Jubilar

Othmar Zimmermann wird 100 Jahre alt – 99 davon lebte er in Eggenwil

Am Dienstag vor genau einem Jahrhundert kam Othmar Zimmermann zur Welt. Heute lebt er in Widen.

Othmar Zimmermann war das jüngste von fünf Kindern. Vor genau 100 Jahren brachte ihn seine Mutter Ida, eine Hebamme, zur Welt. «Wir wohnten auf einem Bauernhof im Eggenwiler Weiler Hofor», erinnert er sich.

«Da unsere Mutter als Hebamme oft unterwegs war und manchmal bis zu drei Tage lang nicht nach Hause kommen konnte, und weil meine grossen Geschwister auf dem Hof arbeiten mussten, sagte der Vater zu mir, ich solle kochen. Das tat ich dann eben», erzählt Zimmermann mit einem Lächeln.

«Es gab damals halt das, was wir gerade hatten. Zum Beispiel hatten wir immer Schweine, von denen zwei für den Hof Fleisch lieferten, die anderen wurden an den Metzger verkauft.» Ausserdem gab es Hühner, Enten, Kühe, Rinder und ein Pferd auf dem Hof. Auf die Frage, was ihm am meisten gefallen habe am Bauernhandwerk, sagt Othmar Zimmermann achselzuckend: «Ich habe alles gern gemacht.»

Manchmal nahm ihn seine Mutter mit zu ihrer Arbeit, wenn er nicht zu viel zu tun hatte für die Schule oder den Hof. «Auf dem Weg lernten wir manchmal Gedichte für die Schule auswendig.» Und damit sie nicht zu schwer zu tragen hatten, riss die Mutter die Seite einfach aus dem Schulbuch. Das war dem kleinen Othmar nicht recht, aber die Mutter versprach, das Buch zu bezahlen.

Von Fasstugeli, Forellen und der Lehre als Dreher

Zur Schule mussten die Kinder aus dem Weiler Hofor eine Viertelstunde zu Fuss gehen. «Im Winter fuhren wir mit dem Schlitten oder auf Fasstugeli ins Dorf hinunter», weiss Zimmermann noch. «Wir haben extra ein Fass kaputtgemacht, um die Tugeli herzustellen.»

Auch Streiche haben die Kinder damals natürlich gerne gespielt. Zimmermann muss lachen, als er zurückdenkt: «Im Dorfbach gab es Forellen. Einmal sagten mir die anderen, ich hätte die längsten Arme, ich solle eine Forelle fangen. Da bin ich ins Wasser gegangen und habe tatsächlich eine gefangen. Aber ich habe sie natürlich wieder freigelassen.»

Nach der Schule hätte Zimmermann gerne eine Lehre als Koch gemacht. Er bewarb sich bis in die Welschschweiz hinunter. Aber obwohl er von dort eine Zusage erhalten hätte, verbot ihm das die Mutter: «Sie sagte, das komme nicht in Frage, da könne ich sonntags nicht mehr zur Kirche.»

Also arbeitete er auf dem elterlichen Hof, als Aushilfe bei Verwandten und als Ausläufer für Metzger Staubli in Bremgarten, bis er im Alter von 20 Jahren endlich eine Lehre machen konnte. Allerdings nicht als Koch. In der Firma Birchmeier in Künten, wo auch sein Bruder arbeitete, machte er eine vierjährige Dreher-Lehre und dazwischen die Rekrutenschule in der Train-Einheit. Nach der Lehre blieb er bei der Firma Birchmeier – 39 Jahre lang.

Fischen, Gärtnern, Feuerwehr und Ziervögel

1947 lernte er Anna Schürmann kennen und heiratete sie 1950. Sie kennen zu lernen war leicht: «Mein Bruder hatte ihre ältere Schwester geheiratet, und bei der Hochzeit war sie Brautführerin und ich Brautführer. Da hat es gefunkt», erzählt er lächelnd.

Mit ihr bekam er vier Kinder, die ihm mittlerweile sechs Enkel und sieben Urenkel geschenkt haben. «Anna und ich hatten ein schönes Leben in unserem Haus in Eggenwil, bevor sie 1975 an Krebs starb», erinnert er sich.

Danach lernte Othmar Zimmermann durch eine Zeitungsannonce Hanny kennen, mit der ihn ebenfalls viel verband. «Schon Anna hatte den grossen Garten immer gepflegt, und wir bestiegen viele Gipfel, zum Beispiel das Jungfraujoch, den Mönch und den Dom. Mit Hanny habe ich dann ein Gewächshaus gekauft, und wir sind bis nach China, Amerika und Spanien gereist.»

Daneben hatte er immer viele Hobbys: Er fischte gern, sang im Kirchenchor, war Materialwart in der Feuerwehr, malte Bilder, züchtete Ziervögel und gründete den Vogelschutzverein Eggenwil mit.
«Vermutlich hatte ich Glück und gute Gene»

Bis kurz vor seinem 99. Geburtstag lebte Zimmermann im Haus in Eggenwil. Dann zog er ins Alterszentrum Burkertsmatt in Widen. Dort hat er am Sonntag mit seiner Familie seinen 100. Geburtstag gefeiert. Am Dienstag erwartet er viele Gratulanten, darunter den Eggenwiler Gemeinderat. Sogar die Musikgesellschaft Eggenwil wird ihm ein Ständchen spielen.

Was ist sein Geheimnis, um so alt zu werden? «Das haben mich schon viele gefragt», sagt er. «Aber ich habe keine Antwort. Ich habe nie zu viel getrunken und nie geraucht. Vermutlich hatte ich einfach Glück und gute Gene.»

Othmar Zimmermann ist am 23. Januar 2020, zwei Tage nach seinem 100. Geburtstag, verstorben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1