Serie (Teil 1)

Per Autostopp durchs Freiamt – und zu seinen schönsten Orten

Vor der Muttergotteskapelle auf dem Oberniesenberg begrüsst ein gemütlich grasendes Pony alle Besucher, die vorbeikommen. Die Kapelle beim Schloss Hilfikon ist nicht besonders gross, aber sehr stilvoll verziert. Im Gnadenthal bringt mich die Natur, trotz Nebel und Wind, zum Staunen.

Vor der Muttergotteskapelle auf dem Oberniesenberg begrüsst ein gemütlich grasendes Pony alle Besucher, die vorbeikommen. Die Kapelle beim Schloss Hilfikon ist nicht besonders gross, aber sehr stilvoll verziert. Im Gnadenthal bringt mich die Natur, trotz Nebel und Wind, zum Staunen.

AZ-Praktikant Simon Kuhn sucht die schönsten Orte in der Region. Dafür reist er per Anhalter und lässt die Fahrer seine Ziele bestimmen.

Eine frische Brise weht mir um die Ohren, als ich aus der S26 in Wohlen steige. Es ist ein kalter Donnerstagmorgen. Die Strassen sind noch ziemlich leer und in tiefen Nebel gehüllt. Die Bahnhofsuhr zeigt 9.30 Uhr an, als ich mich auf den Weg zur Migros Wohlen mache. Heute ist der erste Tag meiner dreitägigen Reise, auf der ich die schönsten Orte des Freiamts finden will. Wie ich das mache? In dem ich per Autostopp umherreise und jene Leute frage, die sich hier am besten auskennen – die Freiämterinnen und Freiämter. 

Bei der Migros angekommen, versuche ich, meine ersten Reisetipps zu bekommen. Der Mann im dunkelblauen Anzug scheint leider keine Zeit zu haben und die ältere Frau mit Handtasche kommt nicht von hier. Nach einigen Misserfolgen finde ich aber ein älteres Ehepaar aus Wohlen, das mir weiterhelfen kann. «Ein unglaublich schöner Fleck ist der Oberniesenberg in der Nähe von Boswil. Dort kannst du bei der Muttergotteskapelle vorbeischauen», erzählt der Herr mit kariertem Hemd. «Und wenn du schon einmal da bist, solltest du auch bei der alten Kirche in Boswil vorbeischauen», ergänzt seine Frau. Zum Schluss raten sie mir noch, das Gnadenthal nördlich von Niederwil zu besuchen.

Die Reise zu den schönsten Ausflugszielen kann beginnen

Mit ein paar ersten Reiseinspirationen im Kopf mache ich mich auf zur Wohlerstrasse. Mein erstes Zwischenziel ist, nach Boswil zu gelangen. Ich stelle mich an eine Einfahrt und strecke meine Hand aus. Noch bin ich ein bisschen unsicher, ob mich wohl jemand mitnehmen wird. Meine Zweifel verschwinden aber, als schon nach wenigen Minuten ein Auto nochmals umdreht und hält. Die junge, blonde Frau darin stellt sich als Lisa Egger vor. Sie trifft sich später mit ihrer Mutter, hat aber bis dahin noch ein wenig Zeit. Sie ruft ihre Mutter an und sagt: «Es wird vielleicht ein wenig später. Ich helfe noch jemanden bei seiner Entdeckungsreise». Dann fährt sie los. Egger bringt mich nicht nur nach Boswil, sondern gleich zur Muttergotteskapelle. Auf dem Weg hinauf nimmt der Nebel am Rande des Oberniesenbergs stetig ab, bis wir das Nebelmeer durchbrechen und die Sonne durch die Windschutzscheibe strahlt.

Kurz bevor wir oben ankommen, gibt mir Lisa Egger noch einen Tipp mit auf den Weg: «In der Nähe von hier gibt es einen kleinen Weiher, bei dem ich auch schon einmal war. Wenn du Zeit hast, kannst du dort ja mal vorbeischauen.» Wahrscheinlich meint sie damit den Torfsee. Das ist ein kleines Naturschutzgebiet in der Nähe der Muttergotteskapelle. Am Ende der Strasse steige ich aus und laufe auf einem Kiesweg Richtung Kapelle. Links von mir grast ein Pony, von dem ich noch ein paar Bilder knipse, bevor ich weiter gehe. Die Muttergotteskapelle hat einen modernen Stil und hebt sich dadurch deutlich von den meisten Kapellen ab, die ich kenne. Sie ist zwar klein, aber definitiv einen Besuch wert.

