Villmergen

Pilzkontrolleur mit vielen Ideen: «Ich gehe zu den Sammlern vor Ort»

2017 ist ein gutes Pilzjahr_ Franco Del Popolo zeigt einige bekannte Pilze, die er gerade gefunden hat.

2017 ist ein gutes Pilzjahr_ Franco Del Popolo zeigt einige bekannte Pilze, die er gerade gefunden hat.

Der Villmerger Franco Del Popolo hat die Prüfung zum Pilzkontrolleur bestanden und hat neue Ideen.

Steinpilz, Eierschwamm und Co. wachsen diesen Herbst in grosser Zahl: 2017 ist ein gutes Pilzjahr. Doch bevor die Pilze in der Pfanne schmoren, bedarf es eines wichtigen Punktes: die Pilzkontrolle. Die Pilzkunde oder Mykologie im Fachjargon, ist eine äusserst anspruchsvolle Disziplin: Nur 3 % oder 150 der etwa 5000 hierzulande bekannten Arten können gegessen werden. Aber lediglich 1 % aller Pilze, etwa 50 Arten, sind gute Speisepilze. Und genau so wenige sind wirklich giftig; die meisten Pilze sind ganz einfach nicht geniessbar.

Strenge Prüfung

Ob Schirmling, Täubling, Röhrling, Tintling oder wie sie alle heissen, der 47-jährige Franco Del Popolo aus Villmergen kennt sie alle. Er hat soeben die strenge Pilzkontrolleurprüfung bestanden. «Prüfungsort in der Schweiz ist Landquart. Die Prüfung dauerte sechs Tage und erwies sich als sehr grosse Herausforderung für alle 24 Absolventinnen und Absolventen. Aus dem Kanton Aargau nahmen wir zu dritt an der Prüfung teil. Schriftliche Giftpilzprüfung, Gesetzgebung, Mykologie und Toxikologie, Pilzartenerkennung und Kontrolltechnik waren die Prüfungsfächer.»

Um sich auf die Prüfung vorzubereiten, hat er sich unter anderem in ein Dutzend Fachbücher vertieft. «Das Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren. Bereits als Kind war das Pilzsuchen eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen. Tausende Stunden habe ich mich bisher mit Pilzen auseinandergesetzt – der Aufwand bis zur Prüfung war immens. Bei meinem Selbststudium wurde ich von Roland Vock, Pilzkontrolleur aus Niederwil, Pilzkontrolleur Peter Altherr vom Pilzverein Oberkulm, dem Forstamt Rietenberg und dem Hägglinger Forstwart unterstützt.»

Pilzsammlern etwas beibringen

«Ich habe festgestellt, dass die meisten Leute keine Ahnung von Pilzen haben. Das ist einer der Gründe, weshalb ich die Prüfung absolviert habe. Ich möchte den Pilzsammlern etwas beibringen, ihnen sagen, worauf sie achten müssen. Sie sollen nur Pilze nehmen, die sie für gut halten, und nur so viele, wie sie essen wollen. Die Pilze dreht man aus dem Boden heraus und schneidet sie nicht ab. Gesammelt werden sie in einem luftdurchlässigen Korb, keinesfalls in Plastikgefässen. Für die Kontrolle werden die ganzen Pilze benötigt, nicht einzelne Hüte oder Stiele.» Ein aktuelles, abschreckendes Beispiel: «Diese Woche stiess ich im Wald auf eine Familie beim Pilzesammeln: Die gefundenen Pilze hatten sie in einem Plastikmilchkesseli bei sich, und unter dem Sammelgut befand sich ein Nadelholz-Häubling, den sie mit einem alten Hallimasch verwechselt haben. Somit war der gesamte Fund kontaminiert und musste entsorgt werden.»

Noch etwas hat ihn bewogen, Pilzexperte zu werden: «Es gibt immer weniger Kontrolleure, aber immer mehr Sammler. Auch in Villmergen gibt es keine Pilzkontrolle mehr. Wir müssen nach Hägglingen oder Mosen. Vor Jahren wurde auch der Villmerger Pilzverein aufgelöst.»

«Ich gehe zu den Pilzsammlern»

Del Popolo ist voller Ideen: «Es ist üblich, dass man mit den gefundenen Pilzen den Kontrolleur aufsucht. Ich würde das umkehren und selber zu den Leuten gehen. Ich wäre der Einzige, der das anbietet.» Weiter fällt ihm ein: «Es gibt Wirte, die von Hobbysammlern Pilze bekommen oder selber suchen. Auch solche Pilze müssen kontrolliert werden. Ich wäre bereit, bei Wirten die Pilze vor Ort im Restaurant zu kontrollieren.» Zudem würde er gerne Kurse für Schulklassen organisieren.

Auch Zusammenhalt und Kontakt unter Pilzfreunden möchte der frischgebackene Pilzkontrolleur neu aufgleisen. «Ich wäre deshalb froh, wenn jemand einen Raum zur Verfügung stellen würde mit einem Tisch, ein paar Stühlen und einem kleinen Kühlschrank. Pilzliebhaber könnten sich dort austauschen. Dafür bräuchte es keine Vereinsgründung, es würde bei einem losen Treff bleiben – ohne Statuten, ohne Verpflichtungen, nur auf Basis einer Interessengemeinschaft Pilz.»

Interessenten können sich bei Franco Del Popolo unter 079 816 40 07 melden.

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