Wohlen
Pflegezentrum Bifang: Eine erfolgreiche Ära geht zu Ende

Bifang-Heimleiter Robert Werder und seine Ehefrau Trudy treten Ende März in den Ruhestand. Unter der Maxime «Pflege mit den Händen in den Hosentaschen» begegneten sie den Bewohnern stets auf Augenhöhe. Nun wird ein anderer die Leitung übernehmen.

Jörg Baumann
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Das Heimleiterpaar Trudy und Robert Werder mit den beiden Bifang-Bewohnerinnen Theres Stutz (links) und Elsi Huber.

Das Heimleiterpaar Trudy und Robert Werder mit den beiden Bifang-Bewohnerinnen Theres Stutz (links) und Elsi Huber.

Jörg Baumann

Ende März geht für Robert und Trudy Werder-Koch die gemeinsame Zeit im Wohn- und Pflegezentrum Bifang in Wohlen zu Ende. Der Leiter und die Bereichsleiterin Aktivierung treten in den Ruhestand. Der neue Geschäftsleiter Marcel Lanz übernimmt Robert Werders Posten.

Viele Gemeinsamkeiten

Es sind mehrere Gemeinsamkeiten, die Robert und Trudy Werder verbinden: Sie besuchten beide das KV in Wohlen und stiegen nachher in einen Pflegeberuf ein – er als Psychiatriepfleger und Berufsschullehrer an der Schule für Gesundheit und Soziales in Aarau, sie als Pflegefachfrau am Kantonsspital Luzern, am Bezirksspital Brugg und zuletzt im Altersheim Lindenpark in Windisch, wo sie vor dem Stellenantritt im Bifang die Praxiserfahrung für die Arbeit mit betagten Menschen holte. Beide sind zudem Freiämter, Robert Werder ein Boswiler, seine Ehefrau Trudy eine Büttikerin. Und beide wuchsen in Bauernfamilien auf.

«Im Stenografieunterricht im KV Wohlen haben wir uns kennen gelernt und verliebt», berichtet Robert Werder. «Dabei waren wir beide schlechte Stenoschüler», erinnert sich Trudy Werder. Damals dachten sie nicht im Ernst daran, einmal in einem Wohn- und Pflegezentrum zu arbeiten. Robert Werder zog es vielmehr nach dem Abschluss auf der Suche nach dem Sinn des Lebens in ferne Länder, wo er für Hilfsprojekte in Spitälern und Leprastationen arbeitete. Nachdem sie ihre Stellen im Bifang angetreten hatten, meldete sich ihr ehemaliger KV-Rektor Eugen J. Bischof und schickte ihnen eine hymnische Glückwunschkarte. «Wir haben die Karte aufbewahrt», sagt Robert Werder und liest sie vor.

Unterstützen, wo es nötig ist

Im Bifang wollten sie den betagten Menschen von Anfang an «auf Augenhöhe» begegnen, um einen strapazierten Begriff zu verwenden. «Das hiess für uns, dass wir dafür sorgen wollten, die noch vorhandenen Fähigkeiten der uns anvertrauten Mitmenschen zu erhalten oder sogar zu fördern», erklären sie. Die Maximen der aktivierenden Pflege waren im Bifang wichtig. Robert Werder bringt das Stichwort auf: «Pflege mit den Händen in den Hosentaschen.» Man könnte den Leitsatz missverstehen, wenn man davon ausgehe, dass das Pflegepersonal tatsächlich «mit den Händen in den Hosentaschen» zuschaue, meint Werder.
Aber wer die Bewohner in einem Wohn- und Pflegezentrum tatsächlich fördern wolle, der müsse die betagten Menschen in ihren täglichen Verrichtungen anleiten und nur dort unterstützend eingreifen, wo es nicht anders gehe. «Bewusst hielten wir deshalb die Angebote in der Aktivierung immer hoch. Ich bin glücklich, dass ich mithelfen konnte, diesen Bereich aufzubauen», sagt Trudy Werder. «Wer bei uns einen Jass klopfen, filzen, kreativ gestalten, spielen, schauspielern, sich körperlich und geistig bewegen, zur Messe gehen oder im Chor singen will, der darf das gerne tun. Es sind alles freiwillige Angebote.»

Das Bifang ist für Robert Werder eine Wohnform auf kleinem Raum, «in der Rückzug und Gemeinschaft gewährt sind». Eine Wohnform auch, in der die Angehörigen und die freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielen. Denn nur dann, wenn man diese Gruppen in die Mitverantwortung für die betagten Menschen einbeziehe, könne ein Heim seine Mission erfolgreich erfüllen, betonen die beiden. «Das hat uns unsere ehemalige Vizepräsidentin Annemarie Schmidli vorgelebt. Sie leitete im Bifang die Ressorts Freiwilligenarbeit und Aktivierung. Kürzlich mussten wir vernehmen, dass sie verstorben ist.»