Nach dem schönen Wetter wieder zurück ins Nebelloch

Nach dem ich ein paar weitere Fotos schiesse und die Aussicht geniesse, gehe ich weiter. Ich laufe bereits einige Minuten gerade aus, als ein schwarzer SUV angefahren kommt. Der Fahrer hält an und nimmt mich mit. Der Mann wohnt gleich neben der alten Kirche in Boswil. Auf dem Weg dorthin sagt er: «Hier gibt es eine alte Römervilla, also zumindest noch den Grundriss.» Er zeigt auf ein Haus am Hang des Oberniesenberges. Während des Vorbeifahrens erkenne ich das Gebäude nicht richtig. Später finde ich heraus, dass er die Martinskapelle gemeint hat. Die Kapelle entstand auf den Fundamenten eines römischen Wohnkomplexes. Einen weiteren Tipp für meine Reise kann mir der Mann aber nicht geben. Er sagt, er habe nicht viel mit der Region zu tun.

Ein kurzer Umweg beschert mir eine kleine Verpflegung

In Boswil ist es immer noch nebelig. Ich sehe kaum bis zur Spitze des Glockenturms. Neben der Kirche befindet sich die Odilokapelle und das Künstlerhaus Boswil, das sich im ehemaligen Pfarrhaus der Gemeinde befindet. Alle drei Gebäude gehören mittlerweile der Stiftung Künstlerhaus Boswil. Von der Kirche laufe ich zur Wohlerstrasse, die sich direkt neben dem Bahnhof Boswil befindet. Dieses Mal stehe ich aber auf der anderen Strassenseite, da ich wieder zurück nach Wohlen will. Erneut brauche ich nicht viel Geduld, bis jemand anhält. Eine Frau aus Bremgarten ist so nett und nimmt mich mit – obwohl sie in eine andere Richtung muss. «Zumindest ein Stück kann ich dich näher nach Wohlen bringen», sagt sie und fährt mich nach Waltenschwil. Bevor ich aussteige, gibt sie mir noch einen Tipp. Sie sagt: «In Hilfikon gibt es ein Schloss. Es ist zwar in Privatbesitz, aber von aussen kann man es dennoch betrachten.»

Vor der Muttergotteskapelle auf dem Oberniesenberg begrüsst ein gemütlich grasendes Pony alle Besucher, die vorbeikommen. Die Kapelle beim Schloss Hilfikon ist nicht besonders gross, aber sehr stilvoll verziert. Im Gnadenthal bringt mich die Natur, trotz Nebel und Wind, zum Staunen.

Vor der Muttergotteskapelle auf dem Oberniesenberg begrüsst ein gemütlich grasendes Pony alle Besucher, die vorbeikommen. Die Kapelle beim Schloss Hilfikon ist nicht besonders gross, aber sehr stilvoll verziert. Im Gnadenthal bringt mich die Natur, trotz Nebel und Wind, zum Staunen.

In Waltenschwil angekommen, mache ich einen kurzen Halt bei Dubler Mohrenkopf. Ich kaufe mir ein Viererpack und esse einen Mohrenkopf gleich auf dem Weg. Nahe des Geschäfts warte ich auf eine neue Mitfahrgelegenheit. Berisha und Gjoka, zwei Mitarbeiter einer Hauswartsfirma, nehmen mich mit. Sie haben gerade Mittag und müssen sowieso nach Wohlen. «Wir gehen noch einen Kaffee trinken», sagt Beri­sha und fragt mich, was ich vorhabe. Ich erzähle ihm von meinem Projekt, und Berisha erzählt mir von seinem Arbeitsalltag. Bei der Agyp Tankstelle in Wohlen müssen wir das Gespräch aber unterbrechen. Berisha und Gjoka müssen in eine andere Richtung weiter.

Lange Wartezeit wegen einer kleinen Planänderung

Eigentlich wollte ich zuerst ins Gnadenthal, aber da Hilfikon näher an Wohlen liegt, ändere ich meine Route. Noch weiss ich nicht, dass mich nun der anstrengendste Teil des Tages erwartet. Richtung Villmergen stelle ich mich wieder an den Strassenrand und strecke meine Hand aus. Im Gegensatz zu den anderen Malen haben die vorbeifahrenden Leute jedoch weniger Lust, mich mitzunehmen.

