Villmergen

Paletten, PET-Flaschen, Metallteile: Der Jugendfest-Umzug, den Schüler gesammelt haben

Auch aus alten Metallteilen und Fahrrädern lässt sich ein fantastisches Umzugssujet bauen. Vorausgesetzt, man verfügt über gute Ideen und viel handwerkliches Geschick.

Auch aus alten Metallteilen und Fahrrädern lässt sich ein fantastisches Umzugssujet bauen. Vorausgesetzt, man verfügt über gute Ideen und viel handwerkliches Geschick.

Am Jugendfest vom kommenden Wochenende wird vieles anders, als es bisher aus langer Tradition gewesen ist. Die Umzugswagen sind – getreu dem diesjährigen Motto «upcycling» – durchweg aus gebrauchten Materialien gebaut worden.

Einst hat Furi (Brigitte) Hundt von einem bunten Zirkuswagen geträumt. Damit wollte sie um die Welt fahren. Es kam anders. Die in Wohlen aufgewachsene Hausfrau, Mutter und Künstlerin ist mit ihrer Familie vor Jahren an der Kirchgasse in Villmergen sesshaft geworden: «Ursprünglich wollten wir zwei Jahre hier bleiben, doch dann sind wir hängen geblieben. Mir gefällt es sehr in diesem Dorf, ich fühle mich hier wohl», sagt die 50-Jährige.

Statt in einem bunten Zirkuswagen lebt Furi Hundt mit ihrer Familie jetzt in einem bunten Haus mit farbigen Skulpturen und allerlei kunstvoll bemaltem Krimskrams drumherum. «Ich habe mich zwar schon als Kind künstlerisch betätigt und verschiedenste Dinge oder Menschen bemalt. Künstlerin war eigentlich dennoch gar nie mein Berufswunsch, ich bin es einfach so geworden», lacht die aufgestellte und sympathische Frau.

Künstlerische Leitung an Umzug

Furi fertigt Skulpturen, malt Bilder, verschönert Wände, Autos oder Velos und sie hat sich vor allem dem Upcycling verschrieben. «Das ist ein moderner Begriff, aber gemacht hat es schon meine Grossmutter. Upcycling ist nichts anderes, als gebrauchte Gegenstände einer neuen Verwendung zuzuführen.

Grossmutter hat aus alten Hemden Putzlappen gemacht oder Blumenvasen aus Glasflaschen, ich fertige – beispielsweise – aus Abfallholz bunte Möbel oder aus leeren PET-Flaschen und Kunststoffabfällen Skulpturen .»

Aus PET-Flaschen ist dieses Kunstwerk entstanden. Worum es sich genau handelt, wird am Umzug vom Samstagnachmittag erstmals öffentlich.

Aus PET-Flaschen ist dieses Kunstwerk entstanden. Worum es sich genau handelt, wird am Umzug vom Samstagnachmittag erstmals öffentlich.

Upcycling, beziehungsweise #zweimalig ist auch das Motto des Villmerger Jugendfestes, das am nächsten Wochenende stattfindet. Furi Hundt ist die künstlerische Leitung des traditionellen Jugendfest-Umzuges übertragen worden, der am Samstag um 15 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr, also zweimal(ig) stattfindet.

Der diesjährige Umzug ist in verschiedener Hinsicht speziell: Damit die Kinder ihn auch geniessen können, wird die Schule in zwei Umzugsgruppen aufgeteilt. Die eine macht am Samstag mit und darf am Sonntag zusehen, die zweite schaut am Samstag zu und macht am Sonntag mit.

Tiere werden am Umzug einige zu sehen sein. Jenes, von dem hier aus kleiner Ausschnitt zu sehen ist, wurde aus Kunststoffabfällen gebaut.

Tiere werden am Umzug einige zu sehen sein. Jenes, von dem hier aus kleiner Ausschnitt zu sehen ist, wurde aus Kunststoffabfällen gebaut.

Die Umzugswagen sind mottogerecht durchweg aus gebrauchten Materialien gebaut worden: «Man hat sich in Villmergen natürlich schon etwa gefragt: ‹Gibt das jetzt einen Recycling-Umzug?›. Nein, es ist ein Upcycling-Umzug. Recycling ist, Materialien in ihre Grundstoffe zurückzuführen und daraus neues Material zu machen. Wir haben aus – beispielsweise – gebrauchten Paletten, PET-Flaschen, Metallteilen oder Unterhaltungselektronik die Umzugssujets gestaltet.

Sammlung an der Schule

Viel vom benötigten Material haben die Schulkinder über Monate hinweg selber gesammelt. «Das war auch eine logistische Herausforderung, irgendwo musste das ja auch gelagert werden», erklärt die Künstlerin. Sie hat die Ideen für die Sujets entwickelt, sie gezeichnet und gewissen Vorgaben gemacht, den erfahrenen Villmerger Wagenbauern aber viel gestalterische Freiheit gelassen.

«Die Auflage war, dass alle Wagen so weit möglich aus gesammelten Materialien erstellt wurden und so wenig wie möglich zugekauft wurde. Für die Wagenbauer war das eine grosse Herausforderung, aber sie haben sich alle mächtig ins Zeug gelegt. Ich bin total überwältigt von den Ideen, die sie entwickelt haben und mit welcher Begeisterung sie ans Werk gegangen sind», lobt Furi Hundt.

Allzu viel soll über die einzelnen Umzugssujets noch nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Es ist in Villmergen Tradition, dass der alle acht Jahre stattfindende Jugendfest-Umzug eine Überraschung ist und vorher möglichst keine Fotos von fertigen Wagen in irgendwelchen Foren kursieren.

Für die Künstlerin war die Zusammenarbeit mit den Wagenbauern auch vom zwischenmenschlichen Aspekt her ein Erlebnis: «Ich habe in den vergangenen Monaten sehr viel über das Dorf und seine Menschen gelernt. Es ist echt ein Wahnsinn, was da abgeht, der Zusammenhalt, das Engagement für die Kinder, der grosse zeitliche Einsatz – ich bin ein Fan von diesen Leuten geworden und freue mich riesig auf den Umzug», sagt Furi Hundt begeistert.

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