Pandemie
Die Muse küsst die Freiämter Kunstszene aus der Coronastarre

Nach der pandemiebedingten Zwangspause blühen die Freiämter Kunstschaffenden langsam wieder auf. Mit dem «Tag der offenen Ateliers» und dem «Freiämter Kunsthappening» bieten sich im Mai gleich zwei Highlights für Künstler und Publikum an.

Pascal Bruhin
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Maler und Street-Art-Künstler Pirmin Breu aus Wohlen wurde im ersten Lockdown kreativ.

Maler und Street-Art-Künstler Pirmin Breu aus Wohlen wurde im ersten Lockdown kreativ.

Pascal Bruhin (7. Januar 2021)

Die Coronapandemie legte die Welt lahm. Auch die Welt der Kunstschaffenden, wie der Wohler Maler und Street-Art-Künstler Pirmin Breu der AZ im Januar erzählte. Nicht nur, dass Museen geschlossen und Ausstellungen verboten waren, sondern insbesondere die Kreativität der Künstler litt unter dem zermürbenden Kampf gegen das Virus. Seit dem 1. März sind die Museen wieder geöffnet und auch die Muse küsst die Freiämter Künstler allmählich wieder.

38 Freiämter Kunstschaffende laden in ihre Ateliers ein

Am 1. und 2. Mai veranstaltet die Kunstszene Freiamt nun ihren «Tag der offenen Ateliers» K-13, wo die Kunstschaffenden Interessierte in ihre eigenen Werk- und Wirkstätten einladen, um dort ihre Kreationen zu präsentieren. 38 Künstlerinnen und Künstler werden sich an der diesjährigen Ausgabe beteiligen. Pirmin Breu, der zusammen mit Ursi Brunner den Anlass organisiert, sagt:

«Dass sich so viele angemeldet haben, zeigt uns, dass ein grosser Wunsch da ist, trotzt der Situation etwas stattfinden zu lassen.»

Doch wieso organisieren sie die Veranstaltung gerade jetzt? «Die letzte K-13 fand vor vier Jahren statt. Wir haben schon länger von den Künstlern gehört, dass sie gerne eine Plattform für ihre Werke und den Austausch mit dem Publikum haben möchten», sagt Breu. «Wir fanden es deshalb eine gute Idee, den traditionell im August stattfinden Anlass in den Frühling vorzuverschieben.»

Es ist wichtig, ein Zeichen zu setzten – für Künstler und Publikum

Dies einerseits, weil im Sommer in der Regel viele andere kulturelle Veranstaltungen stattfinden. Andererseits ginge es nun auch darum, eine Lanze für die Kunstschaffenden in der Region zu brechen. Breu sagt:

«Es ist wichtig, wieder einmal ein positives Zeichen zu setzten.»

Das tue sowohl den oftmals in der Pandemie vergessenen Kunstschaffenden, wie auch dem Publikum gut.

Das Datum der Veranstaltung ist denn auch nicht zufällig gewählt. «Wir haben den 1. Mai ausgesucht, weil er als Datum ein starkes Zeichen setzt», sagt Breu. Und weiter:

«In diesem Jahr soll der Tag der Arbeit ein Tag der Kunst werden.»

Das verrät auch der Flyer, auf dem Kunstschaffende demonstrativ und kämpferisch ihre Pinsel in die Höhe recken.

Flyer zum «Tag der offenen Ateliers» 2021 der Kunstszene Freiamt.

Flyer zum «Tag der offenen Ateliers» 2021 der Kunstszene Freiamt.

zvg

Auf dem Flyer vermerkt ist aber auch das Ausweichdatum der Veranstaltung. Denn ob der «Tag der offenen Ateliers» tatsächlich im Mai stattfinden kann, hängt von den Entscheiden der Bundesratssitzung vom 14. April ab. Als kulturelle Veranstaltung wäre der Anlass gemäss der aktuellen Regelung verboten.

Der Anlass wäre bei kleinster Öffnung durchführbar

Erst wenn die Bundesregierung und darauffolgend der Aargauer Regierungsrat kulturelle Veranstaltungen wieder zulässt, findet der Freiämter «Tag der offenen Ateliers» am 1. und 2. Mai statt, ansonsten am 5. und 6. Juni. Pirmin Breu ist jedoch noch optimistisch: «Die Schutzmassnahmen können in einem Atelier gut umgesetzt werden. Schon bei der kleinsten Öffnung, etwa der Erlaubnis von Kulturanlässen bis maximal 50 Personen, ist unser Anlass durchführbar.» Falls der Bundesrat jedoch keine Öffnungsschritte plane, wäre sicher das Datum im Juni realistisch. «Alle Kunstschaffenden, bis auf einen, wären auch am Verschiebedatum dabei», freut sich Breu.

Wer nun fürchtet, in den offenen Ateliers nur düstere, das Elend der Coronapandemie widerspiegelnde Skulpturen und Gemälde vorzufinden, der kann beruhigt sein. Breu erklärt:

«Viele der Werke sind vor der Pandemie entstanden. Denn viele Künstler haben sich bewusst noch nicht mit dem Thema auseinandergesetzt.»

Ganz anders der Wohler Graffiti-Künstler selbst, der bereits im ersten Lockdown das Ausmass der Pandemie in seinen Werken zu verarbeiten suchte. Breu gibt zu:

«Ich bin noch immer voll in dieser Thematik drin.»

Auch er wird sein Atelier am 1. und 2. Mai, oder dann am 5. und 6. Juni, für die Besucher öffnen.

«Zerplatzte Hoffnung»: Dieses Graffiti malte Street-Art-Künstler Pirmin Breu im ersten Lockdown an ein baufälliges Nachbarhaus seines Wohler Ateliers.

«Zerplatzte Hoffnung»: Dieses Graffiti malte Street-Art-Künstler Pirmin Breu im ersten Lockdown an ein baufälliges Nachbarhaus seines Wohler Ateliers.

Pascal Bruhin (7. Januar 2021)

Am 8. Mai startet das «Freiämter Kunsthappening» in Muri

Freiämter Kunstinteressierten bietet sich bereits am darauffolgenden Wochenende gleich nochmals eine Gelegenheit, in eine andere Welt einzutauchen. Im Singisen Forum des Singisenflügels des Klosters Muri eröffnet das «Freiämter Kunsthappening» von Murikultur. In drei Staffeln präsentieren 52 professionelle und semiprofessionelle Kunstschaffende, die im Freiamt leben oder ihre Wurzeln hier haben, neuere Arbeiten.

Zur Vernissage am 8. Mai lädt Kurator Peter Fischer zum Gespräch mit den ausstellenden Künstlern. In der ersten Staffel des «Freiämter Kunsthappenings», das bis zum 4. Juli dauern wird, präsentieren unter anderem Künstler wie die Murianer Kunstschaffende Michaela Allemann-Koch oder der Maler Carl-W. Röhrig aus Dottikon ihre Werke. Eröffnet werde die Ausstellung definitiv am 8. Mai, bestätigt Judith Stadler von Murikultur, auf Anfrage. In welcher Form die Künstlergespräche stattfinden können, hänge jedoch vom Entscheid des Bundesrats ab.

Weitere Informationen:

Weitere Infos zu den beiden Veranstaltungen und den teilnehmenden Künstlern gibt's auf www.k-13.ch (Tag der offenen Ateliers) und www.murikultur.ch (Freiämter Kunsthappening).

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