Die Menschen gehen sehr alt und sehr spät ins Pflegeheim. Oft werden sie erst in ihren letzten Tagen vom Spital in ein Pflegeheim verlegt. Das hat Auswirkungen auf die Pflegi, wie Direktor Thomas Wernli an der Generalversammlung des Vereins Pflegimuri ausführte. Die Institution und damit natürlich das Pflegeteam sind häufiger mit dem Sterben konfrontiert. «Eine Beziehung zu einer Bewohnerin oder einem Bewohner aufzubauen ist wegen kürzerer Verweildauern schwieriger geworden, die Begleitung im Sterben hat an Gewicht gewonnen», fasst Wernli zusammen. Und stellt fest: «Wir haben eine sehr gute Sterbebegleitung, weil wir Erfahrung haben.» Gegenwärtig wird in der Pflegi ein Palliativ-Care-Konzept erarbeitet. Angehörige sollen, wenn möglich, stark in die letzte Lebensphase miteinbezogen werden.

Freitodbegleitung möglich

«Wir wollen kein Sterbehospiz werden und setzen den Schwerpunkt aufs Leben», unterstreicht Wernli. Aber in einem Pflegeheim, das Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur ganz oben ansiedelt, sondern fördert, muss auch die Selbstbestimmung des Todes seinen Platz haben dürfen. «Wir setzten uns intensiv mit dem Thema Freitodbegleitung auseinander und sind zum Schluss gekommen, diese mit Exit, einer anerkannten, verantwortungsvoll und sorgsam handelnden Organisation zu ermöglichen.» Bereits ist es in der Pflegi Muri zu zwei solchen Freitodbegleitungen gekommen. «Das ist sehr anspruchsvoll für unser Team, aber es wächst auch daran.»

Neue Impulse

Die Pflegi Muri will mit neuen Aktivitäten nicht nur Barrieren zwischen Institution und Öffentlichkeit abbauen, sondern auch den Bewohnerinnen und Bewohnern neuen Impulse vermitteln. Erfolgreich gestartet ist «Musig im Pflegidach» von Stephan Diethelm, wie Wernli feststellte. Ein spannendes Projekt war, mit Demenzkranken das Kunsthaus Aarau aufzusuchen und sie anzuregen, zu einem Kunstwerk ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Die Künstlerin Andrina Jörg sorgt in diesem Sommer für «Irritationen im Pflegi-Garten». Weitere Aktivitäten sollen den Menschen in der Pflegi die Möglichkeit geben, sich auf Neues einzulassen.

Auf Neues lässt sich Thomas Räber, Präsident der Baukommission, ein: Am Standort des heutigen Ökonomiegebäudes entsteht ein Neubau mit 46 Einerzimmer und vier Zweierzimmer. Noch dieses Jahr soll die Baueingabe erfolgen, der Baubeginn ist mit Juli 2016 terminiert. Ende 2017/Anfang 2018 ist der Bezug des neuen Gebäudes, das auch wieder die Wäscherei und die bestehende Infrastruktur im Untergeschoss beinhaltet, vorgesehen. «Das neue Gebäude wird sich schön in die gesamte Klosteranlage einfügen», verspricht Räber.

Mehr Komfort

«Mit dem Neubau steigt die Anzahl Betten in der Pflegi nicht, wohl aber der Komfort», führt Präsident Franz Hold aus. Mit den Einzelzimmern entspreche die Pflegi einem zunehmenden Bedürfnis. Eine Renovation des bestehenden Gebäudes hätte nur hohe Kosten verursacht, ohne aber das zu erbringen, was die Pflegi brauche. Wichtig bleibt für Hold die weitere Öffnung der Pflegi. Insbesondere will er den Pflegi-Park noch stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen. «Er ist sehr schön und bietet sich für allerlei Nutzungen an.»

Finanziell ist die Pflegi gut aufgestellt, wie Christoph Käppeli belegt. Der Verein erwirtschaftete 2015 einen Gewinn von 2000 Franken, der Betrieb einen solchen von 49 000 Franken – bei einem budgetierten Defizit und einem Verlust von 226 000 Franken im Vorjahr. Allerdings macht Käppeli klar, dass 2015 schwieriger wird. «Das Jahr hat verhalten angefangen, die Auslastung war unter Budget, erholt sich aber jetzt glücklicherweise rasch.»