Paralympics
Patricia Keller startet bei der Olympia-Premiere gleich in drei Disziplinen

Patricia Keller aus Waltenschwil startet diese Woche in London an den Spielen der Behinderten. Für die 22-Jährige kommt die Teilnahme an den Paralympics eher überraschend.

Fabio Baranzini
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Patricia Keller ist nervös, aber die Vorfreude ist noch grösser.

Patricia Keller ist nervös, aber die Vorfreude ist noch grösser.

Fabio Baranzini

Vergangene Woche im Paraplegikerzentrum in Nottwil. Auf der Leichtathletikbahn drehen die Rennrollstuhl-Athleten, welche die Schweiz an den Paralympics in London vertreten werden, ihre Runden. Sie befinden sich im einwöchigen Abschlusstraining, bevor sie am Wochenende nach London gereist sind.

Mit dabei ist auch die 22-jährige Patricia Keller aus Waltenschwil, die zum ersten Mal an den Paralympics teilnehmen wird. «Ich bin schon nervös, aber die Vorfreude ist grösser», meint sie. Dies auch deshalb, weil sie gar nicht damit gerechnet hat, überhaupt selektiert zu werden.

Vor einem Jahr schloss sie erfolgreich ihre Lehre als Detailhandelsfachfrau im Volg in Waltenschwil ab. Danach weilte sie drei Monate in Neuseeland, wo sie in Auckland während sechs Wochen eine Sprachschule besuchte und danach durchs Land reiste. «In dieser Zeit konnte ich nicht trainieren und habe daher die ersten Wettkämpfe mit einem Trainingsrückstand bestritten», erzählt Keller.

Mit Routiniers an der Seite

Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz trainierte die 22-Jährige jedoch täglich in Nottwil. Dank den optimalen Bedingungen im Paraplegikerzentrum, konnte sie die erhofften Fortschritte machen. «Ich bin ruhiger geworden und habe meine Sachen besser im Griff. Durch den Auslandaufenthalt wurde ich zudem auch selbstständiger», erklärt sie.

Bei ihrer Olympiapremiere möchte die Aargauerin in allen Disziplinen ihre Selektion bestätigen. «Zusätzlich geht es aber auch darum, Erfahrungen zu sammeln», sagt sie. An Olympischen Spielen sei alles viel grösser, der Rummel, die Stadien und auch die Zuschauermengen. «Das ist nicht mit einem anderen Wettkampf zu vergleichen, zumal bei den Rennen und auch im olympischen Dorf striktere Regeln gelten als sonst», erklärt Keller. Sie ist daher froh, dass im Team auch routinierte Olympiateilnehmer wie Edith Hunkeler oder Heinz Frei figurieren. «Sie geben mir viele wertvolle Tipps, nicht nur in Bezug auf die Spiele», so die Aargauerin.

In mehreren Disziplinen am Start

In der englischen Hauptstadt wird Keller über 400 und 5000 Meter sowie beim Marathon an den Start gehen. «Die grössten Chancen habe ich sicher im 5000er, aber bereits die Finalqualifikation käme überraschend», meint Keller, die in London erst ihren zweiten Marathon überhaupt bestreiten wird. Mit den Erfahrungen aus London im Gepäck, will sich Patricia Keller in vier Jahren an den Olympischen Spielen in Rio für die Finalläufe qualifizieren und wer weiss, vielleicht schafft sie es bereits dann in die Nähe der olympischen Medaillen.