Klassische Musik und zeitgenössische Kunst: Darin sieht Urs Pilgrim, Präsident der Stiftung Murikultur in Muri, überhaupt keinen Widerspruch. Vielmehr versteht er die Aufgabe der Stiftung «im Brückenschlag zwischen Tradition und Innovation».

«Das Kloster Muri hat es immer verstanden, sich zu wandeln. Denn sonst hätte Abt Placidus Zurlauben kaum den Mut gehabt, im 18. Jahrhundert die alte Klosterkirche abbrechen zu lassen und die neue Kirche zu bauen», sagte Pilgrim gestern in der «Morgenstund» im Restaurant JoJo der Stiftung St. Josef in Bremgarten.

Gemeinsame Berührungspunkte

Pilgrim liess sich Ende 2012 als Hausarzt pensionieren und kann nun vollends seine ganze Kraft der Stiftung Murikultur widmen und muss seinen zweiten Beruf als Kulturmanager nicht mehr im Nebenamt ausüben. Muri und Bremgarten hätten durchaus gemeinsame Berührungspunkte, führte der in der Geschichte des Klosters Muri bestens bewanderte Stiftungsratspräsident aus. «In Bremgarten baute das Kloster Muri im Muri-Amthof einen Verwaltungssitz auf. Denn das einst reichste, aber nicht grösste Kloster in der Schweiz verfügte im Freiamt und weit darüber hinaus über grosse Besitztümer.»

Ein enormes Kulturangebot

Mit der Stiftung Murikultur führt Pilgrim ein gross gewordenes Unternehmen, in dem heute 124 Personen mitarbeiten, zum grossen Teil ehrenamtlich, zum Teil aber auch als Festangestellte.

Die Spannweite des kulturellen Angebotes in Muri ist enorm: Musikalische Veranstaltungen von internationalem Zuschnitt finden in der Klosterkirche oder auch im Innenhof des Klosters statt, auf der andern Seite gibt es im Ochsensaal Jazz- und Popkonzerte von berühmte Künstlern, die auf der Durchreise von den USA nach Berlin und Paris in Muri gastieren.

Die Klosterkirche sei berühmt für ihre fünf Orgeln, wovon zwei noch im historischen Zustand, betonte Pilgrim. «Unser Festsaal, die ehemalige Klosterbibliothek, ist zudem bekannt für seine hervorragende Akustik und ist der beste Konzertsaal im Kanton.»

In Muri habe man auch das Glück, zwei Museen betreiben zu dürfen, erklärte Pilgrim: Neben dem Klostermuseum das Caspar-Wolf-Kabinett, in dem sich die stattliche Bildersammlung des berühmtesten Alpenmalers der Schweiz aus Muri befindet.

Die beiden Ausstellungsräume will die Stiftung Murikultur im Singisenflügel des Klosters Muri grösser, moderner und schöner denn je ausbauen. Aber dafür brauche es Geld, sogar viel Geld, sagte Pilgrim.

«Ich habe alle möglichen Stiftungen, Banken und Firmen abgeklappert, um die notwendigen Mittel auftreiben zu können. Aber ich erhielt zuerst nur Absagen.» Bis Pilgrim auf die Idee kam, seinen Schulkameraden und Kadettenkollegen Franz Käppeli, Unternehmer in Zürich, um Hilfe zu bitten.

Essen wurde kalt

«Ich traf mich mit Käppeli zum Nachtessen», erzählte Pilgrim. Weil ich ununterbrochen auf ihn einredete, um ihn für mein Vorhaben einzunehmen, wurde mein Essen kalt. Aber das war egal.» Am Schluss gab Käppeli die Zusage zur Unterstützung der Stiftung Murikultur und sogar zum Kauf des Singisenflügels für fünf Millionen Franken, um ihn für die Museen umbauen zu lassen.

Nun muss nur noch die Gemeindeversammlung zum Verkauf der Liegenschaft Ja sagen. «Wenn Sie einen Murianer kennen, der noch daran zweifelt, dass die Offerte von Käppeli eine gute Sache ist, impfen Sie ihm ein, dass er dem Geschäft zustimmt.» Die Stiftung Murikultur hat laut Pilgrim einen international bekannten Museumsgestalter an der Hand.

Mit ihm sollte es gelingen, Muri als Museumsort besser zu vermarkten. «So wie wir heute unsere Kunstobjekte dem Publikum zeigen, geht es nicht mehr. Wir müssen neue Wege gehen», sagte Pilgrim.