Pandemie
Massiv mehr Einsätze der Regionalpolizei Wohlen: Häusliche Gewalt und Drohungen «gingen durch die Decke»

In Wohlen nahm die Zahl der Einsätze 2020 drastisch zu. Vergleichsweise ruhig zeigt sich die Situation in Muri und Bremgarten, wo die Zahlen stabil blieben.

Pascal Bruhin
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Die Regionalpolizei Wohlen hatte 2020 deutlich mehr zu tun als die Kollegen in Muri und Bremgarten.

Die Regionalpolizei Wohlen hatte 2020 deutlich mehr zu tun als die Kollegen in Muri und Bremgarten.

Marc Ribolla

«Wir haben deutlich gemerkt, dass die Menschen vermehrt zu Hause sind», sagt Marco Veil, Chef der Regionalpolizei Wohlen. 37 Prozent mehr Einsätze absolvierte die Repol Wohlen im Coronajahr 2020. Das zeigen erste Zahlen aus dem Rechenschaftsbericht, die den Gemeinden ausgehändigt wurden. So haben die Einsätze wegen häuslicher Gewalt massiv zugenommen. 2019 wurden 122 Einsätze registriert, letztes Jahr waren es 146. Auch Einsätze im Zusammenhang mit Streit oder Drohungen seien regelrecht «durch die Decke gegangen», sagt Veil. Von 100 Einsätzen 2019 stieg diese Zahl auf 153 im Coronajahr.

Auch Lärmbelästigungen und Verkehrsdelikte nahmen deutlich zu

Deutlich zugenommen haben auch Auto- und Verkehrsdelikte. Dies einerseits aufgrund von Lärmbelästigungen durch Autoposer, wo vermehrt Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen sind. Andererseits bekommt die Repol auch den Wegzug des Postens der Kantonspolizei zu spüren, da nun vermehrt die Repol zu Verkehrsunfällen im Grossraum Wohlen aufgeboten wird. Die Zahl der Verkehrsdelikte stieg von 31 im Jahr 2019 auf 81 im vergangenen Jahr. Die Zahl der Verhaftungen und der administrativen Aufwände blieb hingegen 2020 konstant.

Marco Veil ist Chef der Regionalpolizei Wohlen

Marco Veil ist Chef der Regionalpolizei Wohlen

Toni Widmer

«Es ist ein bisschen wie ein Katz-und-Maus-Spiel», sagt Veil. Im Zusammenhang mit den Coronamassnahmen hatte die Regionalpolizei vermehrt Einsätze gegen das Versammlungsverbot, insbesondere von Jugendlichen. Er sagt aber:

«In gewisser Weise habe ich Verständnis dafür, dass sich die Jungen wieder treffen möchten. Aber es sind halt momentan die Regeln und die gilt es einzuhalten und für uns durchzusetzen.»

Bei ihren Einsätzen stosse die Repol aber bisher auf viel Verständnis aus der Bevölkerung. «Wir setzen nicht auf Bussen, sondern auf den Dialog», sagt Veil. So seien auch renitente Maskenverweigerer bislang ohne Bussen zur Einsicht gekommen. Ein weiteres Problem, das zunehmend auftrat, war Littering. Dagegen sei die Regionalpolizei allerdings weitgehend machtlos und auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen.

Rund 50 Schutzmassnahmen wurden getroffen, um den Dienstbetrieb aufrecht zu erhalten

Für das Polizeikorps der Regionalpolizei führten die Massnahmen des Bundes auch intern zu Änderungen. Bereits Ende Februar mussten im Dienstbetrieb erste Schutzmassnahmen getroffen werden. Bis Ende Jahr waren dies knapp 50 Massnahmen, mit welchen der Dienstbetrieb des Korps aufrechterhalten werden konnte. Von März bis Mai wurden täglich zusätzliche Patrouillen gefahren, um die Einhaltung der Corona Schutzmassnahmen zu überprüfen.

«Das Schlimmste wäre ein Coronafall innerhalb des Corps», sagt Veil. Dies sei noch nicht der Fall gewesen. Trotzdem wäre man für den Notfall gewappnet. Bei Personalengpässen würde man sich unter den drei Regionalpolizeien aushelfen. «Wir haben ein komplettes Schutzkonzept entwickelt, innerhalb und ausserhalb des Korps», sagt Veil. Maskenpflicht gilt für die Polizisten im Einsatzfahrzeug sowie auf dem Posten. In den Fahrzeugen liegen neu auch Schutzanzüge bereit, für den Fall eines Einsatzes in einem Haushalt, in dem sich ein Bewohner in Isolation oder Quarantäne befindet.

In Muri ist man überrascht von den tiefen Zahlen

«Ehrlich gesagt, bin ich selbst sehr erstaunt darüber», sagt Renato Orsi, Leiter der Regionalpolizei Muri. Ganz im Gegensatz zu den Kollegen in Wohlen, waren die Einsatzzahlen in seinem Einzugsgebiet im Jahr 2020 gesamthaft stabil. Einsätze wegen häuslicher Gewalt und Streit oder Drohung waren gar leicht rückläufig. Orsi erläutert:

«Wohlen und Muri kann man nicht vergleichen»

Dass Einsätze wegen Drohungen oder Streit in Muri nicht anstiegen, könne daran liegen, dass Muri generell weniger öffentliche Plattformen biete, an denen es zu diesen Fällen kommen könnte.

Renato Orsi ist Leiter der Regionalpolizei Muri.

Renato Orsi ist Leiter der Regionalpolizei Muri.

zvg

Warum die Fälle häuslicher Gewalt rückläufig sind, kann er sich nicht erklären. Er sagt: «Das Oberfreiamt weist im kantonalen Vergleich generell weniger Delikte auf.» Zudem verweist er auf die Präventionsarbeit der Repol Muri während des ersten Lockdowns im Frühling. «Wir haben dort unsere Präsenz massiv verstärkt, sind deutlich mehr patrouilliert.» Dies vor allem auch, um der Bevölkerung ein sicheres Gefühl zu geben. Einsätze gegen das Versammlungsverbot oder die Missachtung der Maskenpflicht gab es nur vereinzelt. «Wir haben nicht restriktiv gehandelt, sondern immer das direkte Gespräch gesucht.» Nur einige wenige notorische Maskenverweigerer wurden gebüsst.

Durch das veränderte Ausgehverhalten, hat sich die Lage in Bremgarten beruhigt

Auch in Bremgarten verlief das Coronajahr vergleichsweise ruhig, wie Polizeichef Manfred Tschannen bestätigt: «Die Einsatzzahlen waren etwa auf gleichem Niveau wie im Vorjahr.» Leicht zugenommen hätten lediglich Interventionen wegen häuslicher Gewalt, von 124 auf 149 Einsätze im Jahr 2020. Nachruhestörungen hätten zwischenzeitlich massiv zugenommen, insbesondere durch Jugendliche. Mittlerweile hätte sich die Situation aber wieder deutlich beruhigt. Tschannen begründet:

«Coronabedingt hat sich ja das Ausgehverhalten massiv verändert, was am Abend und nachts teilweise zu menschenleeren Strassen und Gassen führt. Entsprechend wirkt sich dies auch auf unsere Einsätze aus und beruhigt die Lage natürlich allgemein.»

Rund 700 zusätzliche Einsatzstunden absolvierte die Repol Bremgarten 2020. Diese seien aber der vermehrten Präsenz auf der Strasse geschuldet. Weil aber sämtliche Ausbildungen und Kurse der Polizeibeamten coronabedingt ausfielen und damit mehr Kapazitäten vorhanden waren, konnte dies ohne grosse Überstunden erfolgen.