Schon der Beginn des Konzertes hatte es in sich. Als die rund 50 Bläser und Bläserinnen beim Einspielen ihrer Instrumente an ihren Pulten sassen, trat plötzlich der musikalische Leiter Niki Wüthrich ans Dirigentenpult und eröffnete den ersten Konzertteil ohne Unterbruch. Eine originelle und gut einstudierte Eröffnung, denn die erste Programmnummer «Welcome to the Imagination World» wurde gleich zum Höhepunkt des Abends.

Bläser sangen stellenweise

Durch das Programm führte Willy Beutler, wohltuend kurz, informativ und humorvoll. Die «Saga candida» ist in der Art einer Orchestersuite angelegt, die der Komponist Bert Appermont auf der musikalischen Vorlage seines Open-Air-Musicals «Die Saat des Teufels» neu orchestriert hat. Hier erlebten die Musikfreunde – das Casino war, bis auf wenige Plätze, sehr gut besetzt – eine klangmalerische Komposition mit vielen abwechslungsreichen Stimmungen.

Ganz in der Art einer symphonischen Dichtung. Die Stadtmusik war bei bester Spiellaune, aber ebenso konzentriert. Leicht zu spielen ist dieses konzertante Stück nicht, viele Rhythmuswechsel und kurze, dynamisch unterschiedlich gesetzte Passagen machen den Reiz dieses Werkes aus. Einige Bläser mussten stellenweise gar singen. Dirigent Niki Wüthrich strahlte eine Sicherheit aus, die wohl auch auf seine Musiker abfärbte. Er dirigierte recht gestenreich, aber ohne Allüren oder gar einem Hang zur Selbstdarstellung.

Die choralhafte Melodik im Finale dieser Komposition gelang sehr schön und sinnlich. Die Stadtmusik war auf allen Registern gut besetzt, der Ausgleich zwischen Holz- und Blechblasinstrumenten kam überzeugend daher, die Perkussionisten gefielen durch ihre Präzision.

Musical-Arrangements begeisterten

«Phantasia» war das Motto des Konzertabends – dabei wurden musikalische Querschnitte aus bekannten Musicals zum Besten gegeben. «Symphonique Dances from Fiddler on the Roof» bot einzelnen Musikern die Gelegenheit, sich solistisch zu betätigen, und da gefiel vor allem die schöne Artikulation bei einzelnen Holzbläserinnen.

Gerade sehr anspruchsvoll ist dieses Werk ja nicht, aber nach dem musikalischen Feuerwerk von «Saga candida» an der richtigen Stelle auf dem Programmzettel. Im zweiten Teil des Konzertabends wurde es immer unterhaltsamer. «La Storia» des populären niederländischen Blasmusik-Komponisten Jacob de Haan verleitete zum Träumen. Dirigent Niki Wüthrich verstand es, die Spannung hochzuhalten, sodass die langen Phrasen als grosse und verdichtete Bögen erklangen – eine reife Leistung der Stadtmusik.

Szenenapplaus erhielt der Dirigent in der nachfolgenden Programmnummer, einem Arrangement bekannter Melodien aus dem Musical «Mary Poppins». Niki Wüthrich verliess das Dirigentenpult, um mit der Perkussionistin Deborah Hauser ein Tänzchen auf die Bühne zu legen. Mit «Batmann» und «Suite from Miss Saigon» standen zwei weitere Musical-Arrangements auf dem Programm. Bei der Interpretation der Suite, dem letzten offiziellen Stück, fiel das schön artikulierte Saxaphon-Solo auf. Es lag auf der Hand, dass weitere Dreingaben nötig wurden; das Publikum applaudierte frenetisch und bedankte sich für das gelungene Konzert.

Erfolg am kantonalen Musiktag

Wie Präsident Roger Russenberger mitteilte, hat die Stadtmusik ein intensives Jahr hinter sich, mit einem herausragenden Sieg in der Kategorie «1. Klasse Harmonie» am kantonalen Musiktag in Aarburg.

An diesem Verein wird der Freund anspruchsvoller Blasmusik auch in Zukunft nicht vorbeikommen können. Denn die Stadtmusik ist, um diesen Ausdruck aus der Welt des Sports zu bemühen, gut aufgestellt. Auffallend und wohltuend auch die vielen jungen Aktiven, dazu erweist sich das Engagement von Niki Wüthrich als echten Glücksfall. Seine Begeisterung färbt ab, die Stadtmusik wirkt frisch und hungrig, bereit, zu neuen Ufern aufzubrechen.