Abtwil
Paradies Häslihof: Hier haben es auch die Kaninchen richtig gut

Mit dem Häslihof in Abtwil hat der ehemalige Bauarbeiter Ueli Bichsel für sich und die Tiere ein Paradies geschaffen. Keines der Kaninchen wird wieder verkauft oder gar geschlachtet.

Eddy Schambron
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Ueli Bichsel sieht es gerne, wenn Kinder seine Häslihof in Abtwil besuchen. Er erzählt ihnen auch Wissenswertes über die Haltung von Kaninchen.

Ueli Bichsel sieht es gerne, wenn Kinder seine Häslihof in Abtwil besuchen. Er erzählt ihnen auch Wissenswertes über die Haltung von Kaninchen.

Eddy Schambron

Genau 238 Kaninchen tummeln sich auf dem Häslihof in Abtwil. Ueli Bichsel weiss es genau, denn er hat jedes Kaninchen mit Foto im Computer erfasst. Die Kaninchen haben es hier besonders gut: Platz zum Verschwenden, genauer 925 Quadratmeter, freier Auslauf zu jeder Zeit, genügend Futter und einen Hofbetreiber, der sie weder wieder verkauft, noch verschenkt oder schlachtet.

«Bei mir sollen es die Hasen richtig gut haben», sagt der 64-jährige ehemalige Bauarbeiter. Er arbeitet nicht mehr und betrieb den Häslihof früher in Rotkreuz. 80 Prozent der Tiere sind aufgenommen.

Zusammen mampfen macht mehr Freude als allein
7 Bilder
Was guckt ihr da so komisch
Ueli Bichsel in seinem zweistöckigen Kaninchenhaus
Klare Ansage
Für die Kinder ist der Häslihof immer ein besonders Vergnügen
Auch Steinhäuser gibt es für die Kaninchen
Eine der Schönheiten im Häslihof

Zusammen mampfen macht mehr Freude als allein

Eddy Schambron

Es sind viele Kaninchen, die vorher kein so gutes Leben hatten, vernachlässigt waren, nicht artgerecht gehalten wurden oder überflüssig geworden sind. Wenn Bichsel ein solches Kaninchen aufnimmt, kommt es zuerst einmal zur Tierärztin Isabelle Zulauf, Cham, zur Untersuchung. Es erhält eine Impfung gegen Parasiten und Würmer. Männchen werden kastriert, kranke Tiere von ihr medizinisch betreut.

Dann kommen die Tiere ins grosse Freilaufgehege mit verschiedenen, immer offenen Ställen und sogar einem Haus in der Mitte, das für die Tiere auf zwei Stöcken frei zugänglich ist. Im Gehege selber können die Kaninchen in verschiedenen Bauten Unterschlupf finden, spielen und hemmungslos Tunnels graben.

Neben den kleineren Ställen stehen auch Steinhäuser und Röhren als Unterschlupf zur Verfügung. «Die Gruppenhaltung ist, obwohl das gewisse Kaninchenzüchter bestreiten, völlig problemlos, wenn die Tiere genügend Platz und genügend Beschäftigungsmöglichkeiten haben», ist die Erfahrung von Bichsel seit gut 6 Jahren. Klar ist für ihn, dass alles tierschutzkonform sein muss.

Greifvögel ohne Chance

Das Areal ist nicht überdacht, auch schützt kein Netz die Kaninchen zum Beispiel vor Greifvögel. Bichsel wendet einen einfachen Trick an: Er setzt hohe Äste senkrecht in die Erde und vereitelt so Greifvögeln die notwendige Flugbahn, um mit einem Kaninchen wegfliegen zu können.

«Ich habe sie schon über dem Areal kreisen, aber dann weiterfliegen sehen. Die Vögel können sehr gut abschätzen, ob sie die Beute wegtragen könnten oder nicht.» Auch gegen Diebe ist er mit einer elektronischen Überwachung abgesichert. Schliesslich bittet er, keine Kaninchen einfach ohne Absprache im Gehege auszusetzen. «Ist ein Männchen nicht kastriert, habe ich Junge. Das will ich nicht.»

Auf Spenden angewiesen

Die Führung des Häslihofs, der vor allem auch für Kinder sehr attraktiv ist, kostet. Mit Tierarztkosten und dem von der Landi Hünenberg bezogenen Futter entstehen Bichsel monatlich Kosten von rund 1700 Franken. Allein 56 Tonnen Körnerfutter hat er in den gut sechs Jahren seines Häslihofs zugekauft. Salat, der nicht mehr verkauft werden kann, bezieht er vom Spar Hünenberg, das entlastet die Rechnung etwas.

Seine Arbeits- und Präsenzzeit - jeden Tag in der Woche - rechnet er nicht, denn der Häslihof ist seine Freude. Futter, Tierarztkosten und Pachtzins für das Areal finanziert er zu 80 Prozent aus der eigenen Tasche, die restlichen 20 Prozent stammen von Spenden der Besucherinnen und Besucher.

Das Projekt Häslihof entstand 2008, damals noch auf dem Deponiegelände Langfeld in Rotkreuz mit 13 Kaninchen aus einer katastrophalen Masthaltung im Kanton Zug. Bichsel hat die Tiere freigekauft und ihnen ein freies, sicheres Leben ermöglicht.

Später sind dann weitre Tiere dazugekommen. Zum neuen Gelände in Abtwil kam Bichsel durch glückliche Umstände. Als er in Rothrist weichen musste, kam der Abtwiler Gemeindeammann Stefan Balmer, Ladenleiter der Landi Hünenberg, auf ihn zu, er wisse ein Grundstück in seiner Gemeinde.

«Er hat mir sehr geholfen», ist Bichsel des Lobes voll. Auch sonst ist er sehr glücklich an neuen Standort an der Sinserstrasse: «Die Nachbarn sind sehr nett und unkompliziert». Und so erfreuen die 238 Kaninchen nicht mehr im zugerischen Rothrist, sondern im aargauischen Abtwil die Kinder.