Ich muss fast 30 Minuten warten, bis ein junger Mann in seinem weissen BMW anhält. Meine lange Wartezeit liegt vermutlich an meiner Position: In Wohlen ist man gut vernetzt und nur wenige Meter hinter mir befindet sich eine Bushaltestelle. Um 14 Uhr komme ich aber endlich in Hilfikon an.

Eine wunderschöne Kirche und eine beeindruckende Grabstätte

Dort sehe ich schon von der Hilfikerstrasse aus das in Nebel gehüllte Schloss. Ich überquere den Erusbach und mache mich auf den Weg. Obwohl das Schloss in Privatbesitz ist, kann ich trotzdem den Vorhof und die kleine Kapelle am Rande der Mauer besuchen. Ich erkunde das Areal noch ein bisschen, bevor ich wieder zurück zur Hilfikerstrasse gehe und dort erneut meine Hand ausstrecke. Ein junger Sarmenstorfer mit blonden Locken hält an. Er fragt: «Wo musst du hin?» Ich antworte: «Zu den schönsten Orten im Freiamt.» Der junge Mann muss nach Villmergen und lässt mich dort bei der Kirche heraus. Von aussen ist die Kirche eine der schönsten, die ich jemals gesehen habe. Aber auch von innen steht sie ihrem äusseren Erscheinungsbild in nichts nach. Sie ist bis ins kleinste Detail verziert und wirkt von innen noch sogar noch grösser als schon von aussen. Ich bin beeindruckt. Direkt neben der Kirche befindet sich die Nothelferkapelle. Diese ist im Vergleich zur Kirche klein und simpel gestaltet, beherbergt aber ein Momento Mori aus zwei Knochen und zwei Schädeln. Nach meinem Halt in Villmergen gelange ich mit einer netten Frau aus Wohlen zurück an den Bahnhof Wohlen. Von hier aus beginnt meine letzte Etappe ins Gnadenthal.

Ja, «Stöpple» funktioniert immer noch

Damit mich sicher jemand mitnimmt, der auch Richtung Niederwil muss, positioniere ich mich an der Niederwilerstrasse. Direkt neben einer Bushaltestelle versuche ich mein Glück. Ich werde nicht enttäuscht. Schon das dritte Auto hält an. «Bus verpasst?», fragt Herr Kurmann. «Nicht ganz», antworte ich und steige ein. «Schön zu hören, dass das ‹Stöpple› immer noch funktioniert», meint er während der Fahrt. 

Vor der Muttergotteskapelle auf dem Oberniesenberg begrüsst ein gemütlich grasendes Pony alle Besucher, die vorbeikommen. Die Kapelle beim Schloss Hilfikon ist nicht besonders gross, aber sehr stilvoll verziert. Im Gnadenthal bringt mich die Natur, trotz Nebel und Wind, zum Staunen.

Vor der Muttergotteskapelle auf dem Oberniesenberg begrüsst ein gemütlich grasendes Pony alle Besucher, die vorbeikommen. Die Kapelle beim Schloss Hilfikon ist nicht besonders gross, aber sehr stilvoll verziert. Im Gnadenthal bringt mich die Natur, trotz Nebel und Wind, zum Staunen.

Kurmann kommt aus Nesselnbach und kennt sich in der Region bestens aus. Auf dem Weg ins Gnadenthal zeigt er mir den alten Gutshof des Klosters. «Weiterhin viel Erfolg», wünscht er mir und fährt weiter. Auch im Gnadenthal ist es neblig, aber zumindest etwas wärmer. Ich lege eine kurze Pause am Flussufer der Reuss ein. Der Grund für meinen Besuch ist aber nicht nur die Aussicht, sondern auch das ehemalige Kloster, das mittlerweile zum Alters- und Pflegeheim Reusspark gehört.

Mittlerweile ist es 17 Uhr und ich habe alle Orte besucht, die mir empfohlen wurden. Das ist ein guter Zeitpunkt, meine Reise für heute zu beenden. Deswegen mache ich mich langsam wieder auf den Nachhauseweg, um mich auszuruhen. Bald geht meine Reise von Bremgarten aus weiter und ich hoffe, auch dort spannende Orte und Menschen kennen zu lernen.

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