Sie spielen nicht nur Trompete, Klarinette oder Saxofon – das Instrumentarium der von Karl Herzog geleiteten Jugendmusik Muri umfasst auch Cellos, Fagott, Waldhorn und Timpani. Entsprechend speziell ist denn auch der Klang des knapp 20-köpfigen Orchesters.

Was weiter auffällt, ist die sorgfältig ausgesuchte Literatur. Nicht aktuelle, mit Mühe und Not auf Blasmusik getrimmte Gassenhauer wie so oft an vergleichbaren Konzerten, sondern Kompositionen, die der Instrumentierung und dem Können der Formation durchwegs auf den Leib geschnitten scheinen. Entsprechend ist der Klang. Der Zuhörer hat über die ganze Dauer des Konzertes hinweg nie das Gefühl, es würde da oder dort eine Stimme fehlen.

Das Jugendspiel konzertiert in der Mitte des Murianer Festsaals, was akustisch recht hohe Anforderungen stellt. Dirigent Herzog hat das schon nach wenigen Takten im Griff; die Band wirkt kompakt, die Töne verlieren sich nicht im grossen Raum.

Begeisterung und Musikalität

Das erste Stück ist König Tutanchamun, dem jüngsten aller Pharaonen gewidmet. Man merkt, dass der Dirigent seine jungen Musikantinnen und Musikanten fordert und sehr viel Disziplin verlangt. Anderseits lässt er ihnen aber auch den nötigen Raum, ihre Begeisterung in Musikalität umzusetzen. Das Publikum spürt es und ist sofort von dem gefangen, was auf der Bühne abgeht.

Obwohl das anfänglich noch nicht ganz perfekt ist. Einsätze kommen verschiedentlich etwas zögernd und die Stimmung ist – vor allem bei Klarinetten und Flöten – noch nicht rein. Es wird von Stück zu Stück besser. «Hope Springs Eternal», eine Komposition, die um den bekannten Choral «It is well with my soul» herumgebaut ist, bringt eine erste merkliche Steigerung, «Voyage to the Edge of the World», ein Melodienreigen über die grossen Entdecker, die nächste.

Mit der «Southern Folk Rhapsody» zeigt die Band über alle Register, was sie drauf hat. Auch die rhythmisch und technisch anspruchsvollsten Phasen werden mit scheinbarer Lockerheit gemeistert.

Publikum von den Sitzen geholt

Mit hervorragend intonierten, bekannten Gospel-Songs wie «Swing Low, Sweet Chariot» oder «Ev’ry Time i feel the Spirit» reissen die jungen Musikantinnen und Musikanten das Publikum im wahrsten Sinn des Wortes von den Sitzen. Die Begeisterung ist total, der Applaus nach dem letzten Stück vor der angesagten Pause will kaum enden.

Wer angesichts der bisherigen Leistung im Glauben war, es sei keine Steigerung mehr möglich, sieht sich im zweiten Teil rasch eines besseren belehrt. «Over the Stone», ein Medley über zwei keltische Volksweisen, «Hadrian’s Wall», ein sehr anspruchsvolles Werk in Erinnerung an Kaiser Hadrian und «Legend oft Pirates Cove» – trotz gelegentlichen Stimmungsschwankungen oder nicht ganz perfekten Einsätzen begeistert das junge Orchester Stück um Stück (noch) mehr.

Vor dem obligaten «Dessert» dann die Glanznummer mit «Kickin up Country». Schlichtweg traumhaft, was Dirigent und Orchester in diesem Medley mit unvergänglichen Hits wie «Cluck Old Hen», «Arkansas Traveler» und – vor allem – «Cotton-Eyed Joe» anstellen. Es ist Musik, die nicht aus den Noten kommt, sondern aus den Herzen. Man hätte noch stundenlang zugehört.