikationsleitungen, dringend saniert werden müssen, stand für die Stimmberechtigten ausser Frage. Ebenso der Anschluss an das Fernwärmenetz Bremgarten West.

Viele Hausbesitzer in der Unterstadt haben das Angebot angenommen, ihre Liegenschaften im Rahmen der Grabarbeiten vor Ort auch gleich mit neuen Anschlüssen respektive Leitungen versehen zu lassen. Auf mehr Widerstand stiessen allerdings die Pläne der Stadtverwaltung in Bezug auf die Strassenraumgestaltung über den neuen Leitungen.

Die ersten, die ihr Veto einlegten, waren einige Gewerbetreibende, die den Verlust von Parkplätzen in der Unterstadt monierten (die AZ berichtete). «Es gab auch noch zu anderen Themen Einwendungen», bestätigt Stefano Righetti, Bereichsleiter Tiefbau der Stadt Bremgarten. «Neben der Parkplatzfrage gab es auch Einwendungen zu den Unterflurcontainern und zu den Oberflächen, wegen der Lärmemissionen und der Pflästerung. Ein weiteres Thema waren dann auch noch die Bäume.»

Der Stadtrat, vertreten durch Daniel Sommerhalder, hat sich bemüht, die diversen Einwendungen ganz offen und im direkten Austausch mit den Beschwerdeführern zu bearbeiten. «Unser oberstes Credo hiess dabei: Kompromisse finden», erklärt Sommerhalder. «In den meisten Fällen ist uns das auch gelungen.» Was die Baumbepflanzung auf dem Kornhausplatz anbelangt, da ist der Kompromiss allerdings nicht geglückt.

Als Silvano De Matteis erfuhr, dass die Planung vorsah, vier Platanen auf den Platz zu pflanzen, ergriff er die Initiative. Er reichte seine Einwendung «Wir wollen Linden auf dem Kornhausplatz» beim Stadtrat ein, unterstützt von 130 Mitunterzeichneten. «In der Zwischenzeit haben noch viel mehr unterschrieben», freut sich De Matteis.

«Auf diesen Platz gehören Linden. Das sind einheimische Bäume, die unserer Kultur und Wesensart entsprechen. Platanen sind nicht nur hässlich und artenfremd, sie nützen auch der Tierwelt nichts. In Linden aber nisten verschiedene Vogelarten, sie sind gut für Insekten, und wir Menschen können aus ihren Blüten Tee machen oder Salat aus den jungen Blättern.»

Kein Weiterzug vor Gericht

Der Lindenbaum, so De Matteis, sei Schweizer Kulturgut. Unter Linden habe man sich versammelt, gerichtet, gefestet und getanzt. «So wie es unser Quartier hier am 23. Juni bei unserem öffentlichen Picknick wieder tut. Dazu sind alle herzlich eingeladen.» Auch die Mitglieder des Stadtrates, die zwar die Einwendung aus der Unterstadt abschlägig beurteilt haben, gegen die De Matteis aber nicht vor die nächste Instanz ziehen will.

«Die Linde ist der Baum des Friedens», sagt er mit vielsagendem Lächeln, er wolle deswegen nicht in Streit geraten. Bis zur Begrünung des Kornhausplatzes vergeht ja auch noch etwas Zeit. Die vier Teilbewilligungen für die oberirdischen Arbeiten hat der Stadtrat zwar erteilt, aber die gesamte Sanierung dauert noch bis November 2020.

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Autor

Christian Breitschmid

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