Open Air

Plastikgeld an Open Airs kommt im Aargau noch nicht gut an

Das Open Air St. Gallen führt das bargeldlose Bezahlungssystem mit einem Chip ein. Für das Wohler «Touch the Air» ist das Cashless-Payment-System kein Thema. Dies hat seine Gründe. Und auch das «Heitere» wird den Chip nicht einführen.

Wer am Open Air St. Gallen noch ein Bier will, wird dafür keinen Fünflieber auf die Theke klopfen müssenm, dies berichtet 20 Minuten. Die Bezahlung geschieht am Handgelenk, mit einem integrierten Chip im Eintrittsbändel. Das System sei «schnell, flexibel und sicher», titeln die St. Galler Open Air Organisatoren.

Ferris Bühler sieht das anders: «Das System hat seine Ecken und Kanten», sagt der Mediensprecher des Open Airs «Touch the Air» in Wohlen. Das «Touch the Air» findet dieses Jahr unter dem Namen «Touch the Lake» am 5.-7. Juli im Rahmen des «Züri Fäscht» statt.

Der Grundgedanke, das man sein Portemonnaie zu Hause lassen könne, sei zwar sinnvoll, um einer bösen Überraschung durch unbemerkte Langfinger vorzubeugen. Allerdings habe das Cashless-Payment-System laut Bühler schon einige Fehlversuche hinter sich. Da Festivalbesucher zu Hause vor dem Computer oft nicht genügend Geld auf den Chip laden (Bühler: «Es ist ja neu, man traut dem System noch nicht»), müssten sie auf dem Festgelände an mobilen Nachladestationen ihren Kredit aufbessern. Und hier liegt das Problem, denn dazu benötigt man den Geldbeutel trotzdem. Der bargeldlose Festivalbesuch sei also meist eher Utopie als Realität.

Ausserdem, so Bühler, hätten die Festivalbesucher mit dem Cashless-Payment-System ihre Ausgaben weniger unter Kontrolle, als wenn Noten und Münzen vor ihren Augen den Besitzer wechseln.

In eigebetteten Facebook-Kommentaren auf dem Portal des Open Airs St. Gallen machen derweil User ihrem Unmut Luft («eine bodenlose Frechheit», «So geht die Freiheit zugrunde.») oder sorgen sich um ihren Alkoholkonsum: «Wenn ich an der Bar zehn Cuba Libre bestelle und leider nicht mehr genug Guthaben habe, bekomme ich die Getränke trotzdem? Falls ja, fände ich es fair.»

Noch kein Thema für «Heitere»

«Wir haben noch zu wenig Infos über die Stärken und Schwächen, sowie über den Erst- und den laufenden Aufwand des bargeldlosen Zahlungssystems an Open Airs», sagt Christoph Bill, Organisator und Festivalleiter des Heitere Open Air in Zofingen. «Darum ist eine Umstellung für uns momentan noch kein Thema.»

Ganz anders in St. Gallen und Bern. Dort planen die Verantwortlichen die Einführung des bargeldlosen Zahlungssystems für dieses Jahr. Die Organisatoren in der Ostschweiz testeten den Zahlungsverkehr mit dem Chip 2012 im Backstagebereich. «Der Pilotversuch ist erfolgreich verlaufen», sagt Sabine Bianchi, die Mediensprecherin des Open Airs St. Gallen. Weil das System aber noch ein paar «Kinderkrankheiten» hatte, wurde ein Teil der Lesegeräte ausgetauscht. «Neu wird in jedem Bändel ein Chip integriert», sagt Sabine Bianchi weiter. «Mit diesem kann auf dem ganzen Gelände bargeldlos bezahlt werden.» Aufgeladen wird der Chip an Ladestationen am Open Air oder im Voraus per Internet. Das verbliebene Guthaben nach dem Festival kann zurückgefordert werden.

Auch die Organisatoren des Gurten Festivals ziehen das System des bargeldlosen Zahlens in Betracht. Grundsätzlich sei man nach dem geglückten Pilotversuch im letzten Jahr interessiert das System einzuführen, heisst es vonseiten der Berner. In den kommenden Wochen werde das OK entscheiden, ob die Umsetzung bereits in diesem Jahr erfolge.

Nicht abgeneigt, aber ...

Die Zofinger Organisatoren sind nicht partout gegen die Einführung eines bargeldlosen Zahlungsverkehrs an ihrem Festival. «Es hat auch Vorteile», ist Christoph Bill überzeugt. «Es gibt eine bessere Kontrolle des Bargeldflusses und die Abläufe an den Ständen werden vereinfacht.» Er bezweifelt aber, dass die Leute mehr konsumieren, nur weil der Zahlungsverkehr bargeldlos verläuft. «Letztendlich ist es wie Bargeld, wer den Chip nicht auflädt, kann auch nichts konsumieren.» Man werde die Einführung des Systems in St. Gallen und in Bern beobachten und sich mit den Verantwortlichen austauschen, sagt Christoph Bill weiter.

Die Veranstalter in St. Gallen und Bern sind zwar Vorreiter in der Schweiz, im Ausland gibt es aber bereits mehrere Veranstalter, die auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr setzen. So zum Beispiel das Festival im ungarischen Sziget, das mit rund 400000 Besuchern zu den grössten in Europa zählt. Auch immer mehr Fussballclubs in der deutschen Bundesliga zählen auf das sogenannte Cashless-Payment-System. «Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht», sagt ein Pressesprecher des FC Bayern München. «Das Publikum hat sich schnell an das neue System gewöhnt und schätzt die Sicherheit.»

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