Im Klassenzimmer von Bezirksschullehrerin Carmen Elsener ist ein Spezialkurs im Gang. Eine Klasse frischgebackener Realschüler übt spielerisch verschiedene Lerntechniken.

Die zwölfjährige Valeria gibt Auskunft: «Wir mussten uns sechzehn Wörter in drei Minuten merken. Wer noch am meisten davon wusste, gewann eine Schoggi.» Die Lehrerin unterrichtet in der dritten Schulwoche sechs verschiedene Klassen aller Abteilungen und lernt so sämtliche am Pilotprojekt beteiligten Siebtklässler kennen. Eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe.

«Wir erarbeiten einen Lernplan, machen Konzentrations- und Entspannungsübungen und lernen, wie man sich am besten auf Prüfungen vorbereitet», erklärt Carmen Elsener.

Nebenan erteilt der Sekundarlehrer Reto Eichenberger einer Bezirksschulklasse Informatikunterricht. Auch er wiederholt denselben Kurs sechsmal. «Wir lernen die Basisanwendungen von Word und PowerPoint kennen, sodass alle Schüler fähig sind, mithilfe dieser Programme Vorträge zu gestalten», sagt er.

Früher hat nur die Bezirksschule einen solchen Kurs zu Beginn der Oberstufe durchgeführt. Nun kommen alle Neulinge in den Genuss dieser Weiterbildung.

Gegenseitige Unterstützung

Sekundarlehrer unterrichten Bezirksschüler, Real- und Sekundarschulklassen unternehmen gemeinsam Ausflüge, sämtliche Schulräume und -häuser werden von allen Jugendlichen benutzt, die stufenübergreifende Zusammenarbeit soll künftig Schule machen.

Mindestens ein gemeinsames Projekt pro Quartal ist geplant. Während der Pilotphase ist die Teilnahme für die Klassenlehrer freiwillig. Bis auf einen sind jedoch alle dabei. «Wir erhoffen uns beispielsweise, frühzeitig zu erkennen, wenn ein Schüler falsch eingestuft ist», erklärt Sekundarlehrer Andreas Stücheli, Leiter des Pilotprojekts.

«Je früher ein Stufenwechsel erfolgt, desto besser für den Betroffenen. Ausserdem lassen sich Synergien nutzen, wir können uns gegenseitig unterstützen und inspirieren.» Mit der Auflösung der Grenzen zwischen den Abteilungen reduziert sich auch das Schubladendenken, der Standesdünkel. «Die Realschüler fühlen sich nicht mehr deponiert oder abgehängt, sondern können am selben Programm teilnehmen wie ihre Bez- oder Sekkollegen.»

Endziel Niveauunterricht

Langfristig könnte sich daraus sogar die Umstellung auf den Niveauunterricht entwickeln, wie er sich etwa an den Sekundarschulen des Kantons Luzern etabliert hat. Ein sprachbegabter Realschüler könnte dann den Englischunterricht der Sekundarstufe besuchen oder ein Mathe-Ass aus der Sek die Lektionen der Bezirksschule. «Noch ist dieses System nicht vom Kanton vorgesehen», so Stücheli.

Aber Versuche in diese Richtung seien im Rahmen der Jahrgangsteamarbeit vorgesehen. «Wir möchten gemeinsame Lernprojekte oder Projektwochen durchführen.» Vor allem stundenplan- und führungstechnisch wird dies eine ziemliche Herausforderung für die Lehrpersonen bedeuten. «Eventuell werden wir für einzelne Projekte auch Fachleute einbeziehen.»

Fix geplant ist bereits der Besuch der Berufsschau in Wettingen Anfang September. Auch die Teilnahme am Sinser Fasnachtsumzug steht als Gemeinschaftsprojekt zur Diskussion. «Als Fernziel haben wir ein gemeinsames Lager mit allen sechs Klassen ins Auge gefasst», verrät Stücheli. Es liegt noch viel Planungsarbeit vor den engagierten Lehrpersonen. Ein reger Erfahrungsaustausch zwischen ihnen findet bereits jetzt wöchentlich statt. «Es ist ein Pilotprojekt, das wir frei gestalten und prägen können. Das ist auch sehr interessant für uns